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Verkehrssicherheit
„Ein Unfall wird euer Leben verändern“

Jonas Langenfeld traute sich, mit der Rauschbrille den Stühleparcours zu bewältigen.
Jonas Langenfeld traute sich, mit der Rauschbrille den Stühleparcours zu bewältigen. FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Saarlouis. Schüler des Saarlouiser Max-Planck-Gymnasiums haben sich über Gefahren im Straßenverkehr informiert.

Nichts für schwache Nerven waren die Fotos, die Dr. David Stenger aus der Unfallchirurgie der Uniklinik Homburg mitgebracht hatte. Eine riesige Platzwunde am Kopf durch einen Sturz ohne Fahrradhelm, ein Unterschenkelbruch beim Unfall mit einem Mofa und schließlich eine Hand, die viele Meter über den Asphalt gerutscht war: Das war für einen Schüler des Max-Planck-Gymnasiums dann doch zu viel. Zum Glück stabilisierte sich sein Kreislauf rasch wieder. Aber auch viele der übrigen rund 90 Schülerinnen und Schüler im Max Inn hatten ganz schön mit den Bildern zu kämpfen. „Ein Unfall wird euer Leben verändern, es wird nichts mehr so sein wie früher“, gab Stenger nach den Bildern der Verletzungen und einem Blick in den Schockraum, den OP und die Intensivstation den Jugendlichen mit auf den Weg. Der Arzt war am Donnerstagvormittag nicht der einzige Referent, der schonungslos offen über die Gefahren im Straßenverkehr durch Alkohol, Drogen oder überhöhte Geschwindigkeit sprach.


Zunächst erläuterte Polizei­oberkommissar Thomas Welsch, wie entscheidend es sein kann, im Straßenverkehr gut gesehen zu werden. Danach erklärte Professor Markus Meyer, Leiter des Lehrstuhls klinische Toxikologie in Homburg, den Jugendlichen, was Drogen und Alkohol mit dem Körper machen. Nach einer kurzen Pause war es dann erstmals an den Schülern, selbst aktiv zu werden. In einem kleinen Rollenspiel hatte Vivienne Spatazza die Aufgabe übernommen, zu einem sichtlich angetrunkenen Freund ins Auto zu steigen. „Das würde ich in der Realität niemals machen. Lieber bleibe ich über Nacht irgendwo und komme am nächsten Morgen sicher heim, auch wenn mich zu Hause der riesen Anschiss erwartet“, sagte sie. Mit Alkohol am Steuer, berichtete sie, hat sie bisher keine Erfahrungen gemacht, wohl aber mit einer Freundin, die zum Handy gegriffen hat. „Ich habe es ihr gesagt, dass sie das nicht machen soll, ich hatte schon ziemlich Angst“, sagt sie.

Für Vivienne hatte die Veranstaltung der Polizei einen großen Aufklärungswert. Anfangs, erzählte die Schülerin, dachte sie, es könne ein langweiliger Morgen werden. „Doch es ist sehr spannend und informativ“. Diese Meinung teilte sie mit Sarah Ragar Nassif. „Ich finde es sehr wichtig, dass gerade in der zehnten Klasse das zum Thema gemacht wird. Viele fangen an zu trinken und finden sich cool“, berichtete sie. Für sie käme eine Fahrt mit einem alkoholisierten Fahrer nicht in Frage, „es ist einfach unmoralisch“. Als gläubige Muslime trinkt ihre Familie keinen Alkohol, die Rauschbrille wollte die Schülerin auch deshalb einmal unbedingt ausprobieren. Das Ergebnis: eine stark schwankende Schülerin, die es kaum schaffte, einen Stein vom Boden aufzuheben. Das gelang Jonas Langenfeld schon ein bisschen besser, doch auch er war von den simulierten 1,25 Promille geschockt. „Ich finde das heute eine gute Sache, in unserem Alter sollten wir uns genau darüber informieren“, sagte er.



Genau da, erklärte Polizeikommissarin Kerstin Knips, setzt das Programm „Sicherheit geht vor“ an. „Wir gehen seit vielen Jahren in die Grundschulen, bilden die Kinder aus. Dabei ist das an weiterführenden Schulen nicht weniger wichtig. Hier sind viele mit Mofa oder Roller unterwegs, manche machen demnächst den Führerschein. Da ist es sehr wichtig, auf die Gefahren durch Alkohol, Drogen, aber auch Ablenkungen aufmerksam zu machen“, sagte sie. Nachdenklich stimmte die jungen Zuhörer schließlich der Erfahrungsbericht eines ehemaligen Abhängigen. Auch er informierte absolut schonungslos über die Folgen. Und auch er erklärte, dass das Leben „danach“ nie mehr so ist, wie man es sich einmal vorgestellt hatte.

(cim)