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Gemischte Gefühle nach der Kommunalwahl

Gemischte Gefühle nach der Kommunalwahl

In Bousist Jan Meyer (CDU) nicht zufrieden, denn die CDU Bous stellt zwar mit neun Sitzen im Gemeinderat nach wie vor die stärkste Fraktion, musste aber drei Sitze abgeben. Meyer sagt: "Es hat eine Verschiebung der politischen Lager gegeben. Die Arbeit wird sicher schwieriger werden". Die CDU will eine Zusammenarbeit mit den Parteien FWG, Grüne und FDP versuchen

In Bousist Jan Meyer (CDU) nicht zufrieden, denn die CDU Bous stellt zwar mit neun Sitzen im Gemeinderat nach wie vor die stärkste Fraktion, musste aber drei Sitze abgeben. Meyer sagt: "Es hat eine Verschiebung der politischen Lager gegeben. Die Arbeit wird sicher schwieriger werden". Die CDU will eine Zusammenarbeit mit den Parteien FWG, Grüne und FDP versuchen. Jutta Fellinger (SPD) sagt: "Das Wahlergebnis hätte ich mir besser gewünscht. Die Konstellationen im Bouser Gemeinderat sind nun bunter und ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit. Wir werden weiterhin versuchen, gute Sacharbeit zum Wohle unserer Gemeinde zu machen".Für die Grünen sagt Markus Tressel: "Wir sind sehr zufrieden mit diesem Ergebnis, dem viertbesten im Land. Wir wollen kraftvoll weiterarbeiten für Bous. Wir werden sehen, wie sich die Sacharbeit mit sechs Parteien gestaltet und wollen konstruktiv mitarbeiten".Erich Simon (FDP) ist sehr zufrieden mit dem Ausgang der Wahl, weil der Ortsverband erst vor Monaten gegründet wurde und auf Anhieb einen Sitz im Rat erhalten hat. Er sagt: "Mit einem Sitz ist eine Arbeit im Rat sehr schwer. Wir werden sehen, was machbar ist in und für Bous".Auch Ralf Coassin (Linke) ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis hier in Bous. "Wir haben mit 17,5 Prozent eines der besten Ergebnisse im Land erzielt. Die nächsten Jahre werden für viele Gemeinden sehr schwierig, auch für Bous. Wir werden uns jetzt zusammensetzen und Aufgaben festlegen. Wir möchten mit jedem, egal welche Farbe die Partei hat, vernünftig zusammenarbeiten. Hier geht es um Bous", sagt Coassin.Georg Hähl (FWG) ist zufrieden mit 11,72 Prozent, weil die FWG-Bous sich erst im März neu aufgestellt hat. Er sagt: "Für die Zukunft werden wir im Gemeinderat Entscheidungen, die im Sinne der Bouser Bürgerinnen und Bürger sind, mittragen. Hierbei wollen wir mit allen Parteien im Gemeinderat in den Sachfragen zusammenarbeiten. redIN SAARLOUIS müssen CDU und SPD ihre massiven Verluste erst noch analysieren; die Koalition hatte am Sonntag zusammen 21 Prozent verloren. Was ist landesweiter Trend, was geht auf das Konto der Stadtpolitik? Und wie geht es weiter? CDU-Spitzenkandidat Georg Jungmann sagte gestern, dass er mit der SPD bereits gesprochen habe, mit Grünen und FDP diese Woche noch reden werde. "Das Ergebnis dieser noch informellen Gespräche beraten wir am Montag mit der Fraktion und dem Vorstand des CDU-Stadtverbandes." Am Ende soll stehen, mit wem die CDU eine Kooperation eingehen wird. SPD-Vorsitzender Manfred Heyer bewertet das Ergebnis als "enttäuschend und unverständlich. Stimmung ist nicht gleich Stimmen." Im Wahlkampf habe man "freundliche" Eindrücke gehabt und sei sicher gewesen, das Tief von 2004 überwunden zu haben. Freude bei den Gewinnern der Wahl: Grünen-Spitzenkandidat Gabriel Mahren freute sich über "das beste Wahlergebnis, das die Grünen auch landesweit je erreicht haben. Wir haben nicht nur die Linke auf Abstand gehalten sondern auch der Großen Koalition ihre Grenzen aufgezeigt. Das Stadtgartenbad war einziges kommunales Thema." Die neue Fraktion hat sich schon formiert: Mahren bleibt Fraktionschef, Philipp Julien und Claudia Krauß sind Stellvertreter, Wolfgang Schmitt ist Geschäftsführer. "Überglücklich" mit dem besten Ergebnis, das die Liberalen je in Saarlouis hatten", zeigte sich gestern FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Krichel. "Wir werden uns jetzt in Ruhe beraten und für uns entscheiden wie wir weiter vorgehen. Natürlich wissen wir, dass die Möglichkeit einer Jamaika Koalition Schwarz-Grün-Gelb besteht." FWG-Spitzenkandidat Altomaro Locurcio erklärte, "die FWG hat, bereinigt durch die niedrige Wahlbeteiligung, exakt so viele Wahlstimmen bekommen wie 2004. Im Anbetracht der internen Querelen der FWG und der totalen Ausgrenzung durch die etablierten Parteien im Stadtrat geht das Ergebnis in Ordnung. Wir verstehen dieses Ergebnis auch als Bewährungschance". Lorcurcio: "Es ist zu befürchten, dass eine rot-rot -grüne Koalition im Saarlouiser Stadtrat der Stadt zuerst zwei neue hauptamtliche Beigeordnete bescheren wird." Und: "Wir werden bereits in der ersten Stadtratssitzung einen Antrag zum Bau des Stadtgartenbades am alten Standort beantragen." Die Linke in Saarlouis betrachtet das Ergebnis der Stadtratswahl "mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits sind wir mit unserem eigenen Resultat sehr zufrieden, andererseits ist das Ziel, der bürgerfernen Großen Koalition ein Ende zu setzen, leider verfehlt worden. Die Linke werde sich "auf eine harte, aber faire Oppositionspolitik einrichten. Wir stehen selbstredend nicht für abwegige Koalitionsüberlegungen mit der CDU, aber auch nicht für den von der JU befürchteten rot-rot-grünen Block zur Verfügung", erklärte gestern Spitzenkandidat Dirk Scholl. weIn Nalbachverteidigte die SPD mit 56,0 Prozent bei Verlusten von 3,9 Punkten ihre absolute Mehrheit. "Wir sind sehr zufrieden. Das SPD-Ergebnis ist das stärkste im ganzen Saarland", sagte Patrick Müller. "Wir haben nur einen Sitz verloren. Mit der komfortablen Mehrheit haben wir die Gestaltung der Gemeinde auch in den nächsten Jahren in der Hand." Zufrieden zeigte er sich, dass FDP und Grüne trotz ihres Einsatzes gegen den Bergbau nur einen Sitz erreichten. Und die Linke habe in Nalbach (neben Wadern) die wenigsten Stimmen im Land.Die Linken dagegen sind nicht enttäuscht. "Wir sind auf jeden Fall zufrieden, da wir trotz Bergbauproblematik fünf Prozent erhalten haben - und das, obwohl wir zum ersten Mal dabei sind", betonte Petra Muhm. "Wir ziehen in den Gemeinderat und werden versuchen, eine starke Opposition zu bilden. Wir haben jetzt die Chance, uns in den nächsten fünf Jahren weiterzuentwickeln und zum Wohl der Gemeinde einzubringen." Ähnlich sehen es die Grünen: "Wir hätten uns mehr als fünf Prozent erhofft", räumt Achim Naumann ein, "aber unser Ortsverband ist erst im März gegründet worden. Innerhalb von 14 Tagen mussten wir Kandidaten nominieren, in den Ortsteilen Nalbach und Körprich ging das nicht auf die Schnelle. So sind wir realistischerweise mit einem Sitz zufrieden. Auch wenn die SPD ihre absolute Mehrheit behauptet hat und wir vielleicht nur eine Zuschauerrolle bekommen. Genügsam zeigt sich ebenfalls die FDP: "Für uns, die acht Jahre nicht im Gemeinderat präsent waren, ist es akzeptabel gelaufen", sagte Joachim Reuter. "Es ist nicht einfach hier in Nalbach gegen die SPD anzukommen. Aber wir werden alles versuchen, unsere Ideen im Gemeinderat darzustellen und hoffen, dass uns die andere Parteien auch ein bis-chen zuhören."Josef Reichert von der CDU ist etwas enttäuscht, dass die SPD ihre absolute Mehrheit behalten hat. "Wir wären zufriedener, wenn die SPD die absolute Mehrheit verloren hätte und auf einen Koalitionspartner angewiesen wäre." Seine Partei konnte aber immerhin entgegen dem Landestrend einen leichten Stimmenzuwachs verzeichnen (29,91 Prozent) und die Zahl der Mandate (acht) im Gemeinderat erhalten. Reichert: "Wir sind weiter Opposition und werden den politische Ablauf konstruktiv und kritisch begleiten." kni/dögIN WADGASSENstellt SPD-Spitzenkandidat Hartmut Schmidt fest: Unser Ziel, stärkste Kraft im Gemeinderat zu werden, haben wir erreicht. Gleichzeitig stellt die SPD in Werbeln den Ortsvorsteher. Die Fraktion wird tagen und sich besprechen." Dr. Jürgen Barth, Spitzenkandidat der CDU im Wadgassen: "Da bei uns mehr Parteien für die Kommunalwahl in Wadgassen kandidiert haben, war uns klar, dass es schwierig werden würde, unseren Stimmenanteil von 2004 zu halten. Wir hatten uns allerdings einen kleineren Rückgang erhofft und sind von diesem Wahlergebnis natürlich enttäuscht. Konsequenz für die CDU-Ratsfraktion ist, dass wir zwar nur noch zweitstärkste Kraft im Wadgasser Rat sind, aber zu Gesprächen mit anderen demokratischen Ratsfraktionen und -mitgliedern bereit stehen." Zum Beispiel mit denen von der FDP, deren Spitzenkandidat Sebastian Greiber gestern sagte: "Wir werden jetzt zuerst einmal das Gespräch mit allen im Gemeinderat vertretenen Fraktionen suchen. Unser Ziel ist eine gute und nachhaltige Sachpolitik für die Gemeinde Wadgassen. Mit jeder Fraktion, die uns in diesem Vorhaben unterstützt, werden wir uns einer Zusammenarbeit - im Zweifel aber auch mit wechselnden Mehrheiten - nicht verschließen." Die FDP habe in Wadgassen "ihr Wahlziel mehr als erreicht. Mit zwei Sitzen im Gemeinderat und je einem Sitz in den Ortsräten in Hostenbach und Schaffhausen und mit zwei Sitzen im Ortsrat Wadgassen habe wir das beste Ergebnis der Geschichte der FDP in der Gemeinde Wadgassen erreicht. Es zeigt, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger pragmatische Lösungen statt Parteigräben wollen."Stephan Schneider von der Linken nennt das Ergebnis "zufriedenstellend. Wenn man die Umstände betrachtet, sogar sehr zufriedenstellend. Das ist ein guter Anfang!" Jetzt müssen "wir uns aufstellen und klare Positionen beziehen, Partner suchen, Ergebnisse zu Stande bringen."Erwischt hat es Norman Comteße, den Beigeordneten der Gemeinde und FWG-Spitzenkandidaten. Er ist nach 15 Jahren nicht mehr im Rat vertreten, die FWG verlor stark. Weshalb er den Ausgang als für die FWG enttäuschend bilanziert. Eine Ursache sieht er, der für Werbeln kandidierte, darin, dass der FWG-Ortsvorsteher von Werbeln während der Amtsperiode die Partei wechselte. "Das haben die Wähler offenbar nicht verziehen." weIn Überherrnverteilten 56,3 Prozent der Wahlberechtigten laut Statistischem Landesamt im Gemeinderat die Gewichtungen neu. "Der Wähler hat sich ja was dabei gedacht", meinte Reimund Götz (FDP) zum Ergebnis. Von 5,8 auf 6,6 Prozent kam seine Partei, von daher leichte Zufriedenheit, auch wegen Mandaten in zwei zusätzlichen Ortsräten. "Bedauerlich" fand Götz die vier Sitze für die Linken. "Zufrieden kann man damit nicht sein", stellte SPD-Chef Guido Guldner bei rund sieben Prozent Verlust fest. Wohl mit allen Parteien werde er Gespräche führen, doch kaum mit der CDU. Nach deren Wahlkampf und letztem Flugblatt "kann ich mir das kaum vorstellen". Bis Anfang Juli werde versucht, eine Mehrheit zu bekommen. "Das ist wieder ein guter Start", urteilte Alfred Krier, Die Grünen. Früher mit drei Sitzen vertreten, sind es jetzt zwei. Krier geht von einer großen Koalition in Überherrn aus, was seine Politik nicht einfacher mache. Eine "kompromissbereite sachliche Politik" sieht CDU-Mann Vinzenz Winter für den Rat. Bedauerlich sei der "Verlust der gestalterischen Mehrheit", was eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien erfordere, "außer mit der Linken". Etwas schwierig könne es mit der SPD werden, so Winter, aber auch dafür gebe es grundsätzlich Gesprächsbereitschaft. Die "Erwartungen noch übertroffen" freute sich Thorsten Kien, Linke, über den Erfolg. Politik sei zu lange an den Wählern vorbei gemacht worden. Vorstellen könne er sich nun Rot-Rot-Grün. az