Freies Internet für jedermann

Kostenloses, unbegrenztes Internet für alle – dafür setzt sich die Initiative Freifunk deutschlandweit ein. Damit das Freifunknetz wie in anderen Städten auch in Saarlouis Verbreitung findet, unterstützt der Kreisverband der Piraten den Aufbau.

Handy an, nach Freifunk suchen, einloggen - so einfach kann Internetzugang sein. Es kostet nichts, man braucht keine Zugangsdaten und kann es unbegrenzt nutzen. In der Saarlouiser Innenstadt ist das nun möglich.

Einen freien und kostenlosen Internetzugang für jedermann hält die Initiative Freifunk e.V. für ein Grundrecht - und macht sich deshalb für die flächendeckende Verbreitung des Freifunk stark. In vielen deutschen Städten und Gemeinden gibt es das schon, nun soll auch Saarlouis folgen. Dafür setzt sich jetzt die Piraten-Partei im Kreis Saarlouis ein und unterstützt den Aufbau eines Freifunknetzes mit geschenkten Routern.

Kein Risiko für Störerhaftung

Die Router, als so genannte Freifunkknoten, werden von Freiwilligen aufgestellt, die bereit sind, diesen Internetanschluss mit anderen zu teilen. Das Besondere daran: Die Störerhaftung ist ausgeschlossen, das heißt, der Betreiber haftet nicht dafür, wenn zum Beispiel ein Nutzer illegal etwas herunterlädt. Möglich ist das durch eine Gesetzeslücke, erklärt Jörg Arweiler, Vorsitzender des Kreisverbands der Piratenpartei Saarlouis : Freifunk hat nach dem Telemediengesetz als Zugangsvermittler ein "Provider-Privileg" und ist damit von jeglicher rechtlichen Verantwortung freigestellt. Auch der Betreiber eines WLAN vermittelt nur den Zugang zum Internet und trägt somit kein Risiko.

Doch Freifunk lebt vom Mitmachen: Die einzelnen Zugangspunkte verbinden sich untereinander; je mehr es gibt, desto höher sind Verbindungsqualität sowie -verfügbarkeit. Jedes WLAN-fähige Gerät, also Handy, Tablet oder Notebook, kann sich in der Nähe eines Knotens mit dem Freifunk-Netz verbinden und das Internet nutzen. Zwar gibt es auch andere Hotspots mit WLAN, die kostenlos sind, aber die sind meist beschränkt, was den Zugang zu Internetseiten oder Downloadmengen betrifft.

Sechs Knoten gibt es schon

Bereits jetzt sind in der Saarlouiser Innenstadt sechs Freifunkknoten online: Im Eiscafé La Gondola, Irish Pub, Kartoffel- und Schnitzelhaus, Café Segafredo, Boulangerie und Café Auszeit. Weitere Knoten folgen in Kürze, zum Beispiel das Juz Utopia. Alle vorhandenen Knoten kann man auf der Internetseite von Freifunk-Saar sehen. Im Landkreis gibt es derzeit noch zwei in Dillingen und einen in Schmelz. 200 sind es insgesamt im Saarland.

Anfangs gebe es oft Berührungsängste, erzählt Arweiler, "die Leute vermuten, dass ein Haken dran ist". Aber die Idee verbreite sich allmählich: "Das Interesse ist groß und wir mussten bereits Router nachordern", sagt Arweiler. "Wir Piraten sponsern das Freifunk-Projekt, um zu zeigen, dass freie Netze möglich und absolut wichtig sind."

Zehn Router verschenkt

Je nach Leistung kostet ein Router zwischen 20 und 80 Euro; zehn haben die Piraten zu verschenken. Finanziert wird das aus den Spenden und Mitgliederbeiträgen in der Piraten-Kasse.

Die Piraten-Mitglieder richten den mit der speziellen Freifunk-Software versehenen Router auch vor Ort ein. Als technische Voraussetzung muss nur grundsätzlich die Möglichkeit eines Internetanschlusses gegeben sein. Für den Betreiber entstehen weder Kosten noch Aufwand, betont Arweiler: "Das ist keine kommerzielle Geschichte."

Interessenten für einen kostenlosen Freifunk-Router schreiben per E-Mail an freifunk@piratenpartei-saarlouis.de.

www.freifunk-saar.net

Zum Thema:

StichwortFreifunk ist eine nicht-kommerzielle Initiative für freie Funknetzwerke in ganz Deutschland. Frei bedeutet dabei: kostenlos, öffentlich zugänglich, nicht kommerziell, im Besitz der Gemeinschaft und unzensiert. Für den Aufbau der Netze wird die Freifunk-Software auf den WLAN-Routern benutzt, eine spezielle Linuxdistribution. "Die Freifunk-Community ist Teil einer globalen Bewegung für freie Infrastrukturen und offene Funkfrequenzen . Unsere Vision ist die Demokratisierung der Kommunikationsmedien durch freie Netzwerke", heißt es auf der Internetseite der Freifunk-Initiative. nicwww.freifunk.net