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Globus will gesunde MitarbeiterSport als Teil des Dienstplans

Globus will gesunde MitarbeiterSport als Teil des Dienstplans

Saarlouis. Wenn Michael Ipfling sagt "meine 480 Mitarbeiter sollen wissen, dass es mir nicht egal ist, wenn sie krank sind", ist das mehr als ein Lippenbekenntnis. Klar steht hinter der Verantwortung für die Mitarbeiter ein unternehmerisches Ziel des Geschäftsleiters bei Globus Saarlouis - aber das eine schließt das andere nicht aus

Saarlouis. Wenn Michael Ipfling sagt "meine 480 Mitarbeiter sollen wissen, dass es mir nicht egal ist, wenn sie krank sind", ist das mehr als ein Lippenbekenntnis. Klar steht hinter der Verantwortung für die Mitarbeiter ein unternehmerisches Ziel des Geschäftsleiters bei Globus Saarlouis - aber das eine schließt das andere nicht aus. Im Gegenteil: "Unser Ziel bei Globus ist die Kundenzufriedenheit, und die erreichen wir über zufriedene Mitarbeiter."Die Gesundheitsquote bei Globus liege im Schnitt bei 96 Prozent. Vier Prozent im Jahr fallen aus. In manchen Bereichen sah es zeitweise schlechter aus. In der Metzgerei etwa fehlten mal mehr als zehn Prozent im Jahr. "Diese Quote nur um ein oder zwei Prozentpunkte zu verbessern, bringt schon ein um 100 000 oder 120 000 Euro besseres Ergebnis", sagt Ipfling zur Motivation, die Lage zu ändern. Ein Teufelskreis: Fehlen Mitarbeiter, arbeiten andere mehr, sind stärker belastet und werden schneller krank. Seit zwei Jahren hat Globus in Saarlouis deshalb ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Globus verspricht sich davon in einigen Jahren einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Arbeitgebern.

Ipfling: "Die Fachkräfte werden rarer. Ich muss qualifizierte Mitarbeiter halten. Es wäre fatal, das nicht zu berücksichtigen." Mehr als 80 seien seit den Globus-Anfängen in Saarlouis vor 41 Jahren hier. Sie seien erfahren und sollen einsatzfähig bleiben. Trotzdem hat sich an der Krankheitsquote noch nichts geändert. "Das heißt, dass wir intensiver daran arbeiten. Unser Gesundheitsmanagement ist mittel- und langfristig angelegt und unverzichtbar", sagt Ipfling. "Wir sind noch nicht am Ziel." Aber auf dem Weg.

Die Lebens- und die Arbeitsqualität der Mitarbeiter seien verbessert, berichtet Ipfling. Indem er die Mitarbeiter fragt, wo's klemmt und Probleme beseitigt. Dazu gab es Arbeitsplatzanalysen. Beispiel Kasse: Wieso fallen die Kassiererinnen oft wegen Erkältung aus? Weil sie in der Zugluft sitzen. Die stellt Ipfling ab. Wieso gibt's Krankenscheine wegen Rückenschmerzen? Wegen unbequemer Stühle. Jetzt hat jede Kassiererin ein bequemes Sitzmöbel. Obendrein lernen sie gesundes Sitzen und Lockerungsübungen.

Doch nicht nur der Körper ist wichtig, auch die Seele. So gibt es ständige Trainings für die Führungskräfte zu gesunder Führung. "Nur ein gesundes Betriebsklima schafft auf Dauer auch gesunde Mitarbeiter", das sieht Ipfling als Erfolgsfaktor. Loben stehe an erster Stelle. Der Mitarbeiter wolle in seiner Leistung gesehen werden. Ständige Kritik mache krank.

"Ich will aber auch bei den Mitarbeitern ein Bewusstsein schaffen, dass sich jeder einzelne um sich kümmern muss." Wie, das lernen sie in Gesundheitszirkeln. Die Zirkel gehören zu einem Paket an Verbesserungen, das seit Projektbeginn bereits 480 gesündere Arbeitsplätze geschaffen habe. Beispiel Metzgerei: 125 Tonnen Fleisch und Wurst pro Monat bewegen die 90 Mitarbeiter an der Bedien-Theke. Jede schwere Tüte für den Kunden hieven sie hoch über die Glastheke. Das geht auf die Muskeln. Wie sie diese schweren Gewichte besser handhaben, üben sie während der Arbeitszeit unter Anleitung.

Auch Kleinigkeiten will Ipfling sehen, daher sammle ein Steuerkreis Hinweise auf Ärgernisse wie eine klemmende Tür. Anstatt sich täglich mit der Schulter dagegen zu werfen, um sie zu öffnen, melden die Mitarbeiter die Sache jetzt. Seit die Offenheit Einzug hält, werden mehr und mehr Mini-Sorgen bekannt - eine Basis für Zufrieden- und Gesundheit.Greifbar wird das in den Pausenräumen, wo täglich kostenlos frisches Obst bereit steht. Die Vitamin-Portion zeigt: Hier kümmert sich jemand um die Gesundheit.Saarlouis. Bislang nutzen wenige Globus-Mitarbeiter die Sport-Angebote ihres Arbeitgebers. Personalleiter Stefan Lorson: "Wir wollen letztlich die erreichen, die bislang nichts für ihre Gesundheit tun." Gerade die aber akzeptierten das Projekt erst mit der Zeit. Lorson glaubt, dass nach und nach mehr mitmachen, weil Schichten und Sportzeiten abgestimmt seien. "Es muss nachhaltig sein. Es bringt nichts, wenn einer einmal läuft", sagt er. Aber wenn eine Mitarbeiter-Gruppe regelmäßig laufe, bliebe der Einzelne eher dran. Das Betriebsklima gewinne, weil sich die Menschen kennen lernen. Gesundheitstage würden da schon reger genutzt. Die Fleischereifachverkäuferin Astrid Mattfeld, 57 Jahre, fühlt sich persönlich angesprochen: "Das alles verbessert das Arbeitsverhältnis." Im Sommer läuft sie für ihre Fitness, im Winter will sie ins Studio. Kassiererin Karin Müller, 49 Jahre, profitiert von Tipps eines Physiotherapeuten. "Ich stehe beim Kassieren schon mal auf, um mich zu entlasten. Oder ich dehne kurz den Arm", berichtet sie. "Ich finde es toll, dass bei meinen Schichten mein Aqua-Training berücksichtigt wird." mcs

"Nur ein gesundes Betriebs- klima schafft gesunde Mitarbeiter."

Geschäftsführer Michael Ipfling

Zufriedene arbeiten besser

Von SZ-RedakteurinMichaela Heinze

Es tut gut, neben Burn-out und Krisen von der Rückkehr der sozialen Verantwortung in den Arbeitsalltag zu hören. Denn wer sich als Mensch im Job wertgeschätzt fühlt, ist zufrieden und arbeitet mit größerer Freude und besser als der, der Frust schiebt. Das macht gesünder.

Gefühlt aber sind den meisten Arbeitgebern doch die Betriebszahlen wichtiger als die Mitarbeiter. Dabei zeigt der erfahrene Geschäftsführer Michael Ipfling, dass man durchaus beides pflegen kann.

Wir sollten genau hinhören, was er über die schrumpfende Zahl der Nachwuchskräfte sagt. Immer weniger Junge müssen bald alles stemmen. Da wird es für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer immer wichtiger, menschlich zu handeln.

Auf einen Blick

Partner des Gesundheitsmanagements sind die DAK Gesundheit und Motio Karlsruhe, Spezialist auf dem Gebiet. Bei Globus trainiert Motio Mitarbeiter körperlich (Rücken-Programm) und Führungskräfte mental für ein gesundes Betriebsklima. Die Zusammenarbeit mit Motio bis 2014 kostet laut Globus-Geschäftsführer Michael Ipfling 40 000 Euro.

Sportangebote: Lauftreff (bislang 20 Mitarbeiter), Nordic-Walking (13), Aquatraining, Fitness im Saarlouiser Studio Sports & More (Globus zahlt monatlich zehn Euro pro Mitglied dazu). mcs

 Michael Ipfling
Michael Ipfling
 Astrid Mattfeld hebt an der Metzgereitheke bei Globus täglich schwere Tüten hoch. Für sie sind die richtigen Bewegungsabläufe dabei ein Gesundheitsfaktor. Fotos: Rolf Ruppenthal
Astrid Mattfeld hebt an der Metzgereitheke bei Globus täglich schwere Tüten hoch. Für sie sind die richtigen Bewegungsabläufe dabei ein Gesundheitsfaktor. Fotos: Rolf Ruppenthal
 Michael Ipfling
Michael Ipfling

Kontakt für Arbeitgeber: DAK Saarlouis,Tel. (06831) 94 58 60, E-Mail walter.balzer@dak.de.