Fatale Lücke im Drahtgeflecht

Saarlouis · Tierschützer und Stadt Saarlouis streiten um einen Drahtzaun, der Tauben vom Brüten unter der Saaraltarm-Brücke abhalten soll. Beide aber setzen auf den baldigen Bau eines Taubenhauses in der Nähe. Das soll die Vögel von der Brücke weglocken.

 Verendete Tauben an der Schleusenbrücke über den Saaraltarm. Fotos: Rolf Ruppenthal

Verendete Tauben an der Schleusenbrücke über den Saaraltarm. Fotos: Rolf Ruppenthal

Tierschützer und die Stadt Saarlouis mögen sich streiten, wie die Tauben zu Tode kamen, ein schöner Anblick sind die Kadaver an einem der ufernahen Pfeiler der historischen Schleusenbrücke über den Saaraltarm in Saarlouis jedenfalls nicht. Diese Brücke ist 2010 aufwendig saniert worden. Die Stadt verschloss danach alle Nischen und Öffnungen, um die Tauben davon abzuhalten, die Unterseite der Brücke wieder in Besitz zu nehmen und zu verkoten. Dazu diente ein engmaschiger Zaun.

"Der Zaun war dicht"

Einige zehntausend Euro habe das gekostet, berichtete der Leiter des Amtes für ökologische Stadtentwicklung, Mario Natale, bei einem Ortstermin am Freitag. "Der Zaun war dicht."

Irgendwer, sagt Natale, habe dann aber den Zaun wieder geöffnet. Und zwar vor einer Öffnung, durch die die Tauben in eine Art Rohrsystem unter die ganze Brücke gelangen konnten. Das Motiv könnte gewesen sein, sagte Natale, dass eine Taube, die beim Verschließen übersehen worden sei, nun einen Ausweg haben sollte.

Tatsächlich aber schlüpften nun viele Tauben wieder rein und unter die Brücke. Einige dieser Tiere, berichteten etwa Manuela Schill und Hartmann Jenal von der Tierschutzorganisation Witas, verendeten in dem Käfig. Schill: "Sie haben wohl nicht mehr wieder rausgefunden." Darauf stützt sich die Witas-Forderung, den Drahtkäfig wieder weitgehend zu öffnen. Das geschah aber nur in Ufernähe.

Vernachlässigte Jungtiere?

 Die Tierschützerinnen Manuela und Sieglinde Schill diskutieren mit Mario Natale und Andreas Ney (rechts) über die Tauben am Saaraltarm.

Die Tierschützerinnen Manuela und Sieglinde Schill diskutieren mit Mario Natale und Andreas Ney (rechts) über die Tauben am Saaraltarm.

Foto: ROLF RUPPENTHAL

Natale sagte, es seien nicht mehr Tauben verendet als bei dieser Population zu erwarten. Denkbar, dass Jungtiere verhungert seien, nicht, weil sie hinter Draht saßen, sondern weil die Elterntiere sie nicht mehr fütterten. Ähnlich sieht es Natales Mitarbeiter Andreas Ney: "Das passiert sonst auch, aber man sieht es ja nicht."

Abhilfe erwarten Stadt und die Tierschützer gleichermaßen von einem Taubenhaus, das in der Nähe gebaut werden soll. Dort sollen auch Eier gegen Gipseier ausgetauscht werden, um die Population der Tauben zu begrenzen. Natale: Witas und der Naturschutzbund Nabu "haben dazu einen Kooperationsvertrag mit der Stadt unterschrieben".

Auch baurechtlich sei alles vorbereitet. Verhandlungen wegen des Standortes seien aber noch im Gange. Natale gab sich zuversichtlich: "In sechs Wochen könnte das Taubenhaus stehen." Steht das Haus, wird die Brücke wieder dicht verschlossen. Deswegen lehnt Natale den Vorschlag ab, die Zäune jetzt ganz zu öffnen. Das müsste von Pontons auf dem Wasser aus geschehen und würde "etwa 20 000 Euro zusätzlich kosten".

Der eigentliche Fehler, hatte Schill schon kurz nach der Sanierung 2011 gesagt, liege darin, die Brücke als Brutort versperrt zu haben, ohne den Tauben eine Alternative zu bieten.

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