"Habt keine Angst vor Fehlern"

Saarlouis/Bouzonville. Der Bürgermeister von Bouzonville hat anlässlich des 50. Jahrestages des Élysée-Vertrages Französisch-Schüler im Saarlouiser Robert-Schuman-Gymnasium besucht

Saarlouis/Bouzonville. Der Bürgermeister von Bouzonville hat anlässlich des 50. Jahrestages des Élysée-Vertrages Französisch-Schüler im Saarlouiser Robert-Schuman-Gymnasium besucht. "Es gibt ein paar Wörter im Deutschen, die sind wie Kaugummi", sagt Gilbert Philipp und gibt vor den Gymnasiasten in seiner Muttersprache zu: "Manchmal habe ich Angst vor den Wörtern, ich spreche eher Mundart als Hochdeutsch". Er ermunterte die Schüler, keine Angst vor Fehlern zu haben und die Fremdsprache bei jeder Gelegenheit zu sprechen. Eine Grundlage, um die Partnerschaft weiter zu stärken: "Es liegt an Euch, die deutsch-französische Freundschaft weiter voranzutreiben."1979 vereinbarten Philipps Amtsvorgänger Pierre Grandjean und Ewald Bauer, damals Bürgermeister von Rehlingen-Siersburg, eine Städtepartnerschaft zwischen den beiden Kommunen. Die Partnerschaft habe Bouzonville im schulischen, sportlichen, kulturellen und ökonomischen Bereich viel gebracht. Vor allem der ökonomische Austausch mit Saarlouis sei rege, auch wenn mehr Menschen aus Bouzonville die Kreisstadt wegen ihrer Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten besuchten als umgekehrt.

Seinen Besuch bei den Elftklässlern, die in der Woche zwölf Schulstunden in Französisch haben, nutzte Philipp deshalb, um ihnen Bouzonville vorzustellen. Die Kommune hat 4232 Einwohner und liegt nur fünf Kilometer von der Grenze entfernt, 16 Kilometer sind es bis Saarlouis mit knapp 38 000 Einwohnern und 13 bis zur Partnergemeinde Rehlingen-Siersburg mit 16 000 Einwohnern. Hauptarbeitgeber ist der amerikanische Automobilzulieferer TRW Automotive, der im Bouzonviller Werk 700 Beschäftigte für Fertigung von Bremssystemen und Radaufhängungen hat. Das Budget der Kommune sichern Steuereinnahmen zu zwei Dritteln. 25 Prozent Subventionen habe es 2012 vom Staat, der Region und dem Departement gegeben, neue Kredite musste die Kommune nicht aufnehmen. Dringend wissen wollte die Schülerin Franziska, was Philipp über das Atomkraftwerk Cattenom denkt, das mit rund 30 Kilometer Entfernung in der Nachbarschaft liegt. "Ich denke jeden Tag an Cattenom, schon weil ich beim Frühstück auf die vier Reaktoren schaue", antwortete der Bürgermeister. Von heute auf morgen alle Kernkraftwerke abzuschalten, könne nicht die Lösung sein. "Das Werk schafft direkt 1200 Stellen", gab Philipp zu Bedenken.

Weiter Kernkraftwerke zu bauen, lehnt der Kommunalpolitiker allerdings ab, wichtig sei die Weiterentwicklung der regenerativen Energien. Aber an diesem Punkt war er auf Widerstand der französischen Regierung gestoßen: Vor einigen Jahren sollten in Bouzonville ein Windpark und eine Fotovoltaikanlage errichtet werden, "aber der Staat hat uns boykottiert", berichtete Philipp. Gegen den Windpark habe nach offiziellen Angaben eine optische Beeinträchtigung der denkmalgeschützten Kirche Sainte-Croix gesprochen, bei der Fotovoltaikanlage habe es sich Paris nicht mit den Bauern verscherzen wollen.

"Diese Entscheidungen bedauern wir in Bouzonville sehr", sagte Philipp. Statt Schelte für die Regierung in Paris hatte er aber auch Lob. Die neue Mediathek, die eine Million Euro gekostet hat, habe der Staat zu 70 Prozent finanziert.