Gedenktafel in Saarlouis erinnert nun an jüdische Pfadfinder

Kostenpflichtiger Inhalt: Gedenken : Tafel im Postgäßchen erinnert nun an jüdische Pfadfinder

Landtagspräsident Stephan Toscani und Synagogengemeinde Saar mahnen, sich zu erinnern und wachsendem Antisemitismus mutig entgegenzutreten.

Nur ein kleiner Wimpel mit einer Aufschrift in Deutsch und Hebräisch erinnert noch an jüdische Pfadfinder in Saarlouis. Namen und Schicksale dahinter gingen jedoch in der Zeit des Nationalsozialismus verloren. Zum Gedenken an die betroffenen jüdischen Mitbürger enthüllten am Donnerstagmittag die Freunde und Förderer der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) eine schwarze Granittafel im Postgäßchen, nur wenige Meter vom Standort der ehemaligen Synagoge entfernt. Sie trägt die Inschrift „Zum Gedenken an die ermordeten oder vertriebenen jüdischen Pfadfinder aus Saarlouis 1935 bis 1945. Freunde und Förderer der DPSG im Saarland e.V.“.

So werde erstmals den jüdischen Pfadfindern gedacht, erklärte Hans Enzinger, Vorsitzender der Freunde und Förderer der DPSG im Saarland. Schirmherr der Enthüllung war Landtagspräsident Stephan Toscani. Jüdische Pfadfinder hatten ihre eigenen Gruppen. „Viele Pfadfinder wurden in der Nazizeit verhaftet und starben später im KZ“, erinnerte er in seiner Rede an diese Zeit. Heute, in einem Klima mit zunehmendem Antisemitismus, betonte der Saarlouiser Altpfadfinder, „dürfen wir nicht satt und schläfrig werden“.

Den „wachsenden Antisemitismus ernst nehmen“, mahnte auch Toscani. Dazu gehöre, „das Erinnern wichtig nehmen“. Zu dieser Verpflichtung stünden der Landtag und andere Vertreter der demokratischen Gesellschaft. Das Erinnern auch an die ehemaligen Pfadfinder sei wichtig, „weil Rassismus, Hass und Hetze zunehmen“. Dem gelte es „mutig entgegenzutreten“, sagte Toscani. Die antisemitischen Tendenzen beobachte man mit Sorge, meinte Oberbürgermeister Peter Demmer. Dafür sei „in der Stadt Saarlouis kein Platz.“

„Leider wissen wir heute so gut wie nichts über die damaligen jüdischen Pfadfinder“, sagte Richard Bermann, Vorstandsvorsitzender der Synagogengemeinde Saar. Das Zusammenleben heute mache es erforderlich, dass wir „aufhören, immer mehr egoistisch zu denken“. Auf die Bedeutung von Pfadfindergruppen in den 1930er Jahren wies Bermann hin. Sie waren ein Rückzugsort für jüdische Kinder und Jugendliche. Denn die wurden zunehmend vom Leben mit Gleichaltrigen ausgegrenzt in einem Umfeld zunehmender Benachteiligung und Verfolgung durch Nationalsozialisten. Doch mit der Pogromnacht 1938 zerstörten Nazis und ihre Mitläufer auch die Strukturen jüdischer Jugendbewegungen im Saarland.

Für die Freunde und Förderer der DPSG auf Bundesebene sprach Toni Markmiller. Es habe damals immer wieder Angriffe auf jüdische Pfadfindergruppen gegeben. Darauf habe auch die Polizei häufig eher zögerlich reagiert. In seiner Zeit im Bundesvorstand, sagte Markmiller, wurde verabschiedet, „dass die Mitgliedschaft in Pegida oder AfD mit Pfadfindern nicht vereinbar ist“.

Die Gedenktafel für jüdische Pfadfinder ermöglichten die Freunde und Förderer des DPSG. Foto: Johannes Bodwing
Die Gedenktafel für jüdische Pfadfinder ermöglichten die Freunde und Förderer des DPSG. Foto: Johannes Bodwing
Eine Gedenktafel erinnert nun im Postgäßchen, nahe der ehemaligen Synagoge, an jüdische Pfadfindergruppen in Saarlouis in der Zeit von 1935 bis 1945. Foto: Johannes Bodwing

Bei der Enthüllung der Gedenktafel waren zahlreiche Pfadfinder-Senioren sowie Stadtratsmitglieder anwesend. Als Vertreter der Politik unter anderen Minister Reinhold Jost, Landrat Patrik Lauer und Prof. Roland Rixecker, erster Antisemitismus-Beauftragter im Saarland.