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Fotos von Johannes Ruße: „Bilder, die nie gesehen wurden“

Saarlouis. we

Johannes Ruße, 60, hätte sich gern der Digitalisierung in der Fotografie verweigert, wie er berichtet. So viel Handwerk gehe da verloren, wer könne denn heute noch richtig mit Blende und Belichtung gestalten? Aber Ruße wechselte dann doch in die elektronische Fotografie und machte weiter mit seinem Hobby. 45 Jahre fotografiert er jetzt, eine Auswahl der Ergebnisse zeigt er derzeit beim Demenzverein Saarlouis . Die meisten der 36 Fotos, 20 mal 30 Zentimeter, stammen aus der digitalen Zeit. Tröstlich ist für Ruße: "Früher blieb ein schlechtes Foto nach Bearbeitung ein schlechtes Foto, heute, digital, ist es genauso."

Ruße erinnert sich noch, wie er als Schüler nur ganz selten auf den Auslöser seiner Voigtländer drückte, weil die Filme zu teuer waren. Das änderte sich erst in der Zeit, als er Elektriker lernte.

Ruße bearbeitet seine Fotos stark. Das Motiv "Kleiner Markt in Saarlouis " zum Beispiel überblendete er mit einem Wolkenspiel, das er auf einer Reise aufnahm. Außerdem beließ er den unteren Rand des Fotos schwarz-weiß. Das ist Kennzeichen vieler seiner Saarlouis-Fotos. Das Motiv "Weg zum Paradies" mit einem Torbogen vom Saaraltarm im Zentrum baute er aus sechs verschiedenen Bildern auf. Bilder würden heute oft "nicht mehr gesehen", sagt Ruße, darum die Verfremdungen. So entstehen, sagt er, "Bilder, die nie gesehen wurden." Und die dann eben doch gesehen werden.

Demenz-Zentrum Saarlouis , Walter-Bloch-Str. 6. Bis 31. Mai. Am besten vorher bei Ruße anrufen: Tel. (0 68 31) 4 15 28