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Filmhit funktioniert auch als Theaterstück

Filmhit funktioniert auch als Theaterstück

Mit dem Stück „Ziemlich beste Freunde“ gastiert das Tournee-Theater Thespiskarren am Sonntag, 10. April, im Vereinshaus Fraulautern. SZ-Mitarbeiterin Barbara Scherer sprach vorab mit dem Hauptdarsteller Timothy Peach.



Herr Peach, ist das Stück "Ziemlich beste Freunde " inhaltlich an den Film angelehnt oder gibt es Unterschiede?

Timothy Peach: Das Stück ist sehr nahe an der Dramaturgie des Filmes. Es wurden aber die Sachen herausgearbeitet, die im Film filmisch dargestellt werden. Die Verfolgungsjagd zwischen der Polizei und dem Maserati kann man zum Beispiel auf der Bühne nicht darstellen. Darüber wird dann berichtet.

Sie spielen die Rolle des Philippe, der halsabwärts gelähmt ist. Wie ist es, eine solche Rolle zu spielen?

Peach: Ich bin komplett eingeschränkt und kann bis auf den Kopf gar nichts bewegen. Ich mache diesen Job seit 30 Jahren und es ist das erste Mal, dass man genau den entgegengesetzten Weg geht - nämlich nicht, zu versuchen, Körpersprache zu finden, sondern ganz im Gegenteil: Man muss alles weglassen. Das ist eine interessante Reise gewesen, weil das natürlich eine Sache ist, die der Körper nicht so gerne macht.

Es ist ja nicht nur die körperliche Seite, die an der Figur interessant ist. Wie empfinden Sie die Entwicklung, die Philipp macht - auch im Zusammenspiel mit seinem Pfleger Driss?

Peach: Das ist eine schöne Entwicklung. Im Französischen heißt es ja "Les Intouchables", also "Die Unberührbaren". Das trifft es ganz gut: Beide sind für sich in ihrem Lebensschicksal so gefangen, dass keine große Perspektive mehr da ist. Und es ist der Reiz des Stückes, dass zwei so unterschiedliche Charaktere zu einer so lebensbejahenden positiven Energie führen.

Auf der Bühne stehen insgesamt nur vier Darsteller, darunter Felix Frenken in der Rolle als Driss. Wie ist da die Zusammenarbeit?

Peach: Ich muss Felix unglaublich vertrauen können, weil er wirklich mit mir anstellen kann, was er will: Er zieht mir Stützstrümpfe an, hebt mich aus dem Bett, schmiert mich mit Rasierschaum ein. Wenn er etwas machen würde, was gegen die Vereinbarung wäre, könnte ich auf der Bühne gar nichts machen. Aber mit Felix habe ich einen absoluten Glücksgriff getan.

Sie sind schon seit Herbst 2014 mit dem Stück unterwegs. Wie sind bisher die Publikumsreaktionen?

Peach: Bisher sind die Reaktionen super. Die Leute vergessen den Film sofort und steigen bei uns ein. Sie spüren, dass die Geschichte funktioniert. Wenn die Vorstellung vorbei ist und ich aus dem Rollstuhl aufstehe, stehen die Leute bei ungefähr der Hälfte aller Vorstellungen mit auf. Das ist immer sehr berührend. Außerdem haben wir den Preis für das beste Tourneestück 2015 der Inthega gewonnen.

Haben Sie schon mal in Saarlouis gespielt?

Peach: Ich war schon mal mit Ellen Schwiers und der "Frau in Schwarz" unterwegs, das war aber vor zwölf Jahren. Das wurde in dem alten Theater von Saarlouis gespielt.

Macht Ihnen Theater mehr Spaß oder Film und Fernsehen?

Peach: Das ist schwer zu sagen. Wenn ich einen Film habe und eine Figur entwickeln kann, ist das natürlich ein toller Prozess. Aber auf der Bühne ist es ein schönes Gefühl, wenn die Leute einem folgen.

"Ziemlich beste Freunde "

ist am Sonntag, 10. April, im Vereinshaus Fraulautern zu sehen. Beginn ist um 18 Uhr, Einlass ab 17.30 Uhr. Karten gibt es für 25 Euro, ermäßigt

19 Euro, bei Ticket Regional.