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Frauen
Im Kreis Saarlouis machen Frauen 72 Prozent aller Teilzeit-Jobs

Akteure von Paraplü mit Regisseurin Myriam Port (rechts) bei der Aufführung des Theaterstücks „So viele Sterne”. Paula Leis (vorne Mitte) spielt in der Hauptrolle eine Prinzessin.
Akteure von Paraplü mit Regisseurin Myriam Port (rechts) bei der Aufführung des Theaterstücks „So viele Sterne”. Paula Leis (vorne Mitte) spielt in der Hauptrolle eine Prinzessin. FOTO: Dieter Lorig
Kreis Saarlouis. Zum gestrigen Weltfrauentag hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf Ungerechtigkeiten in der Arbeitswelt aufmerksam gemacht. Frauen machten im Kreis Saarlouis 72 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs, teilt die NGG mit. Teilzeitarbeit und Niedriglohn seien im Landkreis Saarlouis weiblich besetzt. Bei den rund 17 500 Teilzeit-Stellen im Landkreis Saarlouis liege der Frauenanteil nach Angaben der Arbeitsagentur sogar bei 82 Prozent. Von Nicole Bastong

Mark Baumeister, Geschäftsführer der NGG Saar, spricht von einer „Karrierefalle“: Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien seien Minijobs und Teilzeit-Verträge stark verbreitet. „Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme“, so Baumeister. Teilzeitarbeit mache jedoch den beruflichen Aufstieg schwieriger, wie eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung belegt. Demnach sind für Teilzeit-Beschäftigte Gehaltszuwächse und Beförderungen seltener.


„Bei der Bezahlung stehen Frauen allgemein weiterhin deutlich schlechter da als Männer“, kritisiert Baumeister. So verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Im EU-Durchschnitt lag der so genannte „Gender Pay Gap“ dagegen lediglich bei 16 Prozent. Zwar gebe es für Frauen seit diesem Jahr erstmals einen Rechtsanspruch darauf zu erfahren, was ein männlicher Kollege in ähnlicher Position verdient. Doch das Lohntransparenzgesetz gilt lediglich in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. „Davon hat kaum eine Köchin oder Bäckereifachverkäuferin im Kleinbetrieb etwas“, bemängelt Gewerkschafter Baumeister. Hier müsse die künftige Bundesregierung nachbessern.

Die Lohnungerechtigkeit verschärft nach Einschätzung der NGG auch die Altersarmut für Frauen. „Geringere Löhne und kürzere Arbeitszeiten sorgen für magere Renten. Außerdem tragen Erziehungs- und Pflegezeiten dazu bei, dass nur wenige Rentenpunkte zusammenkommen“, erklärt Baumeister. Hinzu kommt: Im Beruf sind nach Beobachtung der NGG noch immer viele Frauen Diskriminierung ausgesetzt. „Zotige Sprüche an der Theke sind da noch das Geringste“, so Baumeister. Positiv wertet die NGG Saar, dass sich immer mehr Frauen gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr setzten, etwa mit Hilfe der Gewerkschaft.