Farbenfrohe Lebenslinien

Im Atelier des Museums Haus Ludwig in Saarlouis sind seit Ostermontag 40 Exponate von Paula Renate Braun zu sehen. Kuratiert wurde die Ausstellung von Fred Weber und Alexander Thugutt, Mitglieder der Künstlergruppe Untere Saar. Weber ist seit langem mit der Künstlerin befreundet. Die Laudatio hielt Kunsthistoriker Wolfgang Birk. Musikalisch wurde die Vernissage eingeleitet von Hannes Schmeisser (Viola) und Susanne Kohler (Violine), Nichte der Künstlerin.

"Ein Bild ist fertig, wenn es mich glücklich macht", sagt die Künstlerin, die vor sieben Jahren mit dem Malen angefangen hat. Am 27. Mai wird Paula Renate Braun 99 Jahre alt. Die Bilder ihrer Ausstellung sind auf Lanzarote entstanden, wo sie zurzeit lebt. Ein Frühwerk als Malerin gibt es nicht. Doch schon im Elternhaus kommt sie mit Kunst und Fotografie in Berührung. Der Vater, Fritz Keller, ist Architekt. Reich und nachhaltig sind auch die Einflüsse ihres Mannes Hans Braun, Maler und Bildhauer. Ab 1957, nach dem Tod ihres Mannes, wird sie zur wichtigsten Person im Leben des gemeinsamen Malerfreundes Edvard Frank.

Paula Renate Braun, Bauhausschülerin in Weimar, macht sich bereits in jungen Jahren einen Namen als Fotografin: dokumentiert Schlösser, Kirchen und Wandmalereien, reist im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts in die Türkei, nach Griechenland und Ägypten, hält Ausgrabungsstätten wie Pergamon und Assuan mit der Kamera fest. Aber auch die moderne Kunst interessiert sie.

Inspiriert von Edvard Frank, Eckhard Zylla und Gerhard Richter verschreibt sie sich im hohen Alter der Malerei. Ihre abstrakten Bilder sind expressionistisch und werden von Linien bestimmt, die mal mit dünnem, mal breitem Pinselstrich - meist als Diagonale - die Bildfläche durchqueren. Die Farbe Schwarz teilt Räume, wie wir es von Frank kennen. In Anlehnung an Zylla, ihrem Lehrer, zeigen Bilder wie "Toscanolo" klar abgegrenzte Flächen und Diagonalen, die auf einen Punkt zulaufen. Die Farben Rot-Blau-Weiß dienen Braun als Symbole der italienischen Landschaft.

Pariser Schule

"Die lyrische Abstraktion weist Ähnlichkeiten mit der École de Paris der 50er Jahre auf, zum Beispiel mit Nicolas de Staël", erläutert Kunsthistoriker Wolfgang Birk. Sowohl formal als auch inhaltlich lasse sich Braun von Zylla und Richter beeinflussen: Auch Zylla dienen schwarze Diagonalen, "die Kraftlinien der Kubisten", als Gliederungselemente. Kräftige Rottöne, Blau, auch Türkis, erzielen Effekte.

Richter liefert Braun eher "Impulse im Umgang mit der Farbe als Material", zeigt, welche Ergebnisse die Kombination von Ölfarbe und Acrylfarbe durch die Wasser-Öl-Abstoßung liefert, lehrt Braun das Spiel mit der Räumlichkeit durch "Transparenzen".

Bei der Künstlerin Paula Renate Braun steht jedoch stets der persönliche Bezug im Vordergrund: Farben, Linien, Komposition müssen mit ihren Vorstellungen übereinstimmen.

Bis Sonntag, 10. April. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10-13 und 14-17 Uhr, samstags und sonntags, 14-17 Uhr.