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„Heute kann ich Üben genießen“

„Heute kann ich Üben genießen“

Der vielfach ausgezeichnete Klassikgitarrist Takeo Sato spielte im April sein erstes Konzert in Saarlouis – seiner Heimatstadt. Schon als Schüler legte er hier den Grundstein für eine bemerkenswerte Karriere.

Seine Lieblingsgitarre ist aus einem besonderen Holz geschnitzt: "Jahrgang 1982, wie ich", erklärt Takeo Sato. Gebaut hat sie sein Vater, individuell auf ihn angepasst. Nicht nur deshalb liegt sie dem preisgekrönten Klassikgitarristen am Herzen: "Es ist die 888. Gitarre , die er gebaut hat. Das Zeichen für acht wird im Chinesischen wie im Japanischen mit Glück in Verbindung gebracht. Die gebe ich nicht mehr her."

Ein bisschen Glück muss vielleicht auch dabei sein, vor allem aber ist es harte Arbeit, der Takeo Sato seinen Erfolg verdankt. Der 33-Jährige, der als einer der bemerkenswertesten Gitarristen seiner Generation gilt, ist in Saarbrücken geboren und in Saarlouis aufgewachsen. Sein japanischer Vater Kazuo Sato ist Gitarrenbaumeister in Saarlouis-Roden, auch die saarländische Mutter war früher Gitarristin.

Dreifache Belastung

Ausruhen kann sich Sato auf seinem Erfolg jedoch noch nicht, sein Alltag ist prall gefüllt mit Terminen: "Eigentlich fahre ich dreigleisig: Mit der Familie, der Professur und als Konzertgitarrist." Sato lebt mit Freundin und zwei kleinen Töchtern in Augsburg, doziert dort und pendelt nach Feldkirchen in Österreich, wo er eine Professur angenommen hat. Oft ist er unterwegs, spielt Konzerte im In- und Ausland, solo, mit namhaften Orchestern und anderen Meistergitarristen. "Seit Mitte letzten Jahres geht es steil bergauf", freut sich Sato. Bis nach Japan, Thailand und Korea führten ihn seine Konzertreisen schon, nun steht erstmals Taiwan auf dem Plan.

Ein musikalisches Wunderkind war er nach seiner Einschätzung nicht: Mit Klavier begann er, erst mit neun Jahren stieg er auf die Gitarre um. "Weil mein Bruder auch Gitarre spielte, das fand ich cool." Über seine Begabung machte er sich zunächst keine Gedanken. "Mir ist nur früh klar geworden, dass ich schnell lerne und nicht viel üben musste", erzählt er lachend, "das war ein Bonus. Denn ich war nicht besonders fleißig".

Bonus nennt er bescheiden, was andere als Ausnahmetalent bezeichnen: Schon als Jugendlicher gewann er drei Mal den Bundeswettbewerb Jugend musiziert, den Internationalen Gitarrenwettbewerb Johann Sebastian Bach sowie Auszeichnungen beim Anna-Amalia-Gitarrenwettbewerb in Weimar und bei der International Guitar Competition Tokyo.

Traumberuf Klassikgitarrist? Mit 14 Jahren schaffte er beim renommierten International Guitar Contest Bath in England den ersten Platz. Erst da, erinnert er sich, dachte er ernsthaft über eine Musikerkarriere nach. Schon als 13-Jähriger wurde der Schüler des Gymnasiums am Stadtgarten als Jungstudent an der Musikhochschule Saarbrücken aufgenommen.

Zuerst wenig begeistert

Mit dem Gymnasium ließ sich das Vorstudium aber immer weniger vereinbaren. Und so reifte der Entschluss, die Oberstufe zu verlassen und sich ganz der Musik zu widmen. Die Eltern waren zunächst wenig begeistert, erinnert er sich. Aber im Nachhinein war es die beste Entscheidung: "Das Abitur hätte mir auf diesem Weg nichts mehr gebracht. Es war genau richtig so."

Der 18-Jährige ging nach Augsburg und begann an der Hochschule für Musik zu studieren. 2005 legte er sein Diplom mit Auszeichnung ab und begann sein Studium der Meisterklasse in Den Haag und Augsburg. Heute ist er zweifacher Meistergitarrist und selbst Dozent: Jetzt im Februar wurde Takeo Sato als Professor für Gitarre ans Vorarlberger Landeskonservatorium Feldkirch berufen.

Selten in der alten Heimat

Besuche bei der Familie in Saarlouis sind "zu selten", findet er. Auch wenn er mit Vater und Bruder, den Gitarrenbauern, eng zusammenarbeitet. "Wir sind ein ziemlich gutes Team", schmunzelt Sato. In seiner früheren Heimatstadt spielte er kurz vor Ostern zum ersten Mal ein Konzert: "Das war mir eine besondere Herzensangelegenheit, weil ein großer Teil meiner Familie und viele Freunde und Bekannte da waren."

Das soziale Umfeld ist Sato sehr wichtig: "Ich netzwerke sehr viel", erklärt er. Von klein auf verkehrten bekannte Gitarristen im Hause Sato. Auf Wettbewerben, später an der Musikhochschule knüpfte er Kontakte, in sozialen Medien ist er sehr aktiv. "Ich bin viel auf Festivals unterwegs. Und wenn man über Jahre aktiv ist, wird man wahrgenommen." Eines dieser Festivals hat er sogar selbst auf die Beine gestellt: das Internationale Gitarrenfestival Augsburg. "Damit habe ich mir einen Traum erfüllt", sagt er zufrieden.

Perfektionismus überwinden

 Als 17-Jähriger gewann Takeo Sato zum dritten Mal den Bundeswettbewerb Jugend musiziert. Archiv-Foto: Engel und Seeber
Als 17-Jähriger gewann Takeo Sato zum dritten Mal den Bundeswettbewerb Jugend musiziert. Archiv-Foto: Engel und Seeber Foto: Engel und Seeber

Trotz der Auslastung schafft er es noch, wie er betont, fast täglich drei bis vier Stunden konzentriert zu üben. "Das Aufregendste an meinem Beruf ist", sagt Sato, "jeden Tag an meine Grenze zu gehen. Das kann aber auch sehr frustrierend sein. Ich habe lernen müssen, loszulassen". Perfektionismus sei ein Problem vieler Berufsmusiker. "Man baut sich selbst einen hohen Druck auf", sagt er nachdenklich. "Heute kann ich das Üben wirklich genießen. Aber ich musste viel an meiner Einstellung ändern, um diesen Punkt zu erreichen." Ein Punkt, an die er heute auch seine Meisterschüler bringen möchte.