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Erster Schritt zum Schülerlabor

Erster Schritt zum Schülerlabor

Ein gemeinsames Forschungslabor für fünf weiterführende Schulen in Saarlouis soll junge Leute aus dem Industriekreis Saarlouis anreizen, mit qualifizierten Mitteln nach Herzenslust zu forschen. Noch ist es bloß eine Absicht, und noch fehlen mindestens 130 000 Euro.

Wie kommt die Energie in die Batterie? Fliegen Miniatur-Raketen mit Brausetablettenantrieb? Und wie baut man ein effektives Mausefallen-Auto? Das sind Fragen, denen Leon Oellerich und Daniel Becker in der Physik-AG am Saarlouiser Max-Planck-Gymnasium (MPG) auf den Grund gehen.

In naher Zukunft sollen die Schüler ihrer Lust am Experimentieren in einem eigenen Forschungszentrum freien Lauf lassen können. Am Freitag trafen sich die Initiatoren des Forschungszentrums zur Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung, die eine schnelle Fertigstellung der Forschungsräume vorsieht.

Ort war die Gemeinschaftsschule in den Fliesen in Saarlouis . Hier sollen zwei Labore und ein Teamraum mit Computern zum experimentellen Forschen und Werkeln eingerichtet werden. "Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass sich Schüler komplexe Lerninhalte durch einen direkten Praxisbezug viel schneller und auch mit mehr Engagement aneignen", berichtet Benjamin Brück , Physiklehrer am MPG

Mit der Idee, ein Foschungszentrums für die Schüler aus der Region aufzubauen, stieß er schnell auf viele offene Ohren. Fünf weiterführende Saarlouiser Schulen ziehen bei dem Vorhaben an einem Strang.

Unterstützt werden sie von Bildungsminister Ulrich Commerçon , der dem Projekt auf der Veranstaltung eine koordinierende Planung durch sein Haus zusicherte.

Die Universität des Saarlandes betreut bereits mehrere schulische Forschungseinrichtung im Saarland und wird dem Zentrum ebenfalls bei Aufbau und Betrieb unter die Arme greifen, erklärte Professor Rolf Hempelmann, Vorsitzender des Bundesverbandes der Schülerlabore.

Der Landkreis hilft finanziell aus: "Als Industrielandkreis sind wir prädestiniert für ein Schülerforschungslabor. Hier wird die Freude an der Praxis geweckt", erklärte Landrat Patrik Lauer . 40 000 Euro pumpt der Kreis deshalb in die Umbaumaßnahmen. Im Frühjahr soll das Labor dann stehen, allerdings ohne Mobiliar und Ausstattung. Dafür fehlen noch 130 000 Euro im Topf. Die sollen über Bildungspatenschaften zusammenkommen. "Wir setzen dabei auch auf die Unternehmen in unserer Region. Jeder kann sich melden und eine Patenschaft übernehmen", sagt Brück . Mit einer Spende über 5000 Euro hat sich die IHK Saarland bereits zum Projekt bekannt. Mit weiteren Firmen sei man bereits im Gespräch, sagte Brück .

Bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung waren sich alle Beteiligen sicher, dass die nötigen Mittel zügig zusammenkommen werden, "sodass hier am Ende ein ganz besonderer Unterricht stattfinden kann", ergänzte Physiklehrer Brück

Meinung:

Verwalten?Gestalten!

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

In Differten wird der Schulstandort geschlossen, in Saarlouis soll ein Forschungslabor für Schüler entstehen. Beide Schulen sind Gemeinschaftsschulen des Kreises, und beide Maßnahmen haben mit Demographie und Sparzwang zu tun. Differten ist der Versuch, einen anderen Schulstandort zu halten, dem sonst Anmeldungen für die Mindestzahl fehlen würden. Schließung bei zu wenig Anmeldungen - eine Folge fehlenden Geldes. Ein Forschungslabor kann helfen, Jungen und Mädchen in Zeiten des kommenden Fachkräftemangels für industrielle Arbeit im Kreis Saarlouis zu begeistern. Das Geld für das Labor soll vor allem aus der Industrie kommen - nicht vom Staat, weil der dafür keines hat.

Schulpolitik, das sieht man hier, ist eine echte Gestaltungsaufgabe geworden.