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Doom-Metall
Harte Musik und ein paar richtig nette Kerle

Die Metall-Band No Hope sind Christian Weiler, Christian Leidinger, Alexander Schon und Jochen Klos (von links).
Die Metall-Band No Hope sind Christian Weiler, Christian Leidinger, Alexander Schon und Jochen Klos (von links). FOTO: Stephanie Schwan
Saarlouis/St. Ingbert. Die Saarlouiser Metal-Band No Hope feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Dazu gab es Ende 2017 ein neues Album und jetzt ein Festival. Von Oliver Spettel

Metal-Musiker sind alle Satanisten, haben lange Bärte, lieben und verherrlichen Gewalt und Tod, tragen ausschließlich schwarz und feiern ständig okkulte Partys – so oder so ähnlich lassen sich gängige Vorurteile gegenüber der recht lauten und aggressiven Musikrichtung zusammenfassen. Erst recht, wenn es um die Spielart Doom- oder Sludge-Metal (laut, düster und langsam) geht.


Die Saarlouiser Band No Hope bewegt sich jetzt seit 25 Jahren in diesem Genre. Einer der Gitarristen ist Jochen Klose – er trägt Bart, wirkt im Gespräch aber längst nicht so düster wie seine Musik. „Die ganze Satans-Thematik ist für uns der Dreh- und Angelpunkt“, erzählt er. Allerdings reklamiert die Band für sich eine ironische Distanz dazu. Sie überzeichnet den Kult im ihr ganz eigenen Stil. Dem Vorurteil „wer böse Musik hört, verhält sich auch böse“ wollen Klose und seine Bandkollegen entgegenwirken. Es gehe darum, zu provozieren und die Oberflächlichkeit der Vorurteile aufzuzeigen. „Jeder bei uns ist ein ganz normaler Mensch. Wir wollen einfach loswerden, was uns auf der Seele liegt.“ Die Musik, beschreibt der durchaus ruhig und ausgeglichen wirkende Gitarrist, sei ein Stück weit Selbsttherapie. „Aus den Proben geht jeder geheilt raus.“

Angefangen hat das mit den Proben 1993 – damals noch in anderer Besetzung. Die Band war ein „Projekt unter Kumpels“. Es folgte eine Zeit mit vielen Veränderungen – Wechsel der Probenräume, der Bandmitglieder und des Equipments. Erst seit 2000 spielen No Hope in der heutigen Besetzung zusammen: Alexander Schon (drums, vocals), Christian Weiler (guitars), Jochen Klose (guitars) und Christian Leidinger (bass, vocals). Die Kollegialität, die Gemeinschaft und vor allem auch das Lachen über den gemeinsamen schwarzen Humor seien besonders wichtige Aspekte. Deshalb verbinde die aktuellen Mitglieder mit allen, die vorher ausgeschieden sind, auch nach wie vor eine Freundschaft, betont Klose.

Zu den Highlights der Musiker zählt vor allem ein Auftritt in der Saarbrücker Garage. Hier durften sie als Vorband ihrer Idole von Crowbar ran. Überhaupt liegt ihnen das Live-Spielen am meisten. Es sind zwar nicht viele Konzerte, weil Veranstalter laut Klose oft meinten, die Bands müssten 100 Prozent zueinander passen. Live zu spielen, sei aber immer wieder eine tolle Erfahrung. „Wir sind Gelegenheitsmusikanten, eine Dorfkapelle“, sagt der Mittvierziger mit einem gehörigen Schuss Selbstironie. Dass doch etwas mehr dahinter steckt, zeigt die Diskographie der Band.

Über die Jahre hat die Band fünf Tonträger herausgebracht, zum Teil selbst produziert, zum Teil professionell. Das aktuelle Album „Beware“ (LP, 2017) wurde in Kloses Keller eingespielt. Mischung und Mastering liefen beim Tonstudio Greywolf. „Wir sind sehr glücklich mit Greywolf, sie haben unseren Sound konserviert“, erzählt Klose. Das Label Vinylaceton hat die Produktion der handgefertigten Scheiben in schwarzem und – limitiert – in farbigem Vinyl übernommen.



Musikalisch ist „Beware“ das gereifteste Album, sagt Klose. Auch wenn die Band sich in Sachen Sound stets treu geblieben sei, schaue man stilistisch hier auch „über den Tellerrand“. Sie wissen, dass ihre Musik polarisiert. Bekehren wollen sie aber niemanden. „Unsere Zuhörer verstehen die Ironie“, ist sich Jochen Klose sicher. So war die Release-Party in Saarlouis ein voller Erfolg, und Erfolg heißt meistens Kostendeckung. Die Jungs von No Hope sind alle geerdet und realistisch genug zu wissen, dass sie ein Spartenpublikum bedienen.

Für ihre Fans und alle, „die noch nie so etwas gehört haben, aber es gern mal möchten“, veranstalten No Hope ein Konzert im St. Ingberter JuZ (Pfarrgasse 49). Dazu haben sie Bands eingeladen, bei denen sie sich für frühere Einladungen revanchieren wollen. Beim Black Spring Festival sind am Samstag, 31. März, neben No Hope auch Burt, Captain Caveman, Boden und die Shitshifters am Start. Los geht es um 19 Uhr.

Wer dort die Musik nicht auf Anhieb versteht, darf gern fragen, versichert Klose. Nach dem Konzert gibt es dann bestimmt auch noch ausgiebig Gelegenheit zum Gespräch mit den netten Metallern aus Saarlouis.

Infos unter nohopedoom@gmail.com.