Feuerwehr Saarlouis beklagt Behinderung in Altstadt

Skandalöses Verhalten : Feuerwehr? Mir doch egal, ich trink erst aus

Saarlouiser Wehr klagt über Behinderungen ihrer Einsätze in der Altstadt. Die Stadt will nun strenger überwachen.

Der Feuerwehrchef von Saarlouis, Knut Kempeni, hat an Wirte und Besucher der Altstadt appelliert, sich besser auf Wehreinsätze vorzubereiten. Der Appell kam nach eklatanten Vorfällen im Frühsommer. Kempeni bescheinigte den Wirten, nach diesen Vorfällen bereits reagiert zu haben. Jetzt müssten sie aber ihr Servicepersonal einweisen, was sie zu tun haben, wenn die Feuerwehr durch die Altstadt zu einem Brand müsse.

 Insbesondere zwei Einsätze im Frühsommer haben die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr aufgebracht. Es war ein warmer Freitagabend. Die Tische vor den Kneipen standen dicht, die Gasse in der Mitte war schmal. Und dann: Feueralarm, „Brand mit Personen im Gebäude“. Die Wehr rückte aus. Kempeni: „Die Häuser der Altstadt sind mit den Jahrhunderten so verbaut worden, dass man nur noch von einer Seite rankommt.“ Und gerade weil so dicht gebaut wurde, muss die Wehr schellst möglich vor Ort sein, damit ein Feuer nicht auf weitere Gebäude übergreift. Aber mit schnell war an diesem Abend nichts.

Die Mittelgasse war zu schmal, Gäste mussten aufstehen, Tische verrückt werden. Aber viele Gäste blieben einfach sitzen, berichten Kempeni und Stefanie Lange. „Sie haben einfach nicht reagiert.“

Es dauert. Schließlich müssen auch die großen, schweren Terrassenschirme eingeklappt werden. Polizisten halfen. Vom Servicepersonal nichts zu sehen, beklagen die Wehrleute. „Man unterschätzt, wie lange man braucht, wenn ein, zwei Minuten entscheidend sein können. Wir wussten ja nicht, wie viele Personen in diesen winzigen Appartements noch waren.“

Wer grob schätzt, verschätzt sich auch mal im Abstand für die Rettungsgasse: Deswegen zog die Stadt die blaue Linie in der Altstadt. In diesem Beispiel geht die Bestuhlung etwas drüber. Foto: Jörg O.Laux

Am Abend drauf kam es noch schlimmer, berichtet Stefanie Lange. Wieder Alarm, diesmal sah man es aber nicht qualmen. Sie Wehr rückt mit großem Gerät aus und kommt nicht durch: Weil ein großer Flachbildfernseher den Weg versperrt und niemand will ihn wegräumen. Man will Fußball schauen. Dafür „wurden wir auch noch angepöbelt“, erinnert sich Stefanie Lange. „Das war total aggressiv. Dass da keine Flaschen  geflogen sind, ist alles. Und es war ja keine Zeit zu deeskalieren.“ An dem Abend, sagt sie, hätten manche in der Saarlouiser Wehr daran gedacht, die Brocken hinzuwerfen. Als „blöder Penner“ zum Beispiel wolle da niemand beschimpft werden. Den Ärger, unterstreichen die Wehrleute, habe nicht die Masse der Altstadtbesucher gemacht, sondern Einzelne in kleinen Gruppen, meist wohl alkoholisiert.

Feuerwehr und Ordnungsamt redeten später mit den Wirten, das Ordnungsamt zog eine blaue Linie: Bis hier her und nicht weiter dürfen die Tische aufgestellt werden. „Man muss sagen, fast alle Wirte hielten sich auch daran“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Jürgen Theobald. So sollte die Rettungsgasse von 3,50 Metern frei bleiben. Der blaue Kreidestrich indes verblasste. Auf Dauer will Theobald nicht mit Wirten und Personal diskutieren. Deswegen sollen aus der blauen Linie einfache metallene Nägel werden. Da sind Denkmalschutz und Gestaltungssatzung zu beachten. Und Geld muss auch da sein. „Ich will sehen, dass wir dass zur nächsten Terrassen-Saison zusammen mit dem Neuen Betriebshof hinkriegen.“ Verwarngelder, sagt Theobald, habe das Ordnungsamt schon verhängt. Künftig werde die Einhaltung der Rettungsgasse „strenger überwacht“.

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