Florian Schäfer ist neuer Vorsitzender des SPD Stadtverbandes Saarlouis

Kostenpflichtiger Inhalt: Junger neuer Vorsitzender der Saarlouiser SPD : Ohne Anlauf nach ganz vorne

Mit 27 leitete Florian Schäfer eine Filiale der Sparkasse, mit 31 trat er in die SPD ein, mit 33 wurde er deren Vorsitzender in Saarlouis. Eine bei den Sozialdemokraten seltene Blitzkarriere.

Wir warten auf den Neuen. Pünktlich öffnet sich die Tür, und Florian Schäfer tritt ein. Florian wer? Schäfer. Der neue Vorsitzende des traditionsreichen SPD-Stadtverbandes Saarlouis. Er tritt ein mit einer kompakten Präsenz, als sei er, nun, auf jeden Fall mal nicht ein Neuer. Man stellt sich einander vor, der 33-Jährige mit gewinnender Verbindlichkeit.

Der SPD-Stadtverband hat Schäfer im September zum Nachfolger von Hakan Gündüz, 45,  gewählt, der schon früh angekündigt hatte, zu diesem Zeitpunkt nicht erneut anzutreten. Gündüz bleibt aber Fraktionschef im Stadtrat.  Dass die Sozialdemokraten mehrheitlich Schäfer an ihre Spitze wählen würden, war dennoch eine Überraschung. Kein Altgedienter, keiner, den die Partei in der üblichen Weise langsam nach vorne geschoben hätte. Florian Schäfer ist 33, in  der SPD erst seit gut zwei Jahren.

Fast am selben Tag löste die CDU nach 20 Jahren Georg Jungmann als Chef des Stadtverbandes ab; das war ein Generationswechsel. Der neue Vorsitzende, Marc Speicher, ist zwar mit 34 fast gleich alt wie Schäfer, aber er sitzt im Landtag, lange schon im Stadtrat und war ein sehr vernehmlicher JU-Chef. Schäfer dagegen war nie bei den Jusos. Er stammt aus der Altstadt, Bierstraße. Sein Vater führte dort das Bestattungsunternehmen Rohn und eine Schreinerei. „Die ersten 21 Jahre wohnte ich dort.“ Die Mutter starb früh, zwei ältere Brüder wuchsen mit ihm auf. An die Schulzeit an der Integrierten Gesamtschule Dillingen erinnert er sich dankbar und gern. „Eine schöne Schulform, eine schöne Zeit.“ Es folgten Fachoberschule und ab 2004 eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Kreissparkasse (KSK) Saarlouis. Zur selben Zeit wie sein Gegenstück bei der CDU, Marc Speicher. Man kennt sich.

Schäfer blieb bei der KSK. Stationen in Fraulautern und Überherrn. 2013 übernahm er mit 27 Jahren eine KSK-Filiale in Roden, nach Zusammenlegung mit einer anderen Filiale wurde er Stellvertreter. Seit 2007 gehörte er der Auszubildendenvertretung der KSK an, später demPersonalrat. Heute ist er dessen freigestellter Vorsitzender. Seit sechs Jahren sitzt er auch im Verwaltungsrat.

Erst 2017 trat er der SPD bei, Ortsverein Roden, wurde gleich Schriftführer. „Das war mitten im OB-Wahlkampf des Rodeners Peter Demmer“, dem jetzigen OB. „Meckern oder was machen? Ich wollte was machen.“ Sozialdemokratisch habe er schon immer gewählt, elterliches Erbe, sagt er, der Vater ein Handwerker. Das Profil als Arbeiterpartei, das müsse die SPD neu gewinnen, sagt er heute. Schon 2017 wurde er stellvertretender Orga-Leiter im Stadtverband.

Im September 2018 wurde er gefragt, ob er den kleinsten SPD-Ortsverein in Saarlouis, Neuforweiler, übernehmen würde. In Neuforweiler lebt er. Wurde im Mai 2019 in den Stadtrat gewählt. Und im Sommer 2019 habe ihn Hakan Gündüz gefragt, ob er bei der Wahl zum Stadtverbandsvorsitzenden im September kandidieren wolle. „Da schlucken Sie erstmal. Was ist die Aufgabe? Kannst du das stemmen als Quereinsteiger?“

Nun muss er es stemmen mit den 608 SPD-Mitgliedern in Saarlouis. Akzente? Für transparentes Entscheiden ist er, auf allen Ebenen der SPD. Und dafür, das Wahlprogramm der Saarlouiser SPD „weiter umzusetzen“. Rechenschaft geben vor Ort: Die SPD-Bürgerdialoge in den Stadtteilen vor der Wahl sollen fortgesetzt werden. Es gehe nicht bloß um den Blick auf die Gesamtstadt, sondern auch um den Blick auf jeden Stadtteil für sich. In diesen Bürgerdialogen sollen die Menschen auch erfahren, was aus dem Programm für den Ort geworden ist. „Die Leute haben ein Recht darauf, das zu erfahren.“

Die Präsenz der SPD in den sozialen Medien soll besser werden, sagt Schäfer. Zwei im neuen Vorstand, Lara Clanget und Gabriele Amann, kümmern sich drum. „Wir müssen Gesicht zeigen.“ Ein Thema natürlich auch die Erweiterung des Gewerbegebietes Lisdorfer Berg. „Da darf man nicht nur das Interesse sehen, Gewerbesteuer für die Stadt einzunehmen, es muss einen Interessenausgleich für die ganze Stadt geben.“ Dazu gehörten Naturschutz und Klimaschutz ebenso wie die Interessen der Bürger des angrenzenden Neuforweiler. Die nur 35 Hektar Erweiterung, die die SPD vorgeschlagen hat, könnten dabei ein guter Kompromiss sein, sagt Schäfer.

Nach dem Gespräch fährt Schäfer ein Stück im Wagen mit. Beim Einstieg ins Auto stockt er. Er hebt zwei kleine Cent-Münzen vom Boden vor dem Beifahrersitz auf. „Da liegt Geld.“ Wie viele Beifahrer haben das bis dahin übersehen? Und wie hatte Schäfer zu den vielen kleinen Veranstaltungen der SPD in den Stadtteilen angemerkt? „Es muss nicht immer das große Kino sein. Das kleine Kino ist auch wichtig.“

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