Ein Stück Heimat im Heim

Wallerfangen. Gemeinsam mit dem Krankenhaus gilt das Kinderheim St. Nikolaus in Wallerfangen als Keimzelle der Sophienstiftung. Bereits 1844, also 13 Jahre vor der Gründung der Stiftung durch Nicolas-Adolphe de Galhau, waren die ersten Kinder in der "Kinderbewahranstalt" untergebracht

Wallerfangen. Gemeinsam mit dem Krankenhaus gilt das Kinderheim St. Nikolaus in Wallerfangen als Keimzelle der Sophienstiftung. Bereits 1844, also 13 Jahre vor der Gründung der Stiftung durch Nicolas-Adolphe de Galhau, waren die ersten Kinder in der "Kinderbewahranstalt" untergebracht.Diese traditionsreiche Villa, ehemals "Schwarzes Schloss" genannt, beherbergt heute eine moderne Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe. Während damals Waisenkinder im Kinderheim untergebracht wurden, so haben, wie Leiterin Natalie Dresen erklärt, die 18 Kinder und Jugendlichen in der Einrichtung mindestens einen Elternteil. Die jungen Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in ihrer Familie bleiben können, werden als "Sozialwaisen" bezeichnet, sagt Dresen weiter.

"Ich habe 2004 gleich nach dem Studium zur Diplom-Pädagogin in Trier hier im Heim die Leitung übernehmen können und bin wirklich froh, gerade mal zehn Minuten von meinem Zuhause arbeiten zu können", sagt die junge Mutter. Vor vier Monaten hat Natalie Dresen ihre Tochter zur Welt gebracht und kann aufgrund der räumlichen Nähe Arbeit und Mutterschaft gut vereinbaren.

Vielleicht trägt auch ihre Verbundenheit zur Heimat mit dazu bei, dass sie den Jungen und Mädchen im Heim ein Stück dieses Heimatgefühls vermitteln will. Oberstes Ziel der Einrichtung, so betont sie, ist die Rückführung in die Familie. "Bis dies geschehen kann, versuchen wir, den Kindern und Jugendlichen in zwei altersgemischten Gruppen so viel Familienleben wie möglich zu vermitteln", erzählt die Leiterin. Nach dem Wecken gemeinsames Frühstück, Besuch von Schule und Kindergarten, Mittagessen, anschließend Hausaufgaben und Aktivitäten in den ortsansässigen Vereinen, alles läuft wie in einer Familie.

Neun Erzieher, darunter auch zwei Männer, kümmern sich 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr darum, dass die Kinder ein Stück Zuhause erfahren. "Wir leben dabei eine offene Form der Kommunikation. Die Kinder wissen, warum sie hier sind, sie wissen auch, dass sie nicht daran Schuld haben", erklärt Dresen.

Dass dabei alle ein ähnliches Schicksal teilen, viele schon recht früh in das Heim mussten, stärkt die Jungen und Mädchen gegenseitig. "Aber auch in der Schule, im Verein erzählen sie, dass sie hier im Heim leben. Wir sind eine offene Einrichtung, die Kinder sollen ihre Freunde hier empfangen dürfen", sagt Dresen.

Besonders froh ist sie darüber, dass das Heim der großen Stiftung angehört. "So eröffnen sich uns zahlreiche Möglichkeiten in Therapie und Freizeitbeschäftigung. Auch das Essen kommt vom benachbarten Krankenhaus."

Ein bisschen wehmütig denkt die Leiterin an die ehemaligen Bewohner, die mit 18 Jahren die Einrichtung verlassen mussten. "Wir freuen uns sehr über deren Besuch. Der Kontakt zu den Ehemaligen ist uns wichtig", sagt Dresen.

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