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Konferenz
IG Metall kritisiert Kanzlerin Merkel

Roden. Auf der Delegiertenkonferenz in Roden prangern Gewerkschaftsvertreter politische Missstände an. Von Andreas Engel

„Der deutsche Landwirtschaftsminister setzt sich für die Vergiftung der Umwelt mehr ein, als die Bundeskanzlerin für die Stahlarbeiter“, konstatierte der 1. Bevollmächtigte der IG-Metall-Geschäftsstelle Völklingen, Robert Hiry, auf der Delegiertenkonferenz 2017 in Roden. Er nahm damit Bezug auf die Versprechungen der Kanzlerin vor der Wahl, und auf das Abstimmungsverhalten von Agrarminister Christian Schmidt jüngst in Brüssel, als er entgegen der koalitionsvertraglichen Regeln für eine Verlängerung des Glyphosateinsatzes stimmte und so eine Koalitionskrise auslöste.


Merkel hatte im September in Dillingen den Stahlarbeitern Unterstützung zugesichert, „aber passiert ist nichts“, sagte Hiry vor den 120 Delegierten. Gefahren sehen die Gewerkschafter vor allem bei den Billigimporten von Stahl aus China und den ihrer Ansicht nach zu laschen Gegenmaßnahmen, wie zum Beispiel zu niedrigen Einfuhrzöllen. Sorgen bereitet den Metallern auch die Automobilindustrie. Hiry sieht diesen Bereich in einem epochalen Umbruch, er nannte den VW-Dieselskandal und die Elektromobilität. Es gebe zu viele Fragen, große Verunsicherung und keine Antworten.

Zufrieden dagegen ist Hiry mit der Mitgliederentwicklung im Bezirk der Geschäftsstelle Völklingen, zu der auch der Landkreis Merzig-Wadern organisatorisch gehört. Er sprach von 94 Prozent Organisationsgrad bei den neuen Auszubildenden. Insgesamt sind mehr als 28 500 Beschäftigte bei der Geschäftsstelle Völklingen gelistet. Hiry gab in seinem Geschäftsbericht auch einen Ausblick auf die jetzt anstehenden Tarifverhandlungen mit angestrebten Lohn- und Gehaltserhöhungen von sechs Prozent. Warnstreiks im Januar 2018 seien bereits in Vorbereitung. Guido Lesch, 2. Bevollmächtigter der Geschäftsstelle, beschäftigte sich unter anderem mit der aktuellen politischen Lage. „Wir leben in unruhiger Zeit“, stellte er fest. Er nannte an erster Stelle die Bundestagswahl, die ein gescheitertes Jamaika-Bündnis, Rechtspopulismus und eine irrlichternde SPD über Deutschland gebracht hätte. Ferner kritisierte er heftig zunehmende Armut und soziale Ungerechtigkeit. Ziel gewerkschaftlicher Arbeit sei, sagte Lesch, betriebliche, soziale und wirtschaftliche Missstände aufzuzeigen und dagegen zu agieren.