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„Ich möchte zurück in mein Haus“

Gudrun Lemier, Christel Jung und Helmut Bauer (v. l.) wollen dafür sorgen, dass Tante Anneliese Leinenbach entlastet wird und Waltraud Kaltenegger eine Übergangswohnung findet. Foto: CAROLIN Merkel
Gudrun Lemier, Christel Jung und Helmut Bauer (v. l.) wollen dafür sorgen, dass Tante Anneliese Leinenbach entlastet wird und Waltraud Kaltenegger eine Übergangswohnung findet. Foto: CAROLIN Merkel FOTO: CAROLIN Merkel
Steinrausch. Die Nachbarn retteten Waltraud Kaltenegger das Leben. Als es in ihrem Haus brannte, wählten sie den Notruf. Einen Monat nach dem Feuer kann die 70-Jährige noch immer auf die Unterstützung der Nachbarschaft zählen. Carolin Merkel

"Es war ein schöner Sommertag, der 11. Juli", erinnert sich Waltraud Kaltenegger. Sie war an jenem Montagvormittag mit den Vorbereitungen zum Fest ihrer Tante Anneliese Leinenbach, die ihren 87. Geburtstag feiern wollte, beschäftigt. Kuchen backen, Schnittchen vorbereiten, alles war soweit fertig.


Schnell ging es für die Witwe noch ins Bad, als das Unheil seinen Lauf nahm. Denn Kaltenegger hatte auf dem Herd ein Pfännchen mit Butter stehen lassen, das sich immer weiter erhitzte. Durch den Alarm des Rauchmelders, aber auch durch den Geruch wurde die Frau aufmerksam und eilte in die Küche. "Da hatte gerade die Dunstabzugshaube Feuer gefangen, ich erinnerte mich nur daran, dass mein Vater, ein Feuerwehrmann immer gesagt hat, Fett kann man nicht selbst löschen", sagt sie.

Nachbarn riefen die Feuerwehr

Ein Anruf der Feuerwehr konnte sie aufgrund eines Schocks nicht selbst absetzen, doch - auch das hatte sie vom Papa gelernt - alarmierte sie schnell die Nachbarn in den umliegenden Reihenhäusern. Die alarmierten die Feuerwehr, schließlich rettete sich die Frau über eine Leiter in den Garten. Statt der geplanten Geburtstagsfeier nahm ihre Tante sie nach einem Krankenhausaufenthalt in Ensdorf bei sich auf.

"Es ist toll, wie sich meine gesamte Familie um mich sorgt, doch die Wohnung in Ensdorf ist viel zu klein für uns beide", sagt Kaltenegger.



Obwohl sie im August ihren 70 Geburtstag feiert, ist sie noch immer sehr arbeitseifrig, backt und kocht, was das Zeug hält, auch, um ihre Rente aufzubessern, zumeist aber ehrenamtlich. "Vor allem im ehrenamtlichen Bereich hat sie sich auf dem Steinrausch sehr verdient gemacht, überall sind ihre Kuchen und Plätzchen begehrt", erklärt Nachbarin Gudrun Lemier.

Sie hatte schließlich die Idee, mit Hilfe der Saarbrücker Zeitung eine Nachbarschaftshilfe zu starten. "Wir wohnen seit fast 40 Jahren hier Haus an Haus, kennen uns schon so lange", sagt sie. Einen ersten Aufruf haben die Nachbarn bereits gestartet, es kamen Kleider- und Geldspenden zusammen. Doch nicht nur auf dem Steinrausch , auch in ihrer Heimat, in Ensdorf, hat ihr Jahrgang Geld gesammelt. Denn bei dem Brand sind alle Sachen, die Kaltenegger lieb und teuer waren, verbrannt.

"Zum einen sind das die Erinnerungen an meinen Mann, der vor zwei Jahren starb. Zum anderen sind alle Küchenmaschinen, Töpfe und Haushaltsartikel, die ich brauchte, dem Feuer zum Opfer gefallen".

Sorge macht ihr aktuell die Wohnungssituation. "Ich suche eine kleine Wohnung, vielleicht komme ich auch bei einem älteren Ehepaar oder einer Einzelperson unter. Ich würde diese gerne beim Kochen, Einkaufen und im Haushalt unterstützen", sagt sie.

Die Nachbarn wollen mit Geldspenden dafür sorgen, dass ihre eifrige Freundin wieder Haushaltsartikel anschaffen und ihrer Leidenschaft nachgehen kann. Probleme, berichtet Kaltenegger, gibt es derzeit mit der Versicherung, hier steht ihr ein Anwalt zur Seite.

Sozialamt abweisend

Sehr abweisend, berichtet die 70-Jährige, sei sie auf dem Sozialamt behandelt worden. Tolle Unterstützung dagegen erhielt sie direkt von Saarlouis Bürgermeisterin Marion Jost. "Auf jeden Fall möchte ich zurück in mein Haus". Das will der Sohn zusammen mit Freunden wieder aufbauen, damit auch die Enkel schon bald wieder Ferien auf dem Steinrausch bei der Oma machen können.

Gesucht wird eine kleine Wohnung, zudem helfen Sach- und Geldspenden. Wer helfen möchte, kann sich an Christel Jung unter Tel. (0 68 31) 8 47 75 wenden.