„Ich habe privat noch nie Silvester gefeiert“

Saarlouis · Es war eine feine Adresse in Saarlouis: Das Alte Pfarrhaus in Beaumarais, Hotel mit Restaurant. Vom Beginn vor 30 Jahren an war Eva Kullack Pächterin. Jürgen Trampert begann als Angestellter und war seit 18 Jahren Betreiber des Restaurants. In ihrer Bilanz sagen sie klar: Man muss seine Gäste wirklich mögen, wenn man Gastronom und Hotelier sein will. Sonst überstehe man das nicht, erzählen sie SZ-Redakteur Johannes Werres.

 Eva Kullack und Jürgen Trampert verabschieden sich vom Hotel und Restaurant „Altes Pfarrhaus“ in Saarlouis-Beaumarais. Foto: Thomas Seeber

Eva Kullack und Jürgen Trampert verabschieden sich vom Hotel und Restaurant „Altes Pfarrhaus“ in Saarlouis-Beaumarais. Foto: Thomas Seeber

Foto: Thomas Seeber

Frau Kullack, Herr Trampert, nach 30 erfolgreichen Jahren, so informierten Sie Ihre Gäste und Freunde, verlassen Sie das Alte Pfarrhaus in Beaumarais. Warum?

Kullack: Für uns stand nach 30 Jahren als Pächter ein Anschlussvertrag an - das war für uns Anlass, zu überdenken, wie es weitergeht. Wir haben uns für neue Schritte entschieden. Ich gehe ganz raus aus der Berufstätigkeit . . .

Trampert: . . . und ich wechsele in ein großes Tagungshotel bei Frankfurt. Wir hätten auch weitermachen können, ja. Aber wir haben uns so entschieden.

Ihre E-Mail zum Abschied vom Alten Pfarrhaus beginnt mit den Worten "Nach 30 erfolgreichen Jahren". Woran haben Sie diese Aussage gemessen?

Kullack: An der Kundenzufriedenheit, an der Nachfrage, daran, wie stark gebucht wurde, am Bekanntheitsgrad, einfach an der positiven Anerkennung in all den Jahren, die sich auch im wirtschaftlichen Erfolg ausgedrückt hat.

30 Jahre in der gehobenen Gastronomie - hat sich die Einstellung der Kunden geändert? Geben Kunden heute leichter mehr Geld aus für gehobene Qualität oder ist das gleich geblieben?

Trampert: Es ist schwieriger geworden. Das liegt zuerst an den veränderten Gewohnheiten der Firmen. Früher kamen Geschäftspartner ab 12 Uhr bis im Prinzip open end. Heute ist die Essenszeit auf ein Minimum zurückgegangen, genauso wie die Budgets der Firmen dafür. Eine Küche muss schneller sein, flexibler, billiger - und das ist für eine gehobene Küche schwer umzusetzen. Das schnelle Businessessen lässt sich nicht mit einem anspruchsvollen Menu machen.

Kullack: Schwieriger geworden ist es auch im Hotelbetrieb. Wenn heute Geschäftsleute ein Hotelzimmer buchen, dann von Montag bis Donnerstag. Früher war es von Montag bis Freitag. Und immer mehr müssen morgens kommen und abends wieder fahren, ohne Übernachtung. Ich denke, in den letzten zehn, zwölf Jahren ist das Geschäft extrem schwierig geworden, im Hotel wie im Restaurant. Bei Privatkunden in der Gastronomie spielt das größere Bewusstsein für Alkohol am Steuer eine große Rolle. Und es ist sehr viel schwieriger geworden, gutes Personal zu finden.

Gab es Gäste, an die Sie sich besonders gern erinnern? Prominente?

Trampert: Viele. Besonders lustig war Rudolph Mooshammer mit seinem Hund, der Daisy. Der hatte nur Autogrammkarten von Daisy, nie von sich selbst. Heiner Lauterbach war da, Reiner Calmund hat hier einen runden Geburtstag gefeiert. Oder: Die ganze Delegation von Erich Honecker aus der DDR war bei uns.

Hören Sie jetzt eigentlich gern auf?

Kullack: Wir machen das hier ja gerne. Da steckt wirklich Herzblut drin. Angefangen bei den antiken Möbeln im ganzen Haus, die habe ich selbst in Frankreich gekauft. Es gab nicht einen Tag, an dem ich dachte: Oh Gott, jetzt muss ich da wieder hin. Wenn man nicht wirklich gern für seine Gäste da ist, rächt sich das, nicht zuletzt an der Gesundheit. Deswegen ist Gastronomie auch so schwierig. Aber, wie gesagt, wir haben uns nun entschieden, hier aufzuhören.

Trampert: Das multipliziert sich. Sie haben Spaß an der Arbeit, das überträgt sich auf das Personal und die Gäste, und von denen bekommen Sie es zurück. Für mich ist wichtig, dass ich immer selbst da war. Das kostet natürlich viel Zeit. Ich habe noch nie Silvester gefeiert, privat. Aber wenn es einem Spaß macht, fällt das gar nicht auf. Und mir macht es Spaß.

Kullack: Wenn man die Balance in sich selbst hat, geht es einem damit gut. Wenn man die Nähe zum Kunden mag, können Sie alles. Wenn Sie zuhause ein guter Gastgeber sind, sind Sie auch hier ein guter Gastgeber. Das ist mein Credo. Und das Echo, das wir jetzt bekommen, da wir hier aufhören, ist überwältigend. Gerade hat ein englischer Kunde einen Riesenstrauß geschickt. Uns fällt besonders der Abschied vom Personal schwer. Manche sind von Anfang an, seit 30 Jahren, dabei. Wir hatten kaum Fluktuation in den drei Jahrzehnten.

Trampert: Einer aus dem Team geht sogar mit mir nach Frankfurt. Rund 20 Leute hatten wir hier, es sind aber alle versorgt, keiner geht in die Arbeitslosigkeit.

Die Resonanz der Gäste ist Ihnen schon wichtig?

Kullack: Oh ja, auch dann, wenn sie negativ ist. Besonders die ganzen Hotelbewertungen im Internet; wenn Sie da mal zwei schlechte bekommen, das macht sich bemerkbar! Die Leute orientieren sich wahnsinnig an diesen Bewertungen.

Welche Rolle spielten die Krimi-Dinner für das Alte Pfarrhaus?

Trampert: Wir waren, soweit ich weiß, die Ersten, die so etwas gemacht haben. Ich war mal mit meiner Frau im Theater, man zog sich fein an, und in der Pause gab's nur Brezel. Warum, habe ich damals gefragt, kann man da nichts Ordentliches essen? Danach haben wir dann mit einer eigenen Theatergruppe hier Theater gespielt, die Mausefalle von Agatha Christi, Cocktail für eine Leiche von Alfred Hitchcock , bis zu Loriot . Dann erst kamen wir zu den eigentlichen Krimi-Dinnern, die inzwischen ja oft angeboten werden: kleiner Kreis, maximal 50 Gäste, Mehrgangmenus, und dazwischen die Akte des Theaterstücks. Das Publikum sitzt da wie im Theater, die Schauspieler spielen um sie herum.

Ein Erfolg?

Trampert: Es war immer ausverkauft. Direkt. Manchmal Freitag, Samstag, Sonntag. Die Gäste kamen aus dem ganzen Saarland.

Kullack: Das war ein Event , und Events laufen derzeit immer, egal was man macht.