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Trauerfeier für Roland Henz
Ein würdiges letztes Geleit für Roland Henz

Unter den Trauergästen in der Kirche war auch Heiko Maas, ein guter Freund von Roland Henz.
Unter den Trauergästen in der Kirche war auch Heiko Maas, ein guter Freund von Roland Henz. FOTO: Thomas Seeber
Saarlouis. In einer Trauerfeier am Freitag ist OB Roland Henz gewürdigt worden. Pfarrer Kleinjohann fasste treffend zusammen: Er gab dem Wort Stadtvater eine Bedeutung. Von Johannes Werres

Es war eine im besten Sinne ergreifende Trauerfeier, mit der sich Saarlouis und die politische Welt am Freitag in der katholischen Kirche St. Ludwig von Oberbürgermeister Roland Henz verabschiedeten. Henz war nur wenige Wochen vor seinem 68. Geburtstag und acht Wochen vor Ablauf seiner Amtszeit einem Krebsleiden erlegen. Die Kirche konnte nicht alle aufnehmen, die gekommen waren. Nach dem Gottesdienst begleiteten Hunderte die Urne zum Friedhof in Fraulautern. Nach der Messe, noch in der Kirche, schlossen sich drei Ansprachen an. Der Sozialdemokrat Roland Henz wurde dabei von allen in erster Linie als Mensch gewürdigt.



SPD-Parteivorsitzender Martin Schulz bekannte, es sei für ihn als Parteichef eine Pflicht gewesen, herzukommen, weil Roland Henz „ein Vorbild“ sei. Er habe bewiesen, dass man dazu nicht höchste politische Ämter brauche. Er sei einer der echten Freunde gewesen, erkennbar daran, „dass er in der Not kam, wenn alle anderen schon gegangen sind“. Roland Henz sei „einfacher Genosse geblieben, egal in welcher Funktion, er hat sich nichts auf Titel eingebildet.“ Was ein Höchstmaß darin verlange, sich selbst zurückzunehmen, und das mache ihn zum Vorbild.

Mit erstickter Stimme bekannte der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas: „Ich habe das ganze Jahr Angst gehabt, diese Rede halten zu müssen. Ich will diese Rede nicht halten – ich mache es, weil ich es ihm versprochen habe. Maas: „Eigentlich war Roland ungeeignet für die Politik, er war grund­ehrlich.“ Da musste mancher doch lächeln. „Er konnte nichts verbergen, Freude oder Wut, und er konnte sehr wütend werden. Es traf aber immer den Richtigen.“ Und vollends war Roland Henz präsent – und sorgte inmitten der Betroffenheit für ein Lachen, als Heiko Maas Tränen unterdrückte und erzählte: Vor einiger Zeit „habe ich den chinesischen Justizminister nach Saarlouis geschleppt. Roland hatte ein dreistündiges Programm für ihn. Danach hielt der chinesische Gast Saarlouis für eine der bedeutendsten Städte Europas, und er fragte, ob man hier noch Grundstücke kaufen könne. So war Roland.“ Maas sagte, er sei immer zu Roland Henz gegangen, wenn er nicht mehr weitergewusst habe. Er sei sein bester Freund gewesen, „ob ich ihm das je deutlich genug gesagt habe?“

Bürgermeisterin Marion Jost, die Henz’ Amtsgeschäfte führt, zeichnete in einer ebenfalls sehr persönlichen Ansprache das Bild eines Oberbürgermeisters, der einerseits „streitbar“ sein konnte, wenn es um Saarlouis ging, der sich andererseits vor sein Team gestellt habe, der „die Tür nie ganz zugeschlagen“ habe. Viele Bürger hätten sie in den vergangenen Tagen auf Henz angesprochen, sagte die Bürgermeisterin. „Und alle wollten etwas dazu erzählen, jeder hatte eine Geschichte, die mit Roland zu tun hatte.“ Die Sprache der Bürger sei auch seine Sprache gewesen. „Er hatte für jeden Zeit und ein gutes Wort.“

Pfarrer Frank Kleinjohann stellte den Gottesdienst unter das Leitbild von der „Himmlischen Stadt“, einem Bild für das ewige Leben, wie es das Buch der Apokalypse zeichnet. Henz, dem das Gemeinwesen so wichtig gewesen sei, sei nun nach katholischem Glauben, bildlich gesprochen, Bürger des Himmlischen Jerusalem – ohne die Sorgen und die Not des irdischen Lebens. Er sei – wie es der Slogan von Saarlouis aussagt, „aus der Stadt der puren Lebensfreude in die Stadt der vollendeten Lebensfreude“ gegangen. Henz, unterstrich Kleinjohann, habe „dem antiquierten Wort vom Stadtvater eine neue Bedeutung gegeben.“ An dem Gottesdienst nahmen Vertreter des gesamten öffentlichen Lebens teil, auch Vereine und Organisationen. Unter den Gästen der Europaabgeordnete Jo Leinen, die Landesminister Anke Rehlinger, Ulrich Commerçon, Reinhold Jost, Monika Bachmann und Peter Jacoby, Ex-Ministerpräsident Oskar Lafontaine, Polizeipräsident Norbert Rupp, die Führung der Bundeswehr-Garnison, SR-Intendant Peter Kleist, Ratsmitglieder, Rathaus-Mitarbeiter und Bürgermeister.



Die Messe konzelebrierten mit Kleinjohann Hans-Kurt Trapp und Rolf Dehm. Der evangelische Pfarrer Jörg Beckers sprach das Gebet zu den Fürbitten. Mehrfach war der Rathauschor zu hören.

Ein langer Trauerzug begleitete die Urne zum Grab auf dem Friedhof in Fraulautern.
Ein langer Trauerzug begleitete die Urne zum Grab auf dem Friedhof in Fraulautern. FOTO: Thomas Seeber