Eine religiöse Weltanschauung in Tönen

Saarlouis · Der Nimbus Händels ist vorrangig mit seinem 1741 in nur 24 Tagen entstandenen und im April 1742 in Dublin uraufgeführten „Messias“ verknüpft. Unter der Leitung von Adolph Seidel sangen VocArt und vier Solisten in der bis auf den letzten Platz besetzten Lisdorfer Barockkirche, die fünf Jahre nach Händels Tod gebaut wurde. Es spielte das Orchesterensemble Baroque Sarrois.

Wenn Adolph Seidel zu einem Konzert einlädt, darf das Publikum sicher sein, dass der erfahrene Chorleiter und Dirigent eine anspruchsvolle Aufführung zu bieten hat. Und das stellte er wieder einmal unter Beweis. Bereits mit der Auswahl der Mitwirkenden setzte er Akzente: Sowohl sein Kammerchor VocArt als auch die Musikerinnen und Musiker des Orchesterensembles Baroque Sarrois waren Garant für das mit stehenden Ovationen und Bravorufen belobigte Konzert. Dazu zählten auch Elisa Rabanus, Sopran, Anne Bierwirth, Alt, Robert Buckland, Tenor, und Manfred Bittner, Bass-Bariton. Alle sangen, zum Teil auswendig, in englischer Sprache. Jeder der vier Solisten vermochte die mal dramatisch-ergreifenden, mal ruhevollen an Koloraturen reichen Arien und Ensemblesätze souverän und stimmlich bestens positioniert vorzutragen. Alle sind in der Barockmusik zu Hause und werden international geschätzt.

Auch Seidels Kammerchor VocArt, der auf die Vokalmusik des 15. bis 17. Jahrhunderts spezialisiert ist, hat sich große Meriten erworben. Barocke Stilelemente englischer Hof- und Militärmusik, breit angelegte Hymnen sowie der Text, der sich aus reinen Bibelzitaten, vorwiegend aus dem Alten Testament, zusammensetzt, wurden mit Präzision und sorgfältig austarierten Dynamik-Abstufungen interpretiert. Sängerinnen und Sänger kommentierten das biblische Geschehen eindrucksvoll und imponierten insbesondere - wie könnte es anders sein - mit dem "Halleluja", diesem weltberühmten Musikstück der abendländischen Kultur, mit dem der zweite des dreiteiligen Librettos endet. Es steht in D-Dur, der festlichsten aller Tonarten, weil in ihr die Barocktrompeten gestimmt waren.

Ebenso anrührend gelang das "Duett bei den Hirten" mit Elisa Rabanus und Anne Bierwirth, wobei die Sopranistin, die kurzfristig für Anne-Kathrin Fetik eingesprungen war, in ihrer froh gestimmten Leichtigkeit besonders gefiel.

Nicht weniger zu loben ist das Orchester, das nicht nur mit den elegant-strengen Instrumentalpassagen, die von einem Thema zum anderen überleiteten, imponierte, sondern auch mit seinem inspirierten Spiel, das Chor und Solisten eben nicht nur begleitete. Mit ihrer ausgefeilten Artikulation bereicherten die Musiker die insgesamt beeindruckende Interpretation.

Und was wäre als Zugabe eher geeignet gewesen als das österliche, allumfassende "Halleluja", dieser hebräische Jubelruf.

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