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Ensdorf und Saarlouis: Fusion nur eine Frage der Zeit?

Ensdorf und Saarlouis: Fusion nur eine Frage der Zeit?

Ensdorf als neunter Stadtteil von Saarlouis? Irgendwann wird es so kommen, glaubt der Oberbürgermeister. Ensdorfs Bürgermeister spricht von einer „Option“, wenn es eine Gebietsreform geben sollte.

Der Saarlouiser Oberbürgermeister Roland Henz muss ein bisschen lachen, wenn er sagt: "Ich zähle Ensdorf schon zu Saarlouis." Gewitzelt und gefrotzelt wird seit Jahren. Ach was, seit Jahrzehnten, nachdem Ensdorf sich 1982 von der 1974 gebildeten Großgemeinde Schwalbach wieder lossagte. Aber SPD-Mann Henz meint es durchaus ernst mit der Eingemeindung von Ensdorf als neunten Saarlouiser Stadtteil. "Irgendwann wird es so weit sein", prognostiziert er. "Die Zeit wird es bringen, es wird kein Weg daran vorbeiführen." Bloß wann? Da wagt Henz keine Prognose. Vielleicht im Zuge einer größeren Gebietsreform, die ohnehin kommen werde, glaubt Henz. Dann müssten allerdings die Voraussetzungen stimmen. Die Probleme der Kommunen ließen sich nur mit einer Entschuldung lösen.

Die Diskussion über eine Gebietsreform wird bislang vor allem von Oberbürgermeistern geführt, die bei einer solchen Neuordnung Gebiete hinzugewinnen würden. Die Rathaus-Chefs kleiner Gemeinden hielten sich eher zurück.

Der Ensdorfer Bürgermeister Hartwin Faust (CDU ) könnte lautstark gegen Henz' Vorstoß protestieren. Aber Faust sieht die Sache recht nüchtern. Seine Gemeinde stehe mit ihren Finanzen im Junkernheinrich-Gutachten nicht so schlecht da, insofern sei ihm nicht bange, er sei für die Eigenständigkeit. Allerdings: "Wenn es zu Gebietsveränderungen kommt, wäre Saarlouis eine Option, gar keine Frage." Die Ensdorfer seien nach Saarlouis orientiert, sie gingen dorthin einkaufen und zum Arzt. Eine Fusion mit Saarlouis wäre aus Fausts Sicht also "interessanter" als die Neuauflage der unpopulären Zusammenlegung mit den Gemeinden Schwalbach und Bous aus dem Jahr 1974.

Ob die Kreisstadt Saarlouis mit über 300 Mitarbeitern eine kleine Gemeinde wie Ensdorf quasi mitverwalten könnte? Faust glaubt jedenfalls, "mittel- bis langfristig" ließe sich durch eine Fusion Personal sparen. Er wünsche sich in puncto Gebietsreform "eine klarere Position der Landesregierung". Die Kommunen bräuchten Planungssicherheit, gerade weil in den nächsten Jahren eine Verrentungswelle auf die Gemeinden zukomme und jetzt schon entschieden werden müsse, ob für bestimmte Stellen Nachwuchs ausgebildet werde.

Die von der Landesregierung propagierten freiwilligen Gemeindefusionen und interkommunale Zusammenarbeit hörten sich zwar gut an, so Faust. Das sei aber "nicht zielführend". Freiwillig werde niemand fusionieren. Und wie schwer die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg sei, habe man gerade zwischen seiner Gemeinde und Saarlouis gesehen. Beide Kommunen hatten zwar vor längerer Zeit ein gemeinsames Standesamt in Saarlouis vereinbart. Doch die Stadt Saarlouis rückte davon vor wenigen Tagen wieder ab, weil das Personal ihres Standesamtes inzwischen an der Grenze der Belastbarkeit sei. Ganz am Ende des Gesprächs sagt Faust noch: Bei Unternehmen in der Marktwirtschaft gebe es Fusionen, um Kosten zu sparen. "Bei der öffentlichen Hand drückt man sich darum."

Meinung:
Nicht so hasenfüßig

Von SZ-RedakteurDaniel Kirch

Das Beispiel der Kreisstadt Saarlouis und ihrer kleinen Nachbargemeinde Ensdorf zeigt aufs Neue, dass die Beteiligten oft viel weiter sind als die mitunter hasenfüßigen Landespolitiker. Was ist jetzt eigentlich genau die Position der Landesregierung in Sachen Gebietsreform? Die SPD hat Zwangsfusionen ausgeschlossen; bei ihr weiß man also wenigstens, woran man ist. Die CDU ist vielleicht für eine Gebietsreform, und wenn ja, dann eventuell nach 2019. Vor der Landtagswahl wird man von ihr wohl keine klare Aussage mehr erhalten. Dabei wäre es höchste Zeit für Klarheit, da hat der Ensdorfer CDU-Bürgermeister schon Recht. Die Verwaltungschefs, die Ratsmitglieder und die Bürger wollen wissen, was auf sie zukommt.