Keine guten Nachrichten im neuen Jahr Ford-Betriebsrat schwört Mitarbeiter auf „Jahr der Entscheidungen“ ein

Saarlouis · Die Zukunft von 4000 Ford-Mitarbeitern ist weiterhin offen. Der Betriebsrat hofft auf Verhandlungserfolge für das Werk in Saarlouis. Doch auch in Köln ziehen dunkle Wolken auf.

Ford: Betriebsrat mit schlechten Nachrichten für Mitarbeiter in Saarlouis
Foto: dpa/Oliver Dietze

Steht den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Ford-Werk in Köln ein Personalabbau bevor? Das vermutet zumindest der Saarlouiser Betriebsratschef Markus Thal in einer Mitteilung an die Belegschaft. Das Unternehmen sei durch Missmanagement von wenigen Entscheidern ins Abseits geraten und müsse nun verschlankt werden. Das heiße nichts anderes als weiterer Personalabbau. Deshalb trifft sich die Belegschaft am Standort Köln zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung am 23. Januar.

Betriebsrat der Ford-Werke Saarlouis kämpft um Arbeitsplätze

Für die Ford-Werke Saarlouis stimmt Thal die Belegschaft auf ein Jahr ein, in dem „wesentliche Entscheidungen für die berufliche Zukunft von uns allen fallen“ würden. Bislang habe das Unternehmen nur zugesagt, 500 bis 700 Arbeitsplätze in Saarlouis zu erhalten. Für fast 4000 Ford-Mitarbeiter würde demnach eine Zukunftslösung fehlen. Auch für die 1600 Mitarbeiter in den Zulieferbetrieben gäbe es noch keine Sicherheit.

Protestaktion am Saar-Polygon für Ford Saarlouis
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Protestaktion am Saar-Polygon für Ford-Standort Saarlouis

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Foto: BeckerBredel

Suche nach Investoren bislang ergebnislos

Bei der Suche nach Investoren könnte der Betriebsrat noch keine Ergebnisse vorlegen. Im Dezember hieß es noch, dass es 15 Interessenten für den Saarlouiser Standort gäbe. Doch die Suche sei „ein sehr intensiver Prozess“ und eine Zusage oder Absichtserklärung eines möglichen Investors liege nicht vor. Thal geht jedoch nicht mehr davon aus, dass ein Investor einsteigt, der alle Arbeitsplätze bei Ford und den Zulieferbetrieben erhält.

Enttäuscht zeigt sich der Betriebsrats-Mann von Deutschland-Chef Martin Sander. Dieser habe nicht wie versprochen ein Zukunftskonzept bis Ende 2022 vorlegen können. Stattdessen habe er nun in einer Mitteilung angekündigt, bis Ende des ersten Quartals 2023 Klarheit über mögliche Investoren zu schaffen. Thal geht jedoch davon aus, dass auch dieser Zeitplan reißen könnte.

Ford in Köln braucht Arbeiter für E-Modelle

Außerdem verkündet der Betriebsrat, dass eine Betriebsvereinbarung über alternative Arbeitsplätze in Köln abgeschlossen sei. Dort beginnt im August 2023 die Fertigung eines E-Modells und dadurch entsteht höherer Personalbedarf, der noch nicht gedeckt sei. Im Jahr 2024 soll im Kölner Werk auf eine dritte Produktionsschicht aufgestockt werden. Die neuen Arbeitsplätze entstehen im Bereich der Fahrzeugfertigung, also Produktion, Logistik und Facharbeit. Der Betriebsrat möchte Wechselwillige unterstützen, bittet jedoch gleichzeitig noch um Geduld. Vor jedem Wechsel nach Köln müsse ein Beratungsgespräch stattfinden. Noch sollen Wechselwillige abwarten und nicht die Personalabteilungen aufsuchen.

Der Betriebsrat informiert zudem über die Zukunft des Konzerns. Ford verkleinert das eigene Angebot im PKW-Vereich und lässt die Modelle Mondeo, Fiesta, Galaxy, S-MAX und Focus bis Mitte 2025 auslaufen. Stattdessen setzt das Unternehmen auf Nutzfahrzeuge und das hochpreisige Segment. Diesen unternehmerischen Entscheidungen von Ford Europa steht der Betriebsrat kritisch gegenüber. Ford laufe der Elektrifizierung und den eigenen Zielen hinterher und zahlen müssten im Zuge der Verschlankung die eigenen Mitarbeiter durch Personalabbau. Eine Vision vonseiten des Managements sei nicht zu erkennen, meint Thal.

15 Auszubildende werden in Saarlouis befristet übernommen

Nur eine gute Nachricht kann der Betriebsrat zu Beginn des Jahres 2023 verkünden. 15 Auszubildende würden im Januar nach Beendigung ihrer Berufsausbildung befristet übernommen und acht Jungfacharbeiter bekämen ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

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