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Festakt zu 50 Jahre Städtepartnerschaft Saarlouis und Saint-Nazaire

Längst eine Freundschaft : „Das Mehr auf die Fahnen geschrieben“

Der Festakt zum 50-Jährigen war wie die Städtepartnerschaft von Saarlouis und Saint-Nazaire: Er hatte Stil und war doch zwanglos.

Von Städtepartnerschaft mochte kaum einer reden bei ihrer 50-Jahr-Feier am Wochenende. Die sei längst zu einer Freundschaft geworden, hieß es reihum. Vor allem beim offiziellen Festakt im Theater am Ring. Was dort gesagt und gezeigt wurde von dieser Freundschaft zwischen Saint-Nazaire und Saarlouis gehört zum Feinsten, was die Stadt und ihre Bürgerschaft zu bieten haben, der Akt hätte ein paar mehr Bürger im Publikum durchaus verdient. Denn diese „Jumelage“ gehört nun zur Identität von Saarlouis.

Es waren würdige, dennoch zwang­lose eineinhalb Stunden, ohne Leerlauf und ohne Floskeln, moderiert von Hans-Werner Strauß.

Die Beigeordnete von Saint-Nazaire, Gaëlle Benizé-Thual, und der Saarlouiser OB Peter Demmer unterzeichneten eine fortgeschriebene Partnerschaftsurkunde. Gaëlle Benizé-Thual ist die Enkelin von Étienne Caux, dem Maire von Saint-Nazaire, der 1969 zusammen mit Manfred Henrich aus Saarlouis die Partnerschaft mit Unterzeichnung der Urkunde begründete. Und, worauf Demmer hinwies, sie wurde im Jahr der Partnerschaft, 1969, geboren.

Gaëlle Benizé-Thual schlug ebenso elegant wie überzeugend den historischen Bogen von Sätzen des damaligen französischen Außenministers Aristide Briand ausgehend (der in Saint-Nazaire aufgewachsen ist) von 1929: Er gehörte damals zu den Ersten, die sich für eine Vereinigung Europas aussprachen. Sie berichtete von ihrem Großvater, der in deutscher Kriegsgefangenschaft auch sehr freundliche Menschen kennen gelernt habe, was ihn nach eigenen Worten sehr verändert habe.

Vorbild für die Städtepartnerschaft sei die zwischen Saarbrücken und Nantes von 1965 gewesen. Auf einem Kongress europäischer Sozialisten hätten sich dann ihr Großvater Etienne Caux und der Saarlouiser OB Manfred Henrich kennen gelernt. Es habe gepasst. Und als sich Kohl und Mitterrand über den Gräbern von Verdun 1984 symbolisch die Hand reichten, habe er geweint.

Das Publikum war gerührt von dieser Nähe. „Goldene Hochzeit“ benannte denn auch Katrin Fiegen, Vertreterin des Saarlouiser Partners Eisenhüttenstadt, das Jubiläum.

Der letzte Satz der neuen Urkunde lautet: „Deutsch-französische Freundschaft schützt den Frieden.“ Den haben die Organisatoren Christiane Bähr, Paloma Guinaudeau und Julian Heidt aus dem Film „50 Botschaften für Frieden und Freiheit“. Junge Leute aus beiden Städten sagen dort, was Freundschaft für sie ist, zum Fim gemacht von Christian Schu. Einer am Schluss: „Ich bin da zu Hause, wo meine Freunde sind.“

Bähr, Guinaudeau und Heidt haben zudem ein Mosaik gezaubert: Aus der Ferne ein Foto des früheren OB Roland Henz, einem Motor der Jumelage, und seines französischen Gegenstücks, Marianne Brunot. Aus der Nähe betrachtet erkennt man, dass sich das Bild aus 450 kleinen Passfotos zusammensetzt, die Menschen mit Bezug zu dieser Städtepartnerschaft eingereicht haben.

Freundschaft sei der Schlüssel geworden, fand OB Peter Demmer. „Darum haben wir ja den Partnerschaftsvertrag als Freundschaftsvertrag fortgeschrieben.“ Es brauche nun ein „Mehr“ davon, „und dieses Mehr haben wir uns auf die Fahnen geschrieben.“ Seine eigene Familie gehöre nun erstmals auch zu den Gastgebern.

OB Peter Demmer und die Saint-Nazairer Beigeordnete Gaëlle Benizé-Thual unterzeichnen die fortgeschriebene Partnerschaftsurkunde. Foto: Johannes A. Bodwing

Benizé-Thual brachte als Gastgeschenk ein großes Modell des 1935 in Saint-Nazaire gebauten Kreuzfahrtschiffes Normandie mit, ein Schiff mit tragischer Geschichte, weil es wenig später gesunken ist.