Gebundene Ganztagsschule in den Fliesen, Saarlouis

Schulen : Fliesen wird gebundene Ganztagsschule

Ab dem Schuljahr 2018/19 soll die Saarlouiser Schule „In den Fliesen“ zur zweizügigen gebundenen Ganztagsschule werden. Sie wäre die dritte im Kreis Saarlouis.

Das Zauberwort heißt Bedarf. Damit begründete der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung, die Schule „In den Fliesen“ zur gebundenen Ganztagsschule zu machen. Der Beschluss erfolgte mehrheitlich, doch wie so oft, blieben wesentliche Fragen ausgeklammert. Ein wesentlicher Aspekt seien Umbau und Ergänzung des Bistros mit Essensausgabe, wurde dargestellt.

Dafür wird unter anderen das Foyer umgebaut, um rund 150 Sitzplätze zu schaffen. In den so genannten Türmen der Schule sollen zudem die WCs wieder benutzbar gemacht werden. Unabhängig von der Umrüstung zur gebundenen Ganztagsschule ist ein neues Brandschutzkonzept mit entsprechenden Maßnahmen erforderlich. Ebenfalls unabhängig von der Ganztagsform ist der Ausbau der EDV-Ausstattung vorgesehen.

Den sozialpädagogische Bedarf soll eine Fachkraft abdecken, mit 75 Prozent der tariflich festgelegten Wochenarbeitszeit. Dann entfällt der bisherige Schoolworker, weil das Land keine Doppelbetreuung fördert. Die Gesamtkosten für den Ausbau zur gebundenen Ganztagsschule liegen bei 714 000 Euro. Dies soll in mehreren Bauabschnitten erfolgen. Eine Förderung in Höhe von 50 Prozent ist möglich. Der Beschluss des Kreistages führt zu einem Antrag beim Bildungsministerium.

Ab dem Schuljahr 2018/19 soll die Schule „In den Fliesen“ dann zur zweizügigen gebundenen Ganztagsschule werden. Bei Umsetzung wäre die Schule die dritte gebundene Ganztagsschule im Kreis Saarlouis von insgesamt 13 Gemeinschaftsschulen. An der Sophie-Scholl-Schule in Dillingen und der Martin-Luther-King-Schule in Fraulautern sei es „schon sehr, sehr eng“, sagte Landrat Patrik Lauer. Und die Tendenz für die gebundene Form sei steigend. Nicht dargestellt wurde jedoch, wie das Betreuungskonzept konkret aussehen wird.

Auch kein Wort über die längerfristigen Folgen in den Heimatorten und für Vereine, wenn immer mehr Kinder ganztags in Betreuung sind. Nicht angesprochen wurde, wie aus oftmals recht simpler Architektur ein angemessenes Ganztags-Umfeld entstehen kann. Beispielsweise kritisierte der europaweit arbeitende Psychologe Professor Christian Rittelmeyer ältere Schulgebäude als „Lernkasernen“. Eine zusätzliche Belastung von Eltern befürchtete CDU-Mitglied Bernd Lay, „wenn wir heute ohne Not das Angebot an Regelschule reduzieren“. Dann müssten Eltern auf Gemeinschaftsschulen anderer Kommunen ausweichen.

Und dabei handele es sich „meist nicht um Spitzenverdiener“. Auch trügen Eltern die Verantwortung für ihre Kinder. „Daraus dürfen sie nicht entlassen werden“, sagte Lay. Das Angebot im Umfeld sei weiterhin vorhanden, widersprach SPD-Chef Oswald Kriebs. Grünen-Chef Klaus Kessler hielt Lay vor „Sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt“. Landrat Lauer sah die Wahlfreiheit der Eltern weiterhin als gegeben.

Mehr Ganztagsangebote bleiben auf der Agenda: In der kommenden Kreistagssitzung an diesem Donnerstag steht sie für die nächste Gemeinschaftsschule Bous-Hostenbach auf der Tagesordnung. Die soll zu einer teilgebundenen Ganztagsschule werden.