Ein Seelsorger der Sonderklasse

Über 50 Jahre war Oberstudienrat Werner Recktenwald in Saarlouis für die Gläubigen da. Nun geht er einen Schritt Richtung Ruhestand, will sich aber weiter in der Gemeinde engagieren.

"Wir bedauern es, haben aber gleichzeitig Respekt davor, dass endgültig Schluss ist", erklärte Klaus Hild, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates St. Crispinus und St. Crispinianus Lisdorf am Sonntagvormittag im Rahmen des feierlichen Gottesdienstes in St. Ludwig Saarlouis . Dorthin hatten die Pfarreien eingeladen, um sich gemeinsam von einem ganz besonderen Seelsorger zu verabschieden - vor allem aber, um Danke zu sagen.

Nach mehr als 50 Jahren verlässt der Oberstudienrat in Rente, Werner Recktenwald, Lehrer, Theologe, Prediger und Wegbegleiter, die Gläubigen in Saarlouis in Richtung wohlverdienten Ruhestand .

Keine Wehmut am Altar

"So ganz höre ich nicht auf, habe meinen Nebenjob im Wallerfanger Krankenhaus und will mich endlich mal mehr um den Garten kümmern", sagte Recktenwald (86) nach der Messe. Und so fiel ihm der Abschied nicht schwer, selbst bei der Messfeier, bekennt er, kam bei ihm keine Wehmut am Altar auf. "Den Dienst in der Schule habe ich schon länger beendet, nun ist es hier an der Zeit", sagte er.

Die Laudatio auf den außergewöhnlichen Geistlichen hielt Anton Haidger, Pfarrer in Rente, "oder besser im Unruhestand", wie er selbst betonte. "Als ich 1974 nach Saarlouis kam, war Werner hier schon lange ein anerkannter Prediger und Religionslehrer", sagte er. Neben dem Dank der Pfarrgemeinde, bei der vor allem seine Predigten wichtige geistige Nahrung waren, kam von Haidger auch ein ganz persönlicher Dank. "Wir haben in den 32 Jahren keine ernsthafte Auseinandersetzung gehabt, unsere Zusammenarbeit war von Harmonie und Respekt geprägt." Erinnerungen an ihre Schulzeit verbindet die aktuelle Pfarrgemeinderatsvorsitzende aus Saarlouis , Elisabeth Müller-Thinnes, mit Recktenwald. "Ich erinnere mich vor allem an die Schulgottesdienste im Robert-Schumann-Gymnasium", sagte sie. Der Schulunterricht, betonte der 1928 in Heiligenwald geborene Theologe, habe ihm immer besonders am Herzen gelegen. "Sehr intensiv war meine Arbeit bei Rundfunk und Fernsehen, die Serie ,Aus christlicher Sicht' war mir sehr wichtig."

Ein ganz eigener Weg

Nach der Kriegsgefangenschaft, an die er sich mit Schrecken erinnert, konnte Werner Recktenwald erst 1949 sein Abitur ablegen, studierte in München Philosophie. Kein Geringerer als Joseph Ratzinger lief ihm dort über den Weg, die Theologie wurde zum Lebensmittelpunkt. "Ich musste, wenn ich in unserem Bistum Pastor werden wollte, in Trier studieren, das hat mir nicht ganz gepasst", verriet er. Nach seiner Zeit als Kaplan hängte er ein Studium in Münster an, war Militärpfarrer, Religionslehrer, kam schließlich in seine Heimat zurück. "Sicher habe ich sehr viel gearbeitet, aber es gab Menschen, die mir immer den Rücken freigehalten haben", sagte er. Die Entwicklungen in der Kirche verfolgt er mit Neutralität. "Ich bin immer meinen eigenen Weg gegangen", betonte er.