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Firmen im Kreis Saarlouis versuchen ihre Mieten stunden zu lassen

Kostenpflichtiger Inhalt: Miete stunden? : „Die Nervosität wird immer größer““

Kein Massenbewegung, aber doch ein beträchtliche Zahl von kleineren Unternehmen im Kreis Saarlouis bittet Vermieter um Stundung der Mieten etwa fürs Ladenlokal. Das ergeben Beobachtungen der Wirtschaftsförderer.

Zentral erfasst wird es nicht, wie viele Unternehmen im Kreis Saarlouis bei ihren Vermietern um Stundung der Miete bitten. Beobachter aber wie Thomas Jacob, Wirtschaftsförderer der Stadt Saarlouis, sagen: „Aus Gesprächen mit Mietern und Vermietern lässt sich ableiten, dass es nicht nur wenige sind“.

Bis jetzt hätten sich etwa 20 gewerbliche Mieter an die Wirtschaftsförderung der Stadt gewandt, sagte Jacob. „Die Wirtschaftsförderung hat den Mietern empfohlen, mit dem jeweiligen Vermieter in Kontakt zu treten, die pandemiebedingte Situation darzulegen und über die Möglichkeiten einer Stundung, Reduzierung oder eines Erlasses der Miete zu sprechen.“

In etwa zehn Fällen hat die Wirtschaftsförderung laut Jacob „flankierend das Gespräch mit den Vermietern gesucht, um individuelle Lösungen zu finden. Die überwiegende Mehrheit der Vermieter zeigte großes Verständnis für die aktuelle Situation der Mieter und hat für die Dauer der Krise eine Stundung der Miete, in wenigen Fällen sogar eine Halbierung des Mietzinses für die Dauer der Geschäftsschließungen angekündigt.“

Gespräche mit Vermietern zeigten, dass großes Interesse besteht, verlässliche Mieter in den Ladenlokalen zu halten und Ihnen bei der Überbrückung der Notlage zu helfen, erläuterte Jacob. „Viele Vermieter sind sich auch bewusst, dass es in Krisenzeiten schwer wird, einen Nachmieter zu finden. Leider gab es auch einige Fälle, bei denen die Vermieter auf die volle monatliche Mietzahlung bestanden haben.“

Von bislang einzelnen Fällen aus dem ganzen Landkreis, in denen ein Betrieb bei der Gesellschaft für Wirtshaftsförderung Unteres Saar (wfus) mit Informationsbedarf zur Miete nachgefragt habe, berichtet wfus-Leiter Jürgen Pohl. „Es sind bisher jedoch eher Einzelfälle, bei denen es zu einer einvernehmlichen Vereinbarung auf Zeit gekommen ist. So einigten sich Vermieter - bisher nur Private - mit ihren gewerblichen Mietern auf eine Stundung der Miete. Das reichte von zwei Monaten bis maximal sechs 6 Monate. In einigen Fällen stimmten sie sogar einer Reduzierung der Miete auf die Hälfte, befristet von einem Monat bis maximal drei Monate zu.

In zwei Fällen, berichtete Pohl am Donnerstag, gestalteten sich die Gespräche unter Vermittung des wfus als „etwas schwieriger“,

Nimmt kein Blatt vor den Mund: Harald Feit Foto: Thomas Seeber

weil sich die Vermieter zuerst nicht darauf einlassen wollten. „Hier erzielten wir aber doch noch jeweils einen Kompromiss.“

Pohl nennt Beispiele für Firmen, die den Weg der Stundung gehen: „In vier Fällen kamen die aus dem Einzelhandelsbereich, in zwei anderen Fällen um den Bereich IT und Dienstleistung im Gesundheitsbereich“.

Einen etwas anderen Eindruck hat der Vorsitzende des Verbandes für Handel, Handwerk, Industrie und Freie Berufe, Harald Feit, aus seinen Gesprächen vor Ort: „Es ist überall Thema. Und ich habe selten von einer für beide Seiten zufriedenstellenden Lösung gehört. Es ist kaum Verständnis füreinander da. Ich habe den Eindruck, viele handeln nach dem Motto ,Rette sich wer kann’, und zwar für sich alleine“. Es gebe auch andere Beispiele, sagte Feit, „das Bild ist ganz uneinheitliche und sehr differenziert“. Eines aber sei einheitlich: „Die Nervosität wird immer größer.“

Stundung der Miete heißt, dass die Zahlung letztlich nur verschoben wird. Die Stundung soll Liquiditätsengpässe mildern, die entstehen, weil Unternehmen wegen Corona keine oder kaum mehr Einnahmen hat.