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Gasthaus Neue Welt in Saarlouis wird 70 Jahre alt

Gastronomie : Bunte Jahre voller Lebensfreude in der „Neuen Welt“

Die Saarlouiser Traditionsgaststätte „Neue Welt“ feiert 70-jähriges Bestehen. Besitzerin Maria Luise Julien würde am liebsten selbst noch hinterm Tresen stehen.

„Ich hab schon die Bleiwaage hier liegen, damit wir beim Erzählen auch alles gerade bekommen“, scherzt Maria Luise Julien, durch die Gaststätte „Neue Welt“ tief in der Saarlouiser Gastronomie verwurzelt, zur Begrüßung. Zur Ruhe kommen, mal die anderen machen lassen – das ist nicht ihre Sache. In der Gastronomie packt man mit an, in Marias Generation sowieso.

Und Gastronomie liegt ihr einfach im Blut – schon ihr Großvater Johann Zimmer eröffnete 1912 das traditionsreiche Bahnhofshotel gegenüber dem Saarlouiser Bahnhof. Hier verbrachte Maria Luise Julien ihre Kindheit, umgeben von Geschäftigkeit, fleißigen Händen und dem Wissen um die kleinen Dinge, die guten Service ausmachen.

Das Hotel wurde in der Familie weitergereicht und befindet sich heute in den Händen des Cousins von Maria Luise. Ihre Eltern, Ludwig und Maria Zimmer, betrieben zunächst eine florierende Metzgerei in der Bibelstraße. Doch Ludwig – damals jüngster Metzgermeister Deutschlands – wollte mehr. Und 1949, gerade erst aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt, ersteigerte das Paar die Gastwirtschaft „Neue Welt“. Am heutigen Montag, 16. März, vor genau 70 Jahren.

Maria Luise war damals frische 15 Jahre alt und packte mit an, wo es nur ging. Es gab viel zu tun – das 170 Jahre alte Gebäude hatte schon damals einiges zu erzählen. Als Pferdewechselstation diente es schon im 19. Jahrhundert, mit Stallungen für die Tiere und der Möglichkeit, sich vor Lieferungen auf den Felsberg noch zu stärken. „Ein schönes Pendant zur Gaststätte mit Tankstelle, die es später mal geben sollte.“ Familie Zimmer belebte das Ausflugslokal, eröffnete auch dort 1953 wieder eine Metzgerei, später auch die Tankstelle.

Die nächsten Jahre waren bunt, es klingt heute noch nach Aufschwung und Lebensfreude, wenn Maria Luise Julien von den 50ern erzählt. „Sonntags bin ich in der Freiluftkegelbahn herumgekrochen und hab den Keglern die Kegel wieder aufgestellt. Abends hab ich dann fasziniert vor der Waschmaschine gesessen, die wir 1959 im Quelle-Katalog bestellen konnten.“

Vom Tanzsaal, vom Springbrunnen im Biergarten, von der Schiffsschaukel, die es dort in den 30er Jahren gab, weiß sie zu berichten. Anstrengend und gleichzeitig befriedigend scheinen die Zeiten gewesen zu sein – allein von den Renovierungen hat Julien ganze Alben mit Fotos gefüllt. Ende der 90er wurde der „Neuen Welt“ übrigens nach einer ganzen Reihe von ökologischen Umbauten als erstem denkmalgeschützten Haus die „Grüne Hausnummer“ verliehen. Damit zeichnet das saarländische Umweltministerium Hausbesitzer aus, die vorbildlich umweltgerecht bauen.

Stolz ist sie auch, dass sie 1978 dann mit Unterstützung ihres Mannes, damals Filialleiter der Sparkasse in Roden, die schwierige Suche nach Pächtern abkürzen und die Gaststätte selbst übernehmen konnte. „Das würde sie auch heute noch machen, hinterm Tresen stehen“, wirft Sohn Karl-Ludwig ein.

Nach dem frühen Tod seines Vaters 1987 übergab seine Mutter dann doch wieder an Pächter – die Gaststätte neben den Aufgaben als Vermieterin eines großen Geländes wurden dann doch zu viel. Umso intensiver bemüht sie sich seitdem, das Haus in Ordnung zu halten und den Mietern auf dem Gelände – vom Ofenstudio, einem Heizungsbauer sowie einem Versicherungsbüro bis zu privaten Wohnungsmietern – ein gutes Zuhause zu bieten.

Seit einem Jahr beherbergt die Gaststätte in der „Neue Welt“ das italienische Ristorante „Da Giovanni“, das die Juliens auch gerne für ein Essen mit Freunden nutzen. Eine gute Gastronomie im Haus zu wissen, das beruhigt Maria Luise Julien. „Durch den Denkmalschutz hat die Gastronomie hier ja Bestandsschutz. Da darf gar nichts anderes rein.“ Was anderes – das kann man sich bei ihr auch gar nicht vorstellen.

Was sie sich denn noch wünsche, für sich und das Haus? „Dass die Telefonnummer 2525 auf dem Haus aufgemalt bleibt, und die Leute immer sagen können: Ruf die „Neue Welt“ unter 2525 an und reservier’ ’nen Tisch. Naja – und dass das Haus auch in Zukunft im Besitz der Familie bleibt.“

Drei Söhne und drei Enkelkinder sind da und wissen um die Bedeutung des Geländes für die Familiengeschichte. Juliens Enkel Max fand seine Liebe zum späteren Beruf übrigens auch innerhalb der Familie. Bei einem der vielen Besuche, bei denen er wie so oft der Oma im Garten zur Hand ging, entschloss er sich, eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner zu absolvieren.

Das Gasthaus Neue Welt Saarlouis: Der Name stammt übrigens von der Gemarkung, die von Saarlouis ausgehend hier beginnt. Foto: Birte Steinmetz
Maria Luise Julien (85) erzählt lebendig aus der saarländischen Gastronomie-Geschichte. Foto: Birte Steinmetz

„Jetzt wünscht er sich, dass ich meine Memoiren schreibe und all das festhalte, was ich hier so erlebt habe. Aber wann soll ich das denn noch machen?“ lacht sie, und spielt mit der Bleiwaage.