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Frauenarmut bleibt Riesenproblem

Frauenarmut bleibt Riesenproblem

Was wollen die Bundestagsparteien gegen Frauenarmut tun? Um Antworten auf diese Frage zu bekommen, hat das Frauennetzwerk Saarlouis eine Podiumsdiskussion ausgerichtet. Der Besuch am Dienstagabend war ungewöhnlich gut.

"Frauenarmut stoppen! - Gibt es Wege aus der Armut?", so lautete der Titel einer Podiumsdiskussion auf Einladung des Frauennetzwerks Saarlouis. Im Publikum waren rund 150 Gäste, größtenteils Frauen aller Altersstufen. Auf dem Podium: die Bundestagsabgeordneten Nadine Schön (CDU), Oliver Luksic (FDP), Markus Tressel (Grüne) und die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Berg sowie Wolfgang Edlinger, Vorsitzender der Saarländischen Armutskonferenz. Moderiert wurde die Veranstaltung von SZ-Redakteur Mathias Winters.

Ernüchternde Zahlen gleich bei der Begrüßung von OB Roland Henz. "Jeder sechste Einwohner Deutschlands gilt als armutsgefährdet." Und "Frauen, die in Armut leben, haben eine um acht Jahre geringere Lebenserwartung als besser Gestellte."

Sozialwissenschaftlerin Petra Erbrath, Diözesanreferentin der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, erläuterte die Ursachen für Frauenarmut. Eine davon sei die Absicherung des Alters über die Erwerbsarbeit. "Jeder Ausschluss aus der Erwerbsarbeit, also auch das Übernehmen der Verantwortung für Familie und Pflege, bedeutet einen Einbruch in der Alterssicherung", sagte Erbrath. Ein Arbeitsmarkt, in dem Niedriglohnjobs, Teilzeit, Minijobs dominierten, tue das Übrige. Die Herabstufung der Hinterbliebenenversorgung verschärfe das Problem.

Einige von Erbraths Vorschlägen, um Frauenarmut im Alter langfristig zu lösen, sind die Sockelrente als garantierte Grundsicherung im Alter und die Anpassung der Löhne in typischen Frauenberufen an die Tarifabschlüsse im Metall- und Bankenbereich. Jede(r) müsse eine eigene Rentenversicherung aufbauen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse verbessert, das Familiensplitting eingeführt und bei Tariferhöhungen die unteren Einkommen stärker angehoben werden. Eine Option, die kurzfristig umzusetzen wäre, sei die Anerkennung von Erziehungszeiten für Kinder, die vor 1992 geboren wurden.

Welche Maßnahmen denn nun getroffen werden müssen, um das Problem der Altersarmut von Frauen dauerhaft zu lösen, darüber konnten sich die Politiker nicht so recht einigen. Die Ideen reichten von einer frauenfreundlicheren Arbeitswelt und einer Stärkung der betrieblichen Altersversorgung (Luksic) über bessere Möglichkeiten der Kinderbetreuung und Hilfen beim Wiedereinstieg in den Beruf (Schön) bis zur Einführung des Mindestlohns und der Einschränkung prekärer Arbeitsverhältnisse (Tressel/Berg). Uneinigkeit herrschte bei der Reform des Steuerrechts und der Einführung einer Sockelrente.

Einig waren sich die Politiker jedoch, dass Kindererziehungszeiten vor 1992 bei der Rente so angerechnet werden müssten, wie bei Geburten nach 92. Dies könne kurzfristig geschehen. Nicht zufrieden war Edlinger: "Wir drehen seit Jahren an kleinen Stellschrauben. Das Problem wird nicht gelöst." Er fordert den großen Wurf.