| 20:37 Uhr

Heimatforscher
Grenzgänger forscht immer weiter

Gernot Karge ist in diesem Jahr 80 geworden. Hier sitzt er in seinem Arbeitszimmer bei seiner Forschungsarbeit.
Gernot Karge ist in diesem Jahr 80 geworden. Hier sitzt er in seinem Arbeitszimmer bei seiner Forschungsarbeit. FOTO: Erhard Grein
Saarlouis. Der ehemalige Kreisarchivar Gernot Karge hat sich ganz der Heimatkunde verschrieben.

Er war und blieb es auch bis heute: ein Grenzgänger im wahrsten Sinn des Wortes. Die Rede ist von Gernot Karge, der in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden ist, an seinem Geburtstag allerdings auf jedwede Ehrung verzichtete. Er wurde 1938 in Berlin-Köpenick als Sohn eines mit einer Saarlouiserin verheirateten Lokomotivführers geboren. Es gab wechselnde Aufenthalte mit kriegsbedingten Evakuierungen aus Ostpreußen und Saarlouis, das damals Saarlautern hieß. Am 1. Oktober 1945 erfolgte die Wiedereinschulung in Saarlouis in die Katholische Volksschule Saarlouis, der Besuch des Humanistischen Gymnasiums Saarlouis mit anschließender Lehre als Industriekaufmann. Er war dann über sechs Jahre im Dienst der Eisenbahn.


Danach wechselte Gernot Karge zur Bundeszollverwaltung, um nach dem Besuch von zwei Zollschulen zunächst bei der deutsch-französischen Grenzaufsichtsstelle Überherrn und nach einer vorübergehenden Abordnung zur Zonengrenze bei der Fußgrenzaufsichtsstelle Niedaltdorf und dem Straßenzollamt Ittersdorf eingesetzt zu werden. Durch den Besuch der Sprachenschule der Bundeswehr konnte er den Abschluss in Französisch mit Prädikat ablegen. Diese Sprache wurde zu einem Schlüsselerlebnis des im Grenzverkehr patrouillierenden Zollbeamten, die zudem auch die Liebe zu Lothringen mit entfachte.

Nach mehr als 13 Jahren im Zolldienst wechselte Karge zum Landratsamt Saarlouis zum Amt für Schulen, Kultur und Sport mit gleichzeitiger Funktion als Kreisarchivar. Im Juli 1997 ging er als Kreisamtsrat in den Ruhestand.



Wenn der Landkreis Saarlouis weit über Südwestdeutschland hinaus als geschichtliche Forschungsstätte einen außergewöhnlichen Ruf genießt, dann ist dies zweifellos der unermüdlichen Forschungstätigkeit von Gernot Karge als kulturellem Grenzgänger zu verdanken.

Groß ist auch die Zahl seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten auf Kreis-, Landes-, Bundes- und sogar europäischer Ebene. So hat er unter anderem auch die Vereinigung für die Heimatkunde im Landkreis Saarlouis mit aufgebaut, als Redaktionsleiter zahlreiche Beiträge für die Schrift „Unsere Heimat“ geliefert und sich als Fremdenführer und Exkursionsleiter zur Verfügung gestellt. Im Auftrag der Vereinigung war er von 1992 bis 2008 Herausgeber der „Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten“ (40 zum Teil mehrteilige Bände mit insgesamt 56 Büchern), eine Serie, die bis heute fortgesetzt wird und unverzichtbar für jeden ist, der nach seinen Ahnen im Saarland forscht.

Als Gründungsmitglied des Fördervereins zur Denkmalpflege des Alten Friedhofs Saarlouis hat er in Saarlouis besondere Anerkennung erhalten. Wichtig für Karge ist auch die Mitarbeit in der deutsch-französischen Arbeitsgemeinschaft EuroPActes zur gegenseitigen Einspeisung von genealogischen Daten aus Standesregistern und Kirchenbücher in einen gemeinsamen Datenpool.

Eine wertvolle Hilfe für die Übersetzung aus den Standesregistern bot Gernot Karge mit seinem „Französischen republikanischen Kalender“ für den Zeitraum von 1792 bis 1805, als es durch die Französische Revolution eine besondere Zeitrechnung gab.

Für seine Verdienste wurde Gernot Karge mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er 1998 den Kulturpreis für Heimatpflege und Heimatforschung des Landkreises Saarlouis. Mit der Saarbrücker Zeitung war der immer noch „forschende“ Altersjubilar durch zahlreiche Beiträge Jahrzehnte lang sehr verbunden.