Folge den zwei Buchstaben

Saarlouis · Ganz abstrakt und doch oft ganz vertraut: Grafik und Unikate des französischen Künstlers James Coignard. Die Galerie Palz in Saarlouis stellt bis 12. März die eindrücklichen Bilder aus.

 „Deux rouges en axe” von Coignard. Foto: Michael Palz

„Deux rouges en axe” von Coignard. Foto: Michael Palz

Foto: Michael Palz

James Coignard ist ein idealer Künstler für Neueinsteiger in die Kunst. Wer noch nicht gelernt hat, Künstler anhand ihrer Bilder zu unterscheiden, könnte keinen leichteren finden als ihn. Denn eine große Menge seiner Bilder tragen fett die beiden Buchstaben AB. Die Buchstaben A und B markierten Anfang und Ende einer Strecke im Raum, deren Grenzen nicht feststehen, also offen bleiben. So sind Coignards Bilder zu lesen: Als Zeichensysteme, die sich hier entschlüsseln lassen und da eher nicht. Höchst allgemeine Titel ("Leiter") unterstützen das. Jetzt widmet die Saarlouiser Galerie von Michael Palz Coirgnard eine Ausstellung mit 40 Bildern. Im Programm hat er den Künstler schon seit 20 Jahren.

James Coignard (1925 bis 2008) hat sein Handwerk an keiner Kunstakademie gelernt (von Abendkursen in Nizza abgesehen), ist dennoch in Autodidakten eher abgeneigten Institutionen wie dem Guggenheim Museum in New York vertreten. 1952 gab er seine Tätigkeit bei einer Finanzbehörde auf, um sich ganz der Kunst zu widmen. Coignard empfing viele Impulse von Künstlerfreunden, die ihn immer umgaben. In Paris zum Beispiel profitierte er von Henri Matisse , Georges Braques und Marc Chagall .

In Saarlouis zu sehen sind vor allem Arbeiten in der Karborundum-Technik, einer Kunstharz-Variante der Aquatinta. Diese Bilder machten ihn bekannt. Der speziellen Technik verdankt sich der immer wieder dominierende leuchtende, satte Farbauftrag auf den Bildern. Den verstärken Techniken wie Collagen, Reliefierungen und Übermalungen, die Grenze zwischen Gradfik und Unikat ist offen. Die 40 Exponate bei Palz erstrecken sich über gut zwei Jahrzehnte.
Abstrakte und farbige Arbeiten

Coignard arbeitet abstrakt, sehr farbig, er setzt Ordnung und Chaos gegeneinander. Immer wieder beschäftigt er sich mit dem Menschen und seiner Umgebung, freilich auch abstrahiert, aber ohne jede Provokation. Buchstaben wie auf seinen Karborundum-Arbeiten tauchen auch auf Bildern von Max Popart (1911 bis 1994) auf, einem seiner künstlerischen Weggefährten. In der Anmutung am ehesten benachbart sind Coignards Grafiken denen des Katalanen Antoni Tapiès (1923 bis 2012).