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Fairtrade ist im Kommen
Fair gehandelt ist vielen Kunden wichtig

St. Ingbert/bliestal. Bewusstes Einkaufen liegt im Trend – gerade auch bei Lebensmitteln. Viele Verbraucher sind bereit, für fair gehandelte Produkte etwas mehr zu zahlen. Von Oliver Spettel

(spe/pn) Das Bewusstsein für die Herkunft von Produkten nimmt zu. Wichtige Aspekte sind auch die Produktionsbedingungen und eine faire Bezahlung für den Produzenten. Der Verbraucher erkennt fair gehandelte Produkte am Fairtrade-Siegel, das von der Fairtrade-Initiative vergeben wird. Inzwischen dürfen sich Kreise und Städte auch mit dem Auszeichnung „Fairtrade“ schmücken. So ist der Saarpfalz-Kreis „Fairtrade-Kreis“, St. Ingbert und Blieskastel jeweils „Fairtrade-Stadt“. In St. Ingbert gibt es seit vielen Jahren den Eine-Welt-Laden in der Kaiserstraße, der als Genosenschaft geführt wird und fair gehandelte Produkte im Angebot hält.



Wir haben in einem Umfrage-Center bei unseren Leser gefragt, wie gut sie sich in Sachen Fairtrade auskennen, und ob sie bereit sind, den fairen Handel durch etwas höhere Verbraucherpreise zu unterstützen. Im gesamten Saarpfalz-Kreis haben 205 Personen an der Umfrage teilgenommen. Das Ergebnis ist damit natürlich nicht repräsentativ, ergibt allerdings ein deutliches Stimmungsbild.

Fairtrade ist den Meisten der Befragten ein Begriff. 97 Prozent (199 Personen) gaben an, den Begriff Fairtrade zu kennen, lediglich drei Prozent antworteten mit „Nein“. Etwas kniffliger wurde es bei der zweiten Frage. Wir wollten wissen, was das Ziel von Fairtrade ist. 33 Prozent (67) wählten die erste Antwort-Option. Damit waren sie der Meinung, es gehe darum, dass im weltweiten Handel alle Beteiligten gleich viel verdienen sollten. Vier Prozent (8) meinten, die Produkte sollten möglichst lokal und regional verkauft werden. Richtig lagen 63 Prozent (130 Personen) mit ihrer Antwort: „Es geht um Minderung der Armut im Süden und einen gerechten Welthandel.“

Um das Ziel eines gerechteren Handels zu finanzieren, wären 43 Prozent (89 Personen) bereit, für garantiert fair gehandelte Produkte etwas mehr Geld auszugeben, 49 Prozent (99 Befragte) antworteten „Es kommt darauf an“. Vier Prozent (acht Personen) wären eher nicht bereit, höhere Preise zu zahlen, und vier Prozent (neun Personen) gaben an, sich das nicht leisten zu können. Die Vielfalt der fair gehandelten Produkte wächst ständig. Während 97 Prozent (198 Personen) Kaffee, 90 Prozent (184 Personen) Bananen und 81 Prozent (167 Personen) Schokolade und immerhin noch 82 Prozent (168 Personen) Reis als Fairtrade-Produkte kennen, sind andere Waren zurzeit noch deutlich weniger bekannt: 56 Prozent (114 Personen) kennen Pullover, etwas niedriger liegt der Wert bei Blumen und Wein. Faires Müsli kennen hingegen nur 24 Prozent (50 Befragte). Dass es auch Fairtrade-Eiscreme gibt, konnten sich nur noch elf Prozent (22) der Befragten vorstellen.

In einer offenen Frage wollten wir zum Schluss wissen, wie die Fairtrade-Idee weiter verbreitet werden könnte. „Mehr Werbung“ wurde mehrfach genannt, zum Beispiel auch über die sozialen Medien. Außerdem schlugen die Teilnehmer vor, zum Beispiel Landwirte vorzustellen, die von dem System profitieren und bei der Erziehung von Kindern in Kindergarten und Schule auf die Produkte und die damit verbundenen Ziele hinzuweisen. Manche wünschten sich auch, mehr Fairtrade-Produkte in Supermärkten zu bekommen oder in jeder größeren Stadt einen entsprechenden Laden ansteuern zu können. Etwas radikaler war da schon der Vorschlag, Produkte ohne ein Siegel für fairen Handel bei der Einfuhr in die EU mit Strafzöllen zu belegen oder den Handel in Zukunft komplett zu verbieten. Wichtig erscheint auch, meinten einige Befragten, dass die Mehrkosten, die durch Fairtrade gegenüber den normal produzierten Produkten entstehen, dem Kunden gegenüber transparenter gemacht werden müssten.



Wer beim SZ-Umfrage-Center mitmachen möchte, muss sich nur einmalig registrieren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden mit Punkten belohnt, die in Einkaufsgutscheine umgewandelt werden können.

Fairtrade-Kaffe kennt fast jeder. Dabei wissen viele nicht, dass es im deutschen Handel mittlerweile noch jede Menge andere fair gehandelte Produkte gibt.
Fairtrade-Kaffe kennt fast jeder. Dabei wissen viele nicht, dass es im deutschen Handel mittlerweile noch jede Menge andere fair gehandelte Produkte gibt. FOTO: Miriam Ersch / dpa