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Hilfe für traumatisierte Kinder

Hilfe für traumatisierte Kinder

Zehntausende sind vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflohen und haben in Camps im Nordirak Zuflucht gesucht. Dorthin hat der saarländische Verein Rote Sonne nun zum dritten Mal Hilfsgüter gebracht.

Es ist still geworden um den Krieg im Nordirak, um die Vertriebenen und Opfer des Islamischen Staates (IS). An ihrer Lage hat sich allerdings kaum etwas verändert: Tausende Flüchtlinge harren in Camps aus, ihre Zukunft ist ungewiss. Saman Saeed, Vorstandsmitglied des saarländischen Vereins "Rote Sonne der Ezidischen Karitative" aus Saarlouis , berichtet von der dritten Hilfsaktion des Vereins nahe der irakischen Stadt Dohuk. Diesmal führte ihn die Reise im April durch vier Flüchtlingscamps, im Gepäck 10 000 Euro, die in Form von Geldspenden an 200 Waisenkinder verteilt wurden.

Doch vor der eigentlichen Hilfsaktion war Saeed bei der Erstversorgung von über 200 freigelassenen Jesiden beteiligt. Die Menschen, überwiegend Alte und einige wenige Kinder, wurden vom IS an einem Checkpoint nahe Kirkuk freigelassen, nachdem sie Monate in Geiselhaft verbracht hatten. "Sie befanden sich alle in einem schlechten Allgemeinzustand, waren unternährt und traumatisiert", berichtet Dr. Saeed, der als Chirurg am Marienhausklinikum in Saarlouis arbeitet. "Warum die Menschen freigelassen wurden, darüber lässt sich nur spekulieren, aber die Leute konnten es selbst kaum fassen", sagt Saeed. Angesichts der Mordlust des IS - jüngst fand man Massengräber nahe Tikrit mit etwa 1700 Leichen - erscheint die Freilassung wie ein Wunder. Zuvor kam es nur einmal im Januar zu einer Freigabe von 350 jesidischen Geiseln. Gemeinsam mit seiner Schwester, Vian Dakhil, der wohl bekannteste Sprecherin der Jesiden, sowie weiteren Helfern versorgte Saeed die Geretteten. "Es reicht schon nur mit den Leuten über das Erlebte zu reden, um selbst traumatisiert zu werden."

Auch bei der Verteilung der Spenden in den Camps hört Saeed Geschichten von Verfolgung, Mord und Folter. Kinder erzählen von der Flucht ins Sindschar-Gebirge, davon, dass sie kilometerweit durch die Dunkelheit laufen mussten, die Verfolger im Rücken. Sie erzählen vom Hunger und wie sie die Blätter von Bäumen gegessen haben. Und davon, wie ihre Väter getötet und ihre Mütter vergewaltigt wurden. "Wir wurden getötet, unsere Frauen verkauft und vergewaltigt und unsere Kinder, weiß nur Gott allein, was sie für eine Zukunft haben. Und all das im 21. Jahrhundert!", sagt Saeed.

Noch immer seien etwa 3000 jesidische Mädchen und Frauen in den Händen der Terrormiliz. Auf Basaren werden sie für etwa zehn bis 15 US-Dollar zum Kauf angeboten. Zudem befinden sich über 1000 Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren in IS-Gefangenschaft. Sie werden zu Kindersoldaten ausgebildet.

Fast alle Überlebende in den Camps haben Familienmitglieder verloren und Schreckliches durchgemacht, trotzdem hoffen sie und sind bemüht, wieder Routine in ihr Leben zu bringen. So wurde beispielsweise eine provisorische Schule eingerichtet - für einen Unterricht unter freiem Himmel. Bei der nächsten Hilfsaktion will der Verein Rote Sonne daher neben Spenden für Nahrung und Kleidung auch Schultafeln zur Verfügung stellen. "Hält die Spendenbereitschaft weiter an, können wir etwa alle zwei Monate Hilfsaktionen planen", erklärt Adoula Dado, Vorsitzende des Vereins. Dabei legt der wohltätige Verein größten Wert darauf, dass alle Spenden an die hilfsbedürftigen Menschen gehen. Aus diesem Grund bezahlen die ehrenamtlichen Mitglieder ihre Reise auch aus eigener Tasche. "Wir bürgen dafür, dass die Gelder bis auf den letzten Cent an die Menschen in Not gehen und freuen uns über jede Spende", sagt Dado. Nach wie vor sei die Unterstützung und Spendenbereitschaft der Saarländer sehr groß und ohne sie wären die Hilfsaktionen nicht möglich. Neben der Hilfe für den Nordirak plant der Verein, sobald es die Sicherheitslage zulässt, auch eine Hilfsaktion in Syrien.

Spendenkonto des Vereins Rote Sonne der Ezidischen Karitative: BIC: KRSADE55XXX; IBAN: DE49 5935 0110 1373 1604 39