Fit fürs Patientengespräch

Jetzt können sie Deutsch reden mit den Patienten und medizinische Fachsprache verstehen: 17 ausländische Ärzte und Apotheker hat ein Pilotprojekt in Saarlouis auf ein hohes Sprachniveau katapultiert.

Maria Kong hatte sich vorsichtshalber schon mal in der Klinik in Saarlouis zur Entbindung angemeldet. Ihr Kind hätte auf die Welt kommen können, während die junge Frau von den Philippinen in Saarlouis in der Deutschprüfung saß. Die wollte sie auf keinen Fall verpassen. "Das war so wichtig für mich", sagte sie gestern. Und wenn es dann doch während der Prüfung passiert wäre - "wo wäre ich da besser aufgehoben gewesen als in dem Sprachkurs? Das waren ja lauter Ärzte , auch Gynäkologen."

Maria Kong ist selbst Ärztin, sie hat am Cebu Institute Medicine auf den Philippinen studiert und möchte nun in Deutschland als Ärztin arbeiten. Zusammen mit 16 anderen, Ärzten, Zahnärzten und Apothekerinnen, die meisten syrische Flüchtlinge, hat sie in Saarlouis einen neuartigen Deutschkurs absolviert. Er begann im Mai 2015 und umfasste insgesamt 680 Stunden auf den Fremdsprachenniveaus B 2 und C 1.

C 1 heißt: Der Kandidat "kann die Sprache im gesellschaftlichen und beruflichen Leben wirksam und flexibel gebrauchen."

Von Anfang an, das gehört zum Konzept, waren darin medizinische Fachsprache, Patientengespräche, Falldarstellungen und Latein für die Fachausdrücke integriert. Diese in einer Prüfung nachgewiesenen Deutschkenntnisse sind seit Oktober 2014 eine Voraussetzung für die Approbation der ausländischen Ärzte in Deutschland.

Das ist oft ein Problem, weil zwischen ordentlichen Grundkenntnissen und dem Erwerb von C 1 und noch medizinischer Fachsprache eine Lücke klafft.

Der Saarlouiser Kurs ermöglicht den Sprung von Niveau B 1 über B 2 zu C 1, Fachsprache inklusive.

Vergleichbare Kurse gebe es im Saarland nicht, das Saarlouiser Konzept sei vermutlich auch bundesweit eine Premiere, erklärten gestern bei einem Abschlusstreffen die Leiterin der Volkshochschule Saarlouis , Gertrud Jakobs, und Wolfgang Vogt vom Netzwerk IQ Saarland. IQ steckt hinter dem Konzept. Das Netzwerk "Integration durch Qualifizierung" verfolgt das Ziel, die Chancen am Arbeitsmarkt für Migrantinnen und Migranten zu verbessern. IQ kümmerte sich in Saarlouis um die Finanzierung, die über den Europäischen Sozialfonds, über das Sozialministerium des Bundes und saarländische Jobcenter abgedeckt wurde. Von IQ kamen auch die Deutschlehrerinnen, Dr. Neda Sheytanova, Silvyia Todorova und Banu Ahibay. Träger des Pilotkurses "Fach- und Sprachförderung Deutsch für Mediziner" war die VHS Saarlouis .

Sheytanova und ihre beiden Kolleginnen haben "manchmal über Nacht" den Lehrplan entworfen, weil es keinen gab. "Wir haben relevante Kommunikationssituationen in Kliniken auf das Allgemeine reduziert und eingeübt."

Die 17 Kursteilnehmer kamen aus fast dem ganzen Saarland.

Auch Bahraa Alsahwi hat die Prüfung absolviert. Für sie war der Kurs noch schwieriger als für die Ärzte . Denn sie hat in Damaskus Pharmazie studiert, ist Apothekerin, keine Ärztin. Ihr war also nicht nur die Sprache fremd, sondern auch viele medizinische Sachverhalte, die übersetzt werden mussten. Aber jetzt freut sie sich: Sie hat einen Vertrag, ein Jahr Praktikum in einer Apotheke in der Saarlouiser Innenstadt.

"Hier ist vieles ganz anders als bei uns. Auch bei den Medikamenten", berichtet sie. Am 1. März geht es los.

Und erst in vier Wochen wissen die Ärzte und Apothekerinnen, ob sie den Sprachtest auf Niveau C 1 bestanden haben. VHS-Leiterin Jakobs ist optimistisch. "So viel Fleiß und Einsatz, das war beispielhaft. Das wünscht man sich in einer VHS."