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Bühnchen
Heilig Abend mit dem Schwiegerdrachen

Schon bei den Proben hat das Ensemble um Spielleiter Peter Just (Zweiter von links) viel Spaß.
Schon bei den Proben hat das Ensemble um Spielleiter Peter Just (Zweiter von links) viel Spaß. FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Roden. Das Saarlouiser Bühnchen lädt zur Premiere des Stücks „Weihnachten auf dem Balkon“ ins Rodener Karl-Thiel-Haus ein. Diese ist am 14. September.

„Fünf, vier, drei, zwei eins – Action“ – zählen die sechs Akteure des Saarlouiser Bühnchens im Probenraum in Roden runter, dann geht es los. Der vierjährige Benjamin alias Fred Wagner setzt sich auf seinem Bobby-Car in Marsch und fährt auf den Balkon. Schnell gesellen sich seine Eltern, die verbitterte Eliane, gespielt von Simone Hiry, sowie ihr Mann Patrick, Stefan Katgely, dazu, ehe sich „Schwiegerdrache“ Solange, perfekt gemimt von Ilka Sauer, zum Essen an Heilig Abend ankündigt. Zeitgleich freuen sich die hochschwangere Anne-Cécile (Ilka Sauer) und ihr Mann Hubert (Fred Wagner) auf den Besuch von Schwester Majorie (Simone Hiry) und deren Freund Christoph (Stefan Katgely). Und spätestens, wenn sich Spielleiter Peter Just und Hatto Ehrhard, beide in einer Doppelrolle, noch in den beiden Szenen einmischen, heißt es für den Zuschauer, gut aufgepasst beim Stück „Weihnachten auf dem Balkon“. Denn das, was die sechs Mimen in ihren insgesamt zwölf Rollen zu erzählen haben, kommt im ersten Moment ein wenig verwirrend daher.


Doch zum Glück gibt es Souffleuse Cosima Dorn. Sie hat die wichtige Aufgabe übernommen, das Publikum in beide französische Familien einzuführen und schnell bekommt der Betrachter einen Überblick. Zwei Familien feiern Weihnachten mit all den Klischees, wie sie jeder kennt – ein betrunkener Weihnachtsmann, eine Schwangerschaft, eine Schwiegermutter und ein 16 Jahre alter Punker samt Frettchen. Den Überblick über all diese Charaktere müssen die Laienschauspieler, die schon beim Probenbesuch überaus textsicher und bühnenpräsent daherkamen, in manchen Situationen noch bekommen.

Das ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass aktuell noch nicht in den originalen Kulissen gespielt werden kann. Die sind in Arbeit, einer der beiden Balkone hat Katgely, der für den Bühnenbau zuständig ist, so gut wie fertig. Ja, es sind zwei Balkone mitten in Paris, die es dem Zuschauer ermöglichen, einmal einen Blick hinter die Kulissen zweier französischer Familien zu werfen. Das Stück aus der Feder von Gilles Dyrek hat Peter Just ausgesucht. Er ist seit der Gründung des Saarlouiser Bühnchens im Jahr 2000 mit dabei.



Neben einigen Akteuren, die schon Erfahrung in der Saarlouiser Theatergruppe, die den feinsinnigen Humor bevorzugt, gesammelt haben, werden auch Premieren gefeiert. So etwa von Simone Hiry. Sie wurde bei einem Geburtstag von einem Ensemblemitglied „entdeckt“, erzählt sie. „Wir haben Blödsinn gemacht und sind in andere Rollen geschlüpft. Das muss überzeugt haben“, sagt sie. Nach einem ersten Beschnuppern hat sie, genauso wie auch die Gruppe, festgestellt: „Das passt.“

Ähnlich erging es Fred Wagner. Er ist der Mitbewohner von Ilka Sauers Sohn und kam so zum Theater. „Dass er im Stück mein Mann ist und mit mir das dritte Kind bekommt, das musste mein Sohn erst einmal verdauen“, scherzt Sauer. Entgegen dieser Tatsache, die in der Realität liegt, werden, nachdem die Zuschauer die Familien kennen gelernt haben, diese im zweiten Teil erneut ins Staunen kommen. „Dann wird es turbulent, denn wir werden in den Familien munter mischen“, verrät Just. Dazu bedarf es größter Aufmerksamkeit von allen Akteuren, allen voran bei Cosima Dorn, die im Notfall den richtigen Einsatz gibt. Bis dahin, verrät der Spielleiter, ist noch ein bisschen zu tun. „Wir sind froh, wenn es losgeht. Denn es wird Zeit, dass wir das Kind gebären“, scherzt Ilka Sauer in ihrer Rolle als hochschwangere Anne-Céline.

Die Karten kosten zehn Euro (Kinder fünf Euro) und sind erhältlich im Vorverkauf bei Pieper Saarlouis sowie an der Abendkasse.