Eiserne Hochzeit Gretzke Picard am 30. Mai

Ehejubiläum : Gemeinsam um die Welt und durch 65 Jahre Eheleben

Jeden Morgen um elf Uhr, verrät Günter Gretzke, hat er mit seiner Frau einen Termin: Dann trinkt das Ehepaar, das am 30. Mai seinen 65. Hochzeitstag feiert, zusammen einen Espresso. Liebevoll serviert Günter seiner Magdalene die vorgewärmte Tasse, dazu gibt es ein Stückchen dunkle Schokolade. „Wir möchten das Leben genießen – wenn das nicht mehr ist, dann sind wir tot“, bringt es der Senior, der am 11. Juni seinen 90. Geburtstag feiert, auf den Punkt.

Das Paar, das drei Kinder, acht Enkel und drei Urenkel hat, ist gerade erst von einer Kreuzfahrt zurückgekehrt, die nächste ans Nordkap ist im Sommer geplant. Mit dem Schiff fahren, das ist für diese beiden auch immer eine Erinnerung an ihren Aufbruch in das gemeinsame Leben. Kennengelernt hat sich das Paar im Jahr 1953 und noch im selben Jahr geheiratet. Günter Gretzke, Ingenieur im Ruhestand, stammt aus Dortmund, seine vier Jahre jüngere Frau Magdalene kommt ursprünglich aus dem Harz. „Wir haben uns an einem See getroffen, meine Freundin war am Freund meines Mannes interessiert“, verrät Magdalene Gretzke. Auf der Rückfahrt mit den Rädern sind die jungen Leute in einer Wirtschaft eingekehrt. „Dort ist mir meine Frau dank einer Stolperkante das erste Mal um den Hals gefallen“, scherzt der Gatte.

Günter wurde zum gern gesehenen Gast in Magdalenes Elternhaus, hat immer mit ihrem Vater Schach gespielt. Als die beiden erste Urlaubspläne schmiedeten, wussten sie nicht, wohin die Reise sie noch führen würde. „Eines Tages hat er vor mir gestanden und gefragt, ob ich mit ihm wegen seines Berufs nach Südafrika gehe. Dazu müsste ich ihn allerdings heiraten“, erinnert sich die Jubilarin an den besonderen Heiratsantrag. Sie hat keinen Moment gezögert und am 30. Mai 1953 Ja gesagt.

Die beiden Töchter Birgit und Nanette wurden in Johannesburg geboren. Nach zehn Jahren ging es zurück nach Deutschland, Sohn Werner erblickte an Silvester in Köln das Licht der Welt. „Eigentlich wollten wir wieder zurück nach Südafrika, als mein Mann das Angebot bekam, das Ford Werk in Saarlouis mitzubauen“, erzählt die dreifache Mutter, die auch als kaufmännische Angestellte arbeitete. Zunächst war der Ehemann unter der Woche allein in Saarlouis; sobald es das neue Schuljahr zuließ, kam seine Frau mit den Kindern nach.

Seit 1973 leben die Gretzkes nun in Saarlouis. „Das ist für uns die Heimat geworden“, betonen beide. Vor allem das Tennisspielen zählte zu ihren Hobbys, sie war sogar Saarlandmeisterin bei den Senioren. Vor zehn Jahren, berichtet Günter Gretzke, hatte er einen Schlaganfall, das war das Ende der sportlichen Betätigung. Vor einem Jahr kam ein Herzinfarkt hinzu, „da habe ich zum ersten Mal registriert, dass ich alt werde“, sagt er. Beide haben sich fest vorgenommen, noch lange füreinander da zu sein. „Man muss kompromissbereit sein, wir sind gut damit gefahren“, antwortet Magdalene Gretzke auf die Frage, wie eine Liebe so viele Jahre halten kann.

Mehr von Saarbrücker Zeitung