Feste Bahnen, ungewisse Reisen

Gute Kunst kann etwas Grundlegendes vom Menschsein sichtbar machen, und so ist es bei der Doppelausstellung Alexander G. Zakharov/Basilius Kleinhans, die vom Galeristen Michael Palz am Sonntag in Saarlouis eröffnet wird.

"Ihre Bilder haben etwas Mystisches, das ist ihnen gemeinsam", sagt Galerist Michael Palz, "sie passen wirklich gut zusammen". Alexander Zakharov und Basilius Kleinhans liegen einerseits sehr weit auseinander, andererseits ganz nah beieinander. Kleinhans gießt in Bronze ganz strenge, einfache Urformen. Formen, die man aus der Bronzezeit kennt, das Boot, das Haus zum Beispiel. Und immer geht es um Sonnenlicht, das Kleinhans aus der Tiefe seiner Objekte leuchten lässt. Zu Beginn der Zivilisation galt die Sonne als Garantin von Ordnung, Beständigkeit und verbindlichen Verträgen. Am Anfang der Zivilisation stand die Hoffnung auf feste Bahnen, wie sie ein Boot ziehen kann oder wie sie die Sonne zieht. Die Sonne bei Kleinhans ist die der Frühzeit: die lebenserhaltende, tröstlich wiederkehrende Zuwendung des Kosmos, aber auch die Sonne, die Unrecht an den Tag bringt und das Recht begünstigt. Boote, Sonne, ein Haus als Urbild der Geborgenheit. Ganz ausgezeichnet zum Beispiel das unauffällige "Haus mit zwei Booten" in dieser Ausstellung.

Das Blattgold vor allem verbindet die Plastiken von Kleinhans mit den Bildern von Zakharov. Bei ihm leuchtet es verborgen, er ist nicht der Sonne verpflichtet, eher dem Mond. Der begleitet oft, in den neuen Arbeiten aber deutlich seltener, die Reisenden auf seinen Bildern. So sicher die Sonne eines Kleinhans auf ihrer Bahn wiederkehrt, so unsicher ist die Reise eines Zakharovs: Mit beidem lebt der Mensch. Zakharov malt das mit folkloristischen Elementen in textilen Strukturen, Blattgold , ferne Erinnerungen gelegentlich an eine Ikone.

Reisende, ob sie kommen oder gehen weiß man nicht, egal. Ebenso die großen Gesichter, in die uns Zakharov blicken lässt, denen alles Verräterische fehlt, die nichts Eindeutiges preisgeben, weil sie im Werden oder Vergehen sind, egal, und die uns nur vertraut werden, wenn sie im Alltag mitleben dürfen. Werden und Vergehen, wie der Mond, die Reise von A nach B. Zakharov zeigt eine Frau auf einer langsam wandernden Schildkröte, und man sieht ihre Bewegung - hat es das schon mal gegeben in der Kunst?

Zakharov, geboren 1957, lebt im Münsterland, in Telgte. Kleinhans, geboren 1968, wurde nicht weit davon, in Beckum, geboren und lebt heute in Günzburg. Er hat nach seiner Meisterprüfung als Metallgießer in Wien an der Hochschule für Angewandte Kunst studiert. Zakharov lernte nach einem Biologiestudium an der Kunsthochschule in Kiew und arbeitete als Bühnenmaler.

 Stehendes Sonnenboot von Basilius Kleinhans. Das Objekt ist 45 Zentimeter hoch. Die Bronze gibt es auch größer und kleiner.
Stehendes Sonnenboot von Basilius Kleinhans. Das Objekt ist 45 Zentimeter hoch. Die Bronze gibt es auch größer und kleiner.

Eröffnung am Sonntag, 13. November, 11 bis 13 Uhr, beide Künstler sind anwesend. Es spricht die Kunsthistorikerin Eike Oertel-Mascioni. An dem Tag auch von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Bis 7. Dezember, dienstags bis Freitag von 10 bis 12.30 Uhr und 14 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 13.30 Uhr. Lisdorfer Straße 9, Saarlouis .