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Gelassenheit bis Verunsicherung

Saarlouis. Viele Diskussionen gibt es um das Zivilschutz-Konzept, das die Bundesregierung vorgestellt hat. Bei vielen älteren Menschen weckt es ungute Erinnerungen an vergangene Zeit, bei anderen ruft es Ängste hervor. Axel Künkeler

Das neue Zivilschutz-Konzept der Bundesregierung ist auch im Kreis Saarlouis Gesprächsstoff. Die Reaktionen bei einer SZ-Umfrage fallen sehr unterschiedlich aus. Während ein Teil der Befragten gelassen bleibt, zeigen sich einige doch ziemlich verunsichert.



"Das finde ich gut", sagt ein 25-jähriger Syrer, der in Saarlouis lebt. Vor elf Monaten kam er als Flüchtling nach Deutschland. In seiner Heimat Syrien hat er selbst die Schrecken des Krieges erlebt. Immer wieder habe er zwei, drei Tage ohne Essen im Keller verbracht. Die Lebensmittel in Syrien seien teuer, die Versorgung zudem unsicher. Daher würden die Menschen "zu viel Vorräte kaufen", wenn es denn mal Lebensmittel gibt.

In Europa hofft er auf Frieden, doch auch hier müsse man stets überlegen, was die Zukunft bringt. Naturkatastrophen durch den Klimawandel seien möglich, darauf sollte man vorbereitet sein, meint der Bauingenieur, der sein Studium an der HTW Saarbrücken fortsetzen möchte. Angst vor dem Assad-Regime hat er noch immer, möchte seinen Namen nicht preisgeben, da er um seine Familie fürchtet.

Den Krieg erlebt hat auch Adele Jager aus Saarwellingen. Die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg sowie die knappen Lebensmittelvorräte noch in der Nachkriegszeit sind bei der 80-Jährigen sofort präsent. Dass so etwas wieder möglich sein soll, mag sie sich nicht vorstellen. "Unglaublich" sei das, aber Angst habe sie keine, "ich habe das alles hinter mir." Nur aus Erzählungen der Großeltern kennt Helmut Blass diese Zeit. Bis in die sechziger, siebziger Jahre hätte die Generation noch Vorräte angelegt, dann "hat sich das von selbst erledigt". In der heutigen EU seien Vorräte nicht nötig, man könne doch alles kaufen, meint der Überherrner. Er habe die Überschrift zum neuen Zivilschutz-Konzept gelesen und gleich weiter geblättert, weil "das Blödsinn ist". In Notsituationen würden Menschen zusammenrücken, da "helfen ein paar Nudeln auch nicht mehr", meint er. Eindeutig Position bezieht auch Josef Dräger aus Nalbach. Das sei Unsinn, "was soll das, wenn man vielleicht acht Tage länger lebt", fragt er. Befürchtungen hegt er keine, im Notfall werde zudem schnell evakuiert, ist sich der Nalbacher sicher. Wie er denkt auch Helga Bitzer grundsätzlich positiv. Angst habe sie keine, sagt die Frau aus Saarlouis , aber etwas verunsichert sei sie schon. Wie Helga Bitzer stellen sich einige Menschen die Frage, "warum solche Meldungen gerade jetzt kommen." Verwundert, "dass das Thema jetzt zur Sprache kommt", sind auch Roman und Ute Hollinger aus Saarlouis . Der Zeitpunkt sei das Problem ("Die Leute werden aufgescheucht").

Aber solche Konzepte gebe es schon lange, nur die wenigsten hielten sich an die Empfehlungen zur Bevorratung. Man habe sich viele Jahre in großer Sicherheit gewähnt. "Für die meisten ist es ganz lang her, dass etwas passiert ist", sagen die Beiden. Angst haben sie selbst nicht, aber Gedanken müsse man sich schon machen. Größere Menschenansammlungen meiden sie aus Vorsicht, dass dort etwas passieren kann.



Ganz nüchtern betrachtet Reiner Quirin das Thema. Er ist als Mitglied der Saarlouiser Feuerwehr selbst im Katastrophen-Schutz tätig und weiß: "Die Konzepte gibt es schon seit 40 Jahren." Vor allem Wasservorräte seien ganz wichtig. Ohne Nahrung, die zudem oft verderblich sei, könne man dagegen einige Tage auskommen. Er versteht die Diskussionen nicht ("reine Panikmache"), vorhandene Konzepte würden lediglich neu aufgelegt. In anderen Ländern wie Italien, wo gerade erst ein schlimmes Erdbeben passiert sei, werde der Katastrophen-Schutz als selbstverständlich betrachtet.