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Saarlouis
Fußball gucken als Erfolgsstory

Ungläubige und lange Gesichter gab es nach dem Aus für die Deutsche Mannschaft.
Ungläubige und lange Gesichter gab es nach dem Aus für die Deutsche Mannschaft. FOTO: Axel Künkeler
Saarlouis. Zur WM in Russland bereits zum siebten Mal Public Viewing auf dem Großen Markt – Nach dem Aus der deutschen Mannschaft ist offen, wie es mit der WM-Arena weitergeht Von Axel Künkeler

Diesmal reichten der deutschen Nationalmannschaft nicht mal hundert Minuten. Im letzten Gruppenspiel der Fußball-WM in Russland bedeutete das 0:2 gegen Südkorea das vorzeitige Aus nach der Vorrunde. Das Spiel verfolgten zudem mit 8000 Anhängern deutlich weniger Fans auf dem Großen Markt. Gegen Schweden waren es noch 12 500 Leute. Allerdings fand die Partie diesmal am Nachmittag statt, so dass viele Berufstätige nicht kommen konnten.


„Nichts versäumt“, wird mancher denken. Erst in den letzten zwanzig Minuten wurde offensiv gespielt und die Chancen häuften sich. Nun ging auch das Publikum in Saarlouis mit, feuerte die deutsche Mannschaft lautstark an. Doch die Schlachtrufe halfen nicht, groß war am Ende die Enttäuschung. Die meisten Fans verließen schnell die Arena, während andere ratlos herumstanden. Keine Party-Stimmung wie nach dem Spiel gegen die Skandinavier.

Während die Fans bei kostenlosem Eintritt die WM-Spiele verfolgen, sorgen hinter den Kulissen eine Vielzahl Beteiligter für den reibungslosen Ablauf. Dazu gehören die Stadt Saarlouis als Veranstalter, die durchführenden Agenturen „Triacs“ sowie „tat&drang“, zudem ein Netzwerk haupt- und ehrenamtlicher Helfer. Sicherheitskräfte und Polizei, die Helfer von DRK und Gastronomie, Mitarbeiter der Stadt, zusammen sind rund 150 Personen im Einsatz. Von alldem bekommen die Fans nur wenig mit. Am ehesten noch die Sicherheitskontrollen.



Wer in die Arena will, muss zunächst eine Einlass-Schleuse passieren. Über dreißig Security-Kräfte kontrollieren, dass keine gefährlichen Gegenstände mitgeführt werden. Einsatzleiter Patrick Georg ist zufrieden: „Zum Glück ist es bisher immer ruhig geblieben.“ Das mit der Polizei abgestimmte Sicherheitskonzept hat sich bewährt. Bei den Deutschland-Spielen sind neben dem Sicherheitsdienst des Veranstalters auch zehn Beamte der Vollzugspolizei unterwegs. Außerdem ist je ein Mitarbeiter des Haupt- und des Ordnungsamtes der Stadt Saarlouis vor Ort. Der Außenbereich wird durch den kommunalen Ordnungsdienst mit Kräften des städtischen Sicherheitsdienstes bestreift.

Zudem gibt es mehrere Notausgänge, die ausgeschildert und ebenfalls mit Security-Personal besetzt sind. Im Notfall sorgen Einsatzkräfte des DRK für schnelle Hilfe. Bei der Partie gegen Südkorea am Mittwoch sind es 53, wie Bereichsleiter Carsten Laurent berichtet. Ansonsten richtet sich die Personalplanung nach den erwarteten Zuschauerzahlen, drei DRK-Leute sind es aber mindestens. Besondere Vorkommnisse sind bisher nicht zu vermelden, nur einige Fälle von Kreislaufschwäche, sagt Laurent. Für die ehrenamtlichen Helfer sei es daher fast schon ein Team-Building. „Wir fühlen uns wie zuhause im Wohnzimmer“, erzählt Laurent.

Im Einsatz ist auch der Neue Betriebshof Saarlouis, der Absperrgitter stellt, die verkehrsrechtlichen Anordnungen umsetzt und den Müll entsorgt. Fünf Mitarbeiter des Betriebshofs leisten etwa 30 bis 40 Arbeitsstunden, der finanzielle Aufwand beläuft sich auf knapp 4000 Euro. Ansonsten hat die Kreisstadt Saarlouis als Veranstalter mit dem Betreiber einen privatrechtlichen Vertrag abgeschlossen, in dem Stillschweigen über die Kostenregelung vereinbart ist. „Das privatwirtschaftliche Risiko liegt beim Betreiber, der Firma Triacs“, erklärt Petra Molitor von der städtischen Pressestelle.

„Das Public Viewing in Saarlouis ist eine Erfolgsstory“, freute sich Oberbürgermeister Peter Demmer schon beim Auftaktspiel der deutschen Mannschaft. Das „Sommermärchen“ der WM 2006 brachte Public Viewing erstmals auch auf den Großen Markt. Seitdem gibt es die Arena alle zwei Jahre zu jeder EM und jeder WM. Jetzt also schon zum siebten Mal. „Das ist nur möglich, weil Agenturen, Sponsoren, Hilfsdienste und viele andere vertrauensvoll zusammenarbeiten“, sagt Demmer. Den Fußballfans in der Stadt und den Besuchern von außerhalb werde „eine ganz besondere Atmosphäre“ geboten.

Saarlouis profitiere vom Imagegewinn durch eine breite Medien-Berichterstattung. Am Mittwoch sind gleich zwei Kamerateams von SR und ZDF dabei. Nathalie Klein, die Geschäftsführerin der Agentur tat&drang, ist ebenfalls zufrieden: „Unser Public Viewing funktioniert besser als die Leistung der deutschen Fußballer“, sagt sie vor dem Spiel. Fast 40 000 Fans hätten bislang die Spiele im Fandorf verfolgt.

Nun stellt das schwache Abschneiden der deutschen Mannschaft das Public Viewing-Konzept in Saarlouis aber grundsätzlich in Frage. Am heutigen Donnerstag soll entschieden werden, ob und wie es weitergeht. „Auf jeden Fall in kleinerem Rahmen“, über alles Weitere müsse man reden, sagt eine sichtlich enttäusche Nathalie Klein, die das Scheitern der Fußballer nicht nur sportlich, sondern auch finanziell trifft. Zumindest ist es trotz der Niederlage „auch heute wieder friedlich geblieben“, sagt Security-Chef Patrick Georg.

53 DRK-Leute hatte Bereitschaftsleiter Carsten Laurent (rechts) am Mittwoch im Einsatz.
53 DRK-Leute hatte Bereitschaftsleiter Carsten Laurent (rechts) am Mittwoch im Einsatz. FOTO: Axel Künkeler
Einlasskontrollen einer Security-Firma sorgten für die notwendige Sicherheit bei der Veranstaltung.
Einlasskontrollen einer Security-Firma sorgten für die notwendige Sicherheit bei der Veranstaltung. FOTO: Axel Künkeler