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Grünen sehen Chance für Regierungsamt

Saarlouis. Die Saar-Grünen mit ihrem Vormann Hubert Ulrich sehen eine "reale Chance", nach der Landtagswahl am 30. August erstmals im Saarland an der Regierung beteiligt zu werden. Ulrich sagte am Samstag beim Landesparteitag vor etwa 100 Delegierten in der Kulturhalle in Saarlouis-Roden: "Wir könnten das Zünglein an der Waage werden Von SZ-Redakteur Michael Jungmann

Saarlouis. Die Saar-Grünen mit ihrem Vormann Hubert Ulrich sehen eine "reale Chance", nach der Landtagswahl am 30. August erstmals im Saarland an der Regierung beteiligt zu werden. Ulrich sagte am Samstag beim Landesparteitag vor etwa 100 Delegierten in der Kulturhalle in Saarlouis-Roden: "Wir könnten das Zünglein an der Waage werden. So groß war die Chance noch nie, grüne Inhalte umsetzen zu können." Die jüngste Umfrage sieht die Grünen bei sieben Prozent. Über Koalitionen will Ulrich erst nach dem Wahltermin reden. Alle Bündnisse seien möglich. Er schloss aber erneut aus, dass die Grünen einen Linken zum Regierungschef wählen werden. Bei der Kommunalwahl in drei Wochen treten die Grünen "fast flächendeckend" an. Ulrich: "Das ist eine echte Leistung!". Er rechnet mit der Verdoppelung der bisher 60 Mandate. Zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl kürten die Delegierten aus den 49 Ortsvereinen Markus Tressel, Generalsekretär der Partei und Geschäftsführer der Landtagsfraktion. Der 32-Jährige aus Bous griff in seiner Rede Saar-Umweltminister Stefan Mörsdorf scharf an: Ziel müsse es sein, den "Umweltzwerg Mörsdorf aus dem Amt zu kehren", damit im Saarland endlich erneuerbare Energien eine Chance bekommen. Karin Burkart (Dudweiler), Dieter Hoffmann (Saarlouis), Gabi Jung (Neunkirchen) und Winfried Anslinger kandidieren auf den weiteren Plätzen der Landesliste. Ehrgeizige Ziele haben die rund 1300 Saar-Grünen in ihr 72 Seiten starkes Landtagswahlprogramm gepackt, das ohne Debatte und ohne Gegenstimme verabschiedet wurde. Ulrich warf bei der Präsentation des Programmes, das unter der Überschrift "Zeit für Veränderungen" steht, den übrigen Parteien vor, bei den Grünen abgeschrieben zu haben. Die CDU habe das Land heruntergewirtschaftet, bilanzierte Klaus Kessler, der das Delegiertentreffen leitete und federführend am Programm gearbeitet hat. Im Bildungssektor wollen die Grünen neben der Abschaffung der Studiengebühren das derzeitige Schulsystem umbauen. Ziel ist es, "eine Schule für alle" bis zum neuen Schuljahr einzurichten. Ein weiterer Schwerpunkt bildet der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Zudem reklamieren die Saar-Grünen personelle Verstärkung für die Polizei: Wir wollen mehr "grün" auf den Straßen! Und auch für den Verfassungsschutz werden "ausreichend Sachmittel und Personal" reklamiert. Meinung


Große Harmonie bei den Grünen



Von SZ-RedakteurMichael Jungmann Optimismus pur ist bei den Saar-Grünen angesagt. Hubert Ulrich, seit Jahren unangefochten erster Mann der Partei, sieht sich und seine Weggefährten bereits an den Schalthebeln der Macht und in bequemen Ministersesseln. Nach der jüngsten Umfrage kämen die Grünen im Land auf rund sieben Prozent. Damit würden sie zum entscheidenden Faktor zwischen Rot-Rot und Schwarz-Gelb. Unter diesen Vorzeichen und den Lehren aus dem Fall Ypsilantis in Hessen verkneift sich der Taktiker und Stratege Ulrich eine offene Liebeserklärung an Rot-Rot, um möglichst viele Stimmen aus dem bürgerlichen Lager bei den Grünen zu parken. Doch bevor Ulrich überhaupt an einer Waage das Pendel bewegen kann, müssen seine Grünen die Fünf-Prozent-Hürde meistern. Dies wird bei steigender Wahlbeteiligung die größte Herausforderung für die Partei, die derzeit bemüht ist, Harmonie und Geschlossenheit zu demonstrieren.