Eine unbesiegbare Festung

Saarlouis. "Aus damaliger Sicht war das Verteidigungssystem von Saarlouis so aufgebaut, dass die Stadt praktisch uneinnehmbar war", erklärte Jürgen Baus, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Denkmalpflege und Umwelt, der sich seit zehn Jahren für die alten Wehranlagen der Stadt engagiert

Jürgen Baus, Leiter des Amtes für Denkmalpflege, erläutert anhand von Karten das raffinierte Verteidigungssystem.
Auch die beeindruckenden Festungsmauern sind Teil der fachkundigen Führung.Fotos: Jenal.
Jürgen Baus, Leiter des Amtes für Denkmalpflege, erläutert anhand von Karten das raffinierte Verteidigungssystem.
Auch die beeindruckenden Festungsmauern sind Teil der fachkundigen Führung. Foto: Jenal.

Saarlouis. "Aus damaliger Sicht war das Verteidigungssystem von Saarlouis so aufgebaut, dass die Stadt praktisch uneinnehmbar war", erklärte Jürgen Baus, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Denkmalpflege und Umwelt, der sich seit zehn Jahren für die alten Wehranlagen der Stadt engagiert. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe von Volkshochschule (VHS) und Stadt "Saarlouis erleben" hat Baus etwa 28 Interessierte durch die alten Festungsanlagen der Stadt, mit deren Bau im 17. Jahrhundert begonnen wurde, geführt. Das primäre Verteidigungssystem der Garnisonsstadt war eine Flutbrücke, die heute als die Holtzendorffer-Brücke noch Bestand hat. Drohte Gefahr, hat man einfach die Schleusen an der Flutbrücke geschlossen und damit Flutkanäle unter Wasser gesetzt, die rund um weite Teile der Stadt liefen. Um seinen Gästen eine Vorstellung von der Größe dieser Kanäle zu geben, zeigte Jürgen Baus ihnen das alte Schwimmerbecken im ehemaligen Freibad im Stadtgarten - dieses war nämlich von seinen Erbauern einfach in einen der alten Kanäle eingesetzt worden. Die Brücke selbst konnte relativ einfach und effektiv vom "halben Mond" aus, der Insel im heutigen Saaraltarm, verteidigt werden. Jürgen Baus hat seine Führung mit vielen Anekdoten gewürzt. Zum Beispiel der Geschichte des armen Lacroix, der den Abzug seines Regiments verpasst hat, als die Franzosen die Garnison an die Preußen übergeben haben. Das hat ihm übrigens einen Fußmarsch erspart, denn die Preußen haben ihn kurzerhand in einer Kutsche zu seinen Leuten nach Metz verfrachtet.Interessant auch die Funde auf dem alten Schlachthofgelände. Denn die alten Wehrmauern trotzten nicht nur jahrhundertelang allen Feinden, sondern auch dem Versuch, eine moderne Wohnanlage über ihnen zu errichten. Jetzt entsteht dort ein Festungspark. Seit dem vergangenen Sommer haben Bagger Teile des alten Ravelin V und der Wehre freigelegt - selbst im jetzigen, unfertigen Zustand beeindruckende Bauwerke. Die wenigsten Gäste der Exkursion waren übrigens aus Saarlouis - die meisten sind extra aus dem gesamten Saarland angereist. Die Gruppe war sich absolut einig: "Wir hatten einen ganz tollen Führer, und es war total interessant. Saarlouis hat viel zu bieten." Die Teilnehmer aus Saarlouis meinten, es sei schon gut, endlich einmal auf dem neuesten Stand zu sein und zu wissen, was hier auf dem alten Schlachthofgelände jetzt passieren würde, nachdem man solange die Bagger bei der Arbeit gesehen hatte. Wer mehr darüber wissen will, der sollte am 17. März um 17 Uhr in den Sitzungssaal des Rathauses kommen. Dort findet eine Informationsveranstaltung statt.

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