Ein Spiegel der Geschichte

Saarlouis. Von wucherndem Efeu befreit sind die 28 Gräber der Borromäerinnen und Franziskanerinnen auf dem "Alten Friedhof Saarlouis". Auch der zugehörige Sarkophag mit Obelisk und nahebei die Grabanlage der Saarlouiser Familien Hecquin-Meguin. Mitte 2009 begann die Sanierung beider Stätten

Saarlouis. Von wucherndem Efeu befreit sind die 28 Gräber der Borromäerinnen und Franziskanerinnen auf dem "Alten Friedhof Saarlouis". Auch der zugehörige Sarkophag mit Obelisk und nahebei die Grabanlage der Saarlouiser Familien Hecquin-Meguin. Mitte 2009 begann die Sanierung beider Stätten. Freigeschnitten und ausgebessert wurden Eisenkreuze und Gräber sowie die umlaufenden Sandsteinpoller mit geschmiedeten schwarzen Ketten. Weiterhin durchsetzt Grün das Grab der Hecquin-Meguin. Die Zwischenräume der Schwestern-Bestattungsanlage bedeckt nun Kalksteinsplitt, ein Vlies stört den Unkrautwuchs. Kettenglieder waren auszubessern und zu erneuern, Ösen und schadhafter Sandstein. 30 000 Euro investiertDas stellte Ralf Hoffmann von der Denkmalpflege der Stadt vor ausführenden Firmen dar, vor Förderverein, Landes-Denkmalpfleger Rupert Schreiber und Baudezernent Manfred Heyer. Die Arbeiten an beiden Grabanlagen kosteten rund 30 000 Euro. Der denkmalgeschützte "Alte Friedhof Saarlouis" spiegelt Saarlouiser Geschichte unter französischer und preußischer Herrschaft. Zum Beispiel, wo heute Obelisk und Sarkophag stehen. Das war, berichtete Heimatforscher Gernot Karge, ein Garten des Grafen Grenier. Darunter liegt die Gruft seiner 1815 bestatteten ersten Frau, Anne Elisabeth Grenier-Weber. 1816 schenkte er die Fläche der Pfarrei St. Ludwig als Erbbegräbnisstätte für die ab 1810 in Saarlouis tätigen Borromäerinnen und später folgenden Franziskanerinnen. Paul Grenier wurde wie Marschall Ney 1769 in Saarlouis geboren. Als hochrangiger französischer Offizier rettete er beim Rückzug aus Russland das Archiv der Grande Armée. 1818 bis 1823 war er Abgeordneter der Pariser Nationalversammlung. Er starb 1827 auf seinem Schloss in Ostfrankreich. Saarlouiser GründerfamilieNeben der Schwestern-Grabanlage liegt das frisch sanierte Grabmal der Familie Hautz-Anheiser. Die weiße Marmorplatte mit aufgesetztem Kreuz deckt einen Kalksteinblock von zwei Tonnen ab. Der sackte durch Wurzelwerk nach hinten, bevor Restaurator Markus Glöckner ihn nun aufrichtete und die Marmorplatte sanierte. 1773 wurde dort Marie Elisabeth Hautz-Anheiser als Erste auf dem Friedhof beigesetzt, wusste Fördervereins-Vorsitzender Hans-Jörg Schu. Die Familie Hautz aus Wallerfangen gilt als eine Gründerfamilie von Saarlouis. Das Grab wurde später zur Gedenkplatte für Capitaine Louis Hautz, den im Krimkrieg 1855 vor Sewastopol die Cholera dahinraffte.