EU-Projekttag am Stadtgartengymnasium in Saarlouis

EU-Projkekttag : „Nichts wie ran an den Weiterbau“

Abschluss eines EU-Projekttages am Stadtgartengymnasium Saarlouis: „Kümmert euch darum, auch um die Schwachstellen“.

„Eine zu ernste Angelegenheit, um sie nur den Parlamentariern zu überlassen“, sagte am Freitagmittag Christophe Arend aus Forbach vor rund 150 Schülerinnen und Schülern zur deutsch-französischen Zusammenarbeit. Arend, Abgeordneter der französischen Nationalversammlung, war Gast beim Abschluss des EU-Projekttages am Stadtgartengymnasium Saarlouis, SGS. Ein weiterer war der EU-Abgeordnete Jo Leinen aus Bisten. „Ihr habt eine ganze Reihe von existenziellen Fragen gestellt“, sagte der in der voll besetzten Aula.

Themen waren unter anderen Klimaschutz, Atomenergie, ein EU-Beitritt der Türkei und wie es mit Europa weiter gehe. „Ich wünsche mir die Vereinigten Staaten von Europa als politische Union“, betonte Leinen. Die USA hatten dazu 150 Jahre gebraucht, die „Euro“ sei bisher 70 Jahre unterwegs. „Es sind noch 80 Jahre übrig für euch. Nichts wie ran an den Weiterbau des europäischen Hauses.“

Neben Arend und Leinen begrüßte Schulleiterin Sabine Blatt Landrat Patrik Lauer, Oberbürgermeister Peter Demmer sowie die französische Honorarkonsulin in Saarlouis, Myriam Bouchon.

Hintergrund für den EU-Projekttag am SGS sind der drohende Austritt Großbritanniens aus der EU, Populismus und Nationalismus, aber auch Demokratiebildung und die deutsch-französische Freundschaft als Motor der europäischen Einigung. Vor allem die Klassenstufen acht bis zehn beschäftigen sich unter anderen mit den Werten der EU, mit der Entstehung der heute 28 Nationen umfassenden Gemeinschaft sowie ihre Vorteilen und Chancen. Projekte und Workshops erfolgten in Kooperation mit der Europäischen Akademie Otzenhausen, den Jungen Europäischen Föderalisten und Europe Direct.

Angesichts Bedrohungen durch die USA, Russland und China „muss man eigentlich United Europe proklamieren“, meinte OB Demmer. Landrat Lauer sprach davon, dass „Europa gerade bei den jungen Menschen eine kleine Renaissance erlebt“.

Das Erreichte sei jedoch keine Selbstverständlichkeit. „Kümmert euch darum, auch um die Schwachstellen.“ Auf Französisch und Deutsch verwies Honorarkonsulin Bouchon auf binationale Strukturen, vor allem zwischen Deutschland und Frankreich. Die sorgten für solide Grundlagen. In Bezug auf beide Länder sehe sie „ein starkes Bindeglied, das ist das Bundesland Saarland“.

Das Schulorchester spielte „Ode an die Freude“, der Schulchor sang einen Eurozonen-Rap. In Gruppen wurden Ergebnisse vorgetragen. Darunter eine Umfrage in der Französischen Straße in Saarlouis. Auf die Frage, was die drei Organe der EU seien, lautete eine Antwort: „Herz, Magen, Lunge“. Die Leuten müssen durch Aufklärung überzeugt werden, sagte Christophe Arend. Denn „Europa ist daran schuld, dass es uns heute so gut geht“.

„Was motiviert sie, sich für Europa zu engagieren?“, fragte Astrid Grannec, Fremdsprachenkoordinatorin des SGS, Arend und Leinen. „Dass nur Europa uns den Frieden garantieren kann“, antwortete Arend. Jo Leinen erinnerte an den 1. Januar 1957. „Da war plötzlich der Bundesgrenzschutz da.“ Im Rahmen der Rückgliederung des Saarlandes gab es wieder eine Grenze zu Frankreich. Dort lebten Verwandte, denen man nun nicht mehr Prosit Neujahr wünschen konnte, „weil wir keinen Kinderausweis hatten“.

Neben zahlreichen Fragen an Leinen und Arend war auch die nach einem EU-Beitritt der Türkei. „Die Türkei wird meines Erachtens nie Mitglied“, sagte Leinen. Im Parlament sei bereits beschlossen, die Verhandlungen darüber abzubrechen. Wer in die EU wolle, müsse die Grundwerte beachten. Das sind Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte. In Sachen EU sei nichts perfekt, stellte Leinen fest. Dennoch, appellierte Leinen an die Jugendlichen: „Haltet die Ohren auf und die Augen auf, dass das nicht kaputt geht.“