Im königlichen Hexenkessel

Saarlouis. Samstagabend, 19 Uhr. In einer Stunde wird in der Stadtgartenhalle Saarlouis das Basketball-Europacup-Spiel der Damen zwischen den Saarlouiser Royals und dem russischen Team Nadezdha Orenburg angepfiffen. Die Halle ist ausverkauft. Rund 1650 Zuschauer haben bereits ihre Plätze eingenommen. Die Fans sind in freudiger Erwartung. Der Geräuschpegel ist schon äußerst hoch

Saarlouis. Samstagabend, 19 Uhr. In einer Stunde wird in der Stadtgartenhalle Saarlouis das Basketball-Europacup-Spiel der Damen zwischen den Saarlouiser Royals und dem russischen Team Nadezdha Orenburg angepfiffen. Die Halle ist ausverkauft. Rund 1650 Zuschauer haben bereits ihre Plätze eingenommen. Die Fans sind in freudiger Erwartung. Der Geräuschpegel ist schon äußerst hoch. Einige Fans bringen mit rhythmischen Trommelschlägen das Publikum zum pulsieren. Als dann endlich die Spielerinnen auf dem Spielfeld auftauchen, wird das Trommelschlagen zu einem Trommelfeuer. Die Hundertschaften rufen den Spielerinnen in kurzen rhythmischen Sprechgesängen zu: "Let`s go Royals, let's go" und "Die Fans". Dabei hält fast jeder Zuschauer ein schwarzes Plakat hoch, auf dem in gelber Schrift zu lesen ist: "Let`s go Royals". Beim Aufrufen der Saarlouiser Spielerinnen wird jede einzelne von den Zuschauern lauthals angefeuert. Aber auch das russische Team wird freundlichst empfangen. An den Banden ist ein großes Banner angebracht, welches den Gegner auf Russisch Willkommen heißt. Außerdem erhält jede russische Spielerin ein grünes Säckchen mit einem Willkommensgeschenk. Als dann endlich das Spiel beginnt, gehen die Gastgeschenke jedoch noch weiter: Das russische Team liegt bereits nach fünf Minuten mit 13:2 in Führung. Die Zuschauer erweisen sich jedoch als treue Fans und treiben ihre Mädels durch lautstarke Anfeuerungsrufe und rhythmisches Trommeln zu bedingungslosem und beherztem Einsatz an. Die Spielerinnen geben ihr Bestes. So gelingt bereits in der 28. Spielminute das Unerwartete: Die Royals können zum 40:40 ausgleichen. Jetzt hält es keinen mehr auf seinen Sitzen. Der Geräuschpegel lässt einem fast das Trommelfell platzen. Die Stimmung brodelt wie in einem Hexenkessel, der überzulaufen droht. Und dennoch - trotz Feuer von den Rängen und in den Adern der Spielerinnen schaffen es die Royals am Ende nicht zu siegen, Endstand 62:56. Stina Barnert und Tyresa Smith schauen betröppelt: "Wir waren äußerst nervös vor dem Spiel und zu ängstlich. Dadurch ist man unkonzentriert und es schleichen sich Fehler ein". Doch die Zuschauer sind keineswegs enttäuscht von ihren Spielerinnen. Die Royals müssen sich nicht verstecken. Wer gegen ein Weltklasse-Team wie Russland ein solch knappes Ergebnis erkämpfen kann, der braucht sich vor keiner Mannschaft zu fürchten. Darum verabschiedet sich das begeisterte Publikum mit donnerndem Applaus. So haben die Royals zwar nicht das Match, wohl aber einmal mehr die Herzen der Zuschauer gewonnen, die auch draußen in der kalten Nacht noch weiterglühen. Carina Theobald und Hanna Geraldy. 8F2. Saarlouiser Gymnasium am Stadtgarten