| 17:43 Uhr

Großeinsatz am Großen Markt
Verdächtige Briefpost löst Alarm aus

Einige Fahrzeuge und eine Reihe von Einsatzkräften deuteten am Freitagvormittag auf eine größere Sache am oder im Saarlouiser Rathaus hin.
Einige Fahrzeuge und eine Reihe von Einsatzkräften deuteten am Freitagvormittag auf eine größere Sache am oder im Saarlouiser Rathaus hin. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Es hätte was dran sein können – etwa Gift oder Sprengstoff an der Botschaft für das Saarlouiser Rathaus. Deshalb kam es Freitagvormittag am Großen Markt zum deutlich sichtbaren Einsatz von Sicherheits- und Rettungskräften. Von Mathias Winters

Ein gefalteter Zettel wie ein Briefchen im Posteingang. Das Papier geht am Freitagmorgen im Saarlouiser Rathaus durch vier Paar Hände bis ins Vorzimmer von Oberbürgermeister Peter Demmer. Der Verwaltungschef war vor seinem Amtsantritt bei der Polizei und entscheidet „sicher ist sicher“. Es ist zwar kein weißes Pulver an dem Zettel, aber es haftet eine Art Staub oder Ruß daran. Es ist kurz vor neun. Demmer informiert die Polizei. „Und dann“, wird er gegen Mittag der SZ sagen, „setzt das die Maschinerie in Gang.“


„Die Maschinerie“ bedeutet, dass einige Sicherheits- und Rettungskräfte zum Einsatz kommen müssen. Bevor nicht einigermaßen sicher ist, dass dieses Stück Posteingang nicht mit gefährlichen biologischen oder chemischen Stoffen bestückt ist, gilt im Grunde so etwas wie ein ABC-Alarm. Der Oberbürgermeister hatte der Polizei berichtet, was als „verdächtige Anhaftung“ eingestuft wird. Demmer hat den Zettel nicht weiter untersucht, sondern in einen Umschlag geschoben. Der wird nun von so genannten Entschärfern einem Schnelltest unterzogen. Das bringt gleichsam eine erste Entwarnungsstufe: Das verdächtige Stück strahlt keine Radioaktivität ab, und das schwarze Zeug, das anhaftet, ist kein Sprengstoff.

Für weiteres Aufatmen können Rettungsassistenten sorgen. Die Untersuchungen der vier Leute, die im Rathaus in Kontakt mit dem Zettel gekommen waren, bringen keine negativen Ergebnisse zu Tage. Keine Vergiftung, keine Symptome die auf gesundheitsschädliche Substanzen schließen lassen. Auch die Spezialisten vom ABC-Zug und die weiteren Feuerwehrleute finden nichts Besorgnis Erregendes.



Oberbürgerme isterPeter Demmer (rechts) bespricht im Flur des Saarlouiser Rathauses mit Einsatzkräften die Lage. 
Oberbürgerme isterPeter Demmer (rechts) bespricht im Flur des Saarlouiser Rathauses mit Einsatzkräften die Lage.  FOTO: Ruppenthal

Nach dem Einsatz der herbeigerufenen Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungswagen-Besatzungen nimmt sich das Ereignis ziemlich ungefährlich aus. Und auch Demmer sagt: „Für mich war das recht unspektakulär.“ Er kennt sich mit diesen Dingen aus seiner Zeit bei der Polizei aus. Doch es gilt, was ein Sprecher der Saarlouiser Polizei meinte. „Das Spektrum, was das sein konnte, reichte von nichts bis zu alles“, hatte der der SZ gesagt.

Was nun genau für die Verunreinigung des Zettels gesorgt hat, um was für eine Substanz es sich handelt, wird jetzt in Homburg am Uniklinikum untersucht. Dort sitzen Fachleute im Institut für Mikrobiologie und Hygiene, die das rausfinden können. Das dürfte allerdings ein paar Tage dauern.

Und die Botschaft des Papierstücks, das für so viel Aufregung gesorgt hat? Demmer hat es nicht im Detail gelesen, weil er es nicht länger als nötig offen zugänglich lassen wollte. Die Polizei möchte auch aus den oft zitierten „ermittlungstaktischen Gründen“ jetzt noch keine detaillierten Angaben machen. Der Staatsschutz dürfte sich für den Wisch interessieren. Gut möglich aber auch, dass es nur das Werk eines Spinners war oder das „irgendeines Verstrahlten“, wie Demmer es nennt. Dann solle man demjenigen nicht zu viel Ehre antun, meint der Oberbürgermeister.

„Es war wohl nicht so schlimm“, hatte Demmer der SZ schon bei der ersten Nachfrage gesagt. Danach sieht es auch später am Tag aus. Die Maßnahmen am Freitagvormittag hält aber niemand für unangemessen oder zu übervorsichtig. Es hätte ja (im doppelten Sinne des Wortes) etwas dran sein können am verdächtige Posteingang.