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Gastfamilien
Familienleben trotz Handicap

Sie unterstützen und beraten Familien, die einen Menschen mit einer Behinderung in ihrem Zuhause aufnehmen: Marion Bößhenz (links) und Nadine Berwanger-Alt.
Sie unterstützen und beraten Familien, die einen Menschen mit einer Behinderung in ihrem Zuhause aufnehmen: Marion Bößhenz (links) und Nadine Berwanger-Alt. FOTO: SZ / Helmut Paulus / Diakonie
Dillingen/Saarlouis. Ein Projekt der Diakonie sucht Gastfamilien für Menschen mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung.

„Unser Ziel ist, Menschen mit Behinderungen ein weitestgehend normales Leben zu ermöglichen“, sagte Wolfgang Schönberger, Leiter der Abteilung „Bildung und soziale Teilhabe“ bei der Diakonie Saar. „Sie sollen selbstbestimmt am gemeinschaftlichen Leben teilnehmen können, wie alle anderen Menschen auch“.


Dazu gibt es im Saarland seit diesem Jahr für Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen das Modell der Gastfamilien. Die Diakonie bietet dies in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern an. Dazu hat der Wohlfahrtsverband der Evangelischen Kirche in Dillingen in der Stummstraße 25 ein Büro eröffnet. Bei einem Gespräch stellten Mitarbeitende das Vorhaben in den beiden Landkreisen vor.

„Wir suchen derzeit Gastfamilien, die bereit sind einen Menschen mit einer Behinderung in die eigene Familie aufzunehmen und an ihrem Familienleben teilhaben zu lassen. Sie unterstützen ihn im Alltag und bei der Freizeitgestaltung, fördern seine Selbständigkeit mit und sind Ansprechpartner bei etwaigen Problemen“, erläutert Sigrun Krack, die das Projekt koordiniert. Wie lange ein Gast in der Familie bleibt, ist Sache der Vereinbarung. Grundsätzlich ist das Projekt Gastfamilie aber auf längere Dauer angelegt.



Zur Begleitung in der Familie seien keine Fachkenntnisse erforderlich, da das Vorhaben fachlich seitens der Diakonie betreut werde, heißt es. Wichtig sei nur das Interesse an Menschen, die Achtung von deren Eigenständigkeit und deren Lebensgeschichte. Und natürlich müsse ein eigenes Zimmer oder eine Einliegerwohnung zur Verfügung stehen.

Die Gastfamilien werden von den Mitarbeiterinnen der Diakonie Saar, Marion Bößhenz und Nadine Berwanger-Alt, unterstützt und erhalten eine monatliche Betreuungspauschale in Höhe von 420 Euro.

Zusätzlich zahlt der örtliche Träger der Sozialhilfe bei geringem Einkommen des aufzunehmenden Gastes die Kosten der Unterkunft und einen Anteil an den Lebenshaltungskosten in der Gastfamilie.

Die Mitarbeiterinnen informieren vor der Aufnahme eines Menschen mit Beeinträchtigungen ausführlich über dessen persönliche Situation, seine besonderen Fähigkeiten und Schwierigkeiten. Ebenso erhält der Gast Infos über die Situation der aufnehmenden Familie.

Danach lernen sich Familie und Gast kennen. Verläuft der Kontakt positiv und es besteht Interesse am gemeinsamen Wohnen, gibt es erst einmal die Möglichkeit, sich weitergehend kennen zu lernen. Im Anschluss kann dann bei Bedarf ein Probewohnen vereinbart werden. Gemeinsam wird dann entschieden, ob es zu einem dauerhaften Wohnen in der Gastfamilie kommen soll. Das Modell ist eine Alternative für Menschen mit Behinderungen, die nicht alleine in einer Wohnung oder einer betreuenden Wohnform, wie etwa einer Wohngruppe, leben möchten. „Wie für andere, ist es auch für Menschen mit Behinderungen wichtig, dass ausgehend von persönlichen Vorlieben unterschiedliche Möglichkeiten der Lebens- und Wohnorganisation genutzt werden können“, so Schönberger. Gastfamilien seien hierzu eine ergänzende Möglichkeit. Der familiäre Rahmen könne für Menschen mit Handicap neue Beziehungsmöglichkeiten und gleichzeitig ein hohes Maß an Sicherheit und persönlicher Freiheit bedeuten.

Weitere Informationen: Beratungsbüro Gastfamilien in Dillingen, Stummstraße 25, Tel. (0 68 31) 764 72 47 oder per E-Mail gastfamilien@dwsaar.de.