Gerontopsychiatrisches Netzwerk für Demenz im Kreis Saarlouis

Demenz : Ein Netz fängt die Not mit der Demenz auf

Im Landkreis Saarlouis bilden 130 Akteure ein Netzwerk für Demenzkranke. Eine neue Vereinbarung soll das Netz nun stärken.

Sperrig, um was es am Dienstag im Theater am Ring in Saarlouis ging: Ein „gerontopsychiatrisches Netzwerk mit Schwerpunkt Demenz im Landkreis Saarlouis“ trifft sich, um sich nochmal zu gründen? Es ist einer der Termine, bei denen man mehr sieht als hört. Denn was da neu vereinbart wurde, war nicht Sache von zwei, drei Spezialisten, sondern von 40 Partnern. 130 insgesamt stehen hinter dem Netzwerk, die meisten werden ihre Unterschrift wohl nachreichen. Aber auch so war das Bild beeindruckend: Die Hälfte aller Bürgermeister aus dem Kreis Saarlouis, Vertreter der anderen Hälfte der Kommunen, Landrat Patrik Lauer, Vertreter vieler Organisationen. Die schiere Menge war die eigentliche Botschaft: Demenz ist im Landkreis Saarlouis als gemeinsame Herausforderung angenommen.

Das ist längst nicht überall so, auch nicht im Saarland, wie der Leiter der Fachstelle Demenz auf Landesebene, Andreas Sauder, feststellte. „Der Landkreis Saarlouis ist da immer noch ganz vorn.“

Da will er bleiben und noch weiter gehen. Deswegen das Treffen im Theater. 130 Partner (Kreis, alle Kommunen, Organisationen, Krankenhäuser) bilden das Netzwerk. Das ist eine Zusammenarbeit ohne Rechtsform, also eine einfache Kooperation. Die widmet sich vor allem der Begleitung von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen. Deswegen „gerontopsychiatrisches Netzwerk“. Die Gerontopsychiatrie beschäftigt sich mit psychischen Erkrankungen älterer Menschen. Das Netzwerk wiederum hat eine Art Arbeitskreis, die Plattform Demenz.

Gesteuert wird die Gruppe derer, die sich zur Zusammenarbeit in Sachen Demenz verpflichtet haben, vom Demenzverein in Saarlouis. Diese Steuerung soll nun berechenbarer werden. Denn bisher wurde sie vor allem über befristete Modellversuche mit Bundesmitteln bezahlt. Jetzt möchte das Netzwerk eine Gesetzesänderung nutzen, um eine reguläre Basisförderung von 20 000 Euro beim Bund zu beantragen. Dazu musste sich das Netzwerk gewissermaßen neu gründen. In dem Papier, das die Partner dazu unterschrieben, steht auch: Das regionale Netzwerk beauftragt den Demenz-Verein mit der hauptamtlichen Netzwerkkoordination. Damit ist nur bekräftigt, was ohnehin schon Praxis war. Der Demenz-Verein kann nun auch das Netzwerk bei den Pflegekassen vertreten, wie es gesetzlich für eine Förderung erforderlich ist.

Die Partner des Netzwerks tun sich meist dann zusammen, wenn größere, öffentliche Veranstaltungen zu organisieren sind: Theater, Film, die Erstellung eines ausführlichen Demenz-Ratgebers, zum Beispiel.

Das Netzwerk helfe Demenzkranken und pflegenden Angehörigen, die Teilhabe am sozialen Leben zu sichern, unterstrich Dagmar Heib, Vorsitzende des Demenz-Vereins.

Der Saarlouiser Oberbürgermeister Peter Demmer sagte, er besuche gerade den dritten Termin im Zusammenhang mit Demenz in seiner bisher erst knapp einjährigen Amtszeit. Was ja auch etwas aussage über die Aktivität im Kreis bei diesem Thema.

Landrat Patrik Lauer unterstrich, das Netzwerk stelle eine „starke Allianz“ dar. Es werde nun „auf eine höhere Ebene“ gehoben, es brauche eine hauptamtliche Koordination. Die neue Vereinbarung sei ein Schritt, „die Gesellschaft ein Stückchen menschlicher zu machen“. Nicht zuletzt spare es auch öffentliches Geld, denn es sorge auch dafür, stationäre Aufenthalte alter Menschen zu vermeiden.

Mehr von Saarbrücker Zeitung