Eine kleine Hoffnung für den Circus Atlas

Eine kleine Hoffnung für den Circus Atlas

Saarlouis. Kurz vor Weihnachten hat es sich für den Circus Atlas doch noch zum Guten gewendet - vorerst darf der Zirkus mit den fünf Familien und seinen Tieren auf dem Gelände der ehemaligen Straßenmeisterei in der Metzer Straße in Saarlouis bleiben

Saarlouis. Kurz vor Weihnachten hat es sich für den Circus Atlas doch noch zum Guten gewendet - vorerst darf der Zirkus mit den fünf Familien und seinen Tieren auf dem Gelände der ehemaligen Straßenmeisterei in der Metzer Straße in Saarlouis bleiben. Dorthin war der Zirkus nach dem schweren Unwetter geflohen, bei dem auch noch das Zirkuszelt, in dem die Tiere untergebracht waren, stark beschädigt wurde. Das Gelände gehört dem Handelskonzern Edeka, die Gebäude der Straßenmeisterei sollen abgerissen werden, sobald die Genehmigung für den Bau eines neuen Marktes dort erteilt ist. Das kann nach jetzigem Stand frühestens im Frühjahr sein.Zunächst war Edeka nicht damit einverstanden, dass der Zirkus auf dem baufälligen Gelände unterkommt. "Es ist vor allem eine Haftungsfrage: Wenn da jemandem ein Ziegel auf den Kopf fällt, tragen wir die Verantwortung", sagt Edeka-Pressesprecher Christhard Deutscher.

"Wir machen nichts kaputt, wir hinterlassen alles ordentlich", verspricht Miguel Frank vom Circus Atlas. "Aber wir wissen wirklich nicht mehr, wohin." Nach einigem Hin und Her fiel dann gestern bei Edeka die vorläufige Entscheidung: Der Zirkus darf bleiben bis Anfang Januar. "Wir sehen ein, dass es schwierig ist, jetzt so kurzfristig ein neues Quartier zu finden, und dann noch über die Feiertage", erklärt Deutscher. Nun kann der Zirkus erst einmal aufatmen. "Wir sind völlig erschöpft", sagt Harry Frank. "Diese Pechsträhne hat uns wirklich geschafft." Die Tiere sind jetzt erstmal gut untergebracht, in ordentlichen Boxen stehen die Giraffen, Dromedare, Pferde, Zebras und Ziegen nun zufrieden im Trockenen.

Auf Futterspenden ist der Circus Atlas weiterhin abgewiesen. "Ich sag es ganz offen, unsere Reserven sind durch das ganze Chaos draufgegangen, nun ist auch noch das Zelt kaputt, wir müssen ja alle von irgendetwas leben", sagt Frank. Der Zirkus hofft auch auf kleinere Auftritte mit Jongleuren oder den Tieren, zum Beispiel auf einem Weihnachtsmarkt.

Die Artisten warnen ausdrücklich vor Hausierern, die im Namen des Circus betteln: "Wir gehen nicht von Tür zu Tür, und wir betteln nicht um Geld!", betont Frank. "Das sind Betrüger, mit denen wir nichts zu tun haben."

Wer dem Zirkus helfen möchte, kann Futterspenden wie Möhren, Heu oder Brot auf dem Gelände vorbeibringen; auch Gas und Heizöl wird dringend benötigt. "Es waren zum Glück schon einige Leute da, die uns etwas gebracht haben", betont Frank. Auch ein Reiterhof in Dillingen und ein Futterhandel in Saarlouis unterstützen den Zirkus. "Dafür sind wir sehr dankbar!"

Der Zirkus ist zu erreichen unter Miguel Frank, Tel. (01 78) 8 45 94 01.

Hintergrund

Die größeren der 16 Kinder, die zum Zirkus gehören, besuchen zur Zeit Schulen in Saarlouis. Nun hat kurzfristig die Klasse 3.1 der Grundschule Vogelsang, die ein Mädchen aus dem Zirkus besucht, eine Spendenaktion ins Leben gerufen: Gestern haben die Drittklässler in der Schule selbstgebackenen Kuchen verkauft und damit runde 290 Euro eingenommen. Das Geld hat die Klasse dann stolz dem dankbaren Zirkus überreicht. nic