Ein Ort für Familien aller Art

Umgezogen, bezogen, und nun auch gesegnet: Ein bisschen wurde bei der Einweihung der Familienbildungsstätte Saarlouis sichtbar, wie sich das Bistum Trier die kirchliche Zukunft vorstellt.

Die Einweihung der neuen Räume der katholischen Familienbildungsstätte Saarlouis am Sonntag geschah vor dem Hintergrund kirchlicher Veränderungen und machte sie zumindest ein bisschen sichtbar. Weniger, weil der Kreisbeigeordnete Klaus Engel, ein Christdemokrat, Weihbischof Robert Brahm mit "Euer Eminenz" ansprach, was doch schon ziemlich lange aus der Mode ist. Zumal "Eminenz" nur einem Kardinal zusteht. Und "Euer Eminenz" als Anrede höchstens bei Don Camillo im Film vorkommt. "Herr Bischof" wäre eine auch römisch korrekte Anrede, inzwischen.

Wichtigere und aktuelle Veränderung: Im Bistum Trier läuft ein breit angelegter Beratungsprozess zur Zukunft der Kirche. Diese Synode geht davon aus, dass sich die Katholiken von der flächendeckenden seelsorglichen Versorgung in selbst sehr vergrößerten Pfarreien verabschieden müssen.

Als Orte kirchlichen Lebens würden dann, so die Synode, "netzwerkartige Kooperationsformen" dienen. Zum Beispiel: "Die Familienbildungsstätte Saarlouis ist ein neuer Ort von Kirche im Sinne der Synode des Bistums Trier", wie Weihbischof Brahm sagte.

Ähnlich Dechant Heinz Haser: "Diese Familienbildungsstätte wird noch stärker ein Kirch-Ort sein, wo Kirche erlebbar und gelebt wird."

Eine weitere Entwicklung wurde sichtbar, als Brahm hervorhob: Die Familienbildungsstätte (FBS) trage "dem ständigen Wechsel der Familie Rechnung", der auf "die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen" zurückgehe. Die FBS spreche die Familie an, die in "gleich welcher Form eine einzigartige Entwicklung und Erziehung der Kinder, Geborgenheit und Wärme" biete.

"Alle Arten von Familie"

Ähnlich Horst Ziegler, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Erwachsenenbildung: Die FBS richte sich an "alle Arten von Familie, auch an gleichgeschlechtliche Partnerschaften". Deutlich wurde, dass die katholische Kirche Familie auch in nicht traditionellen Formen anerkennen und willkommen heißen will.

Die FBS war bisher in der Lisdorfer Straße in Saarlouis , verteilt auf zwei Geschosse und das Kellergeschoss. Dort vergrößert eine Bank ihre Räume, weshalb die FBS einen neuen Standort brauchte.

Jetzt verteilen sich sechs helle, freundliche Kursräume und Büros auf unveränderter Fläche von 490 Quadratmeter auf einem Erdgeschoss. In den angemieteten Räumen war zuletzt eine Möbelbörse untergebracht. Die Räume sind barrierefrei zu erreichen, was laut Geschäftsführerin und Leiterin Marlen Dräger-Ottenbreit zu großer Nachfrage anderer Gruppen führt.

Im Bistumsvergleich ist das FBS eine mittelgroße Einrichtung dieser Art, eine der jüngeren: 1989/90 gründete sich der Träger, ein eingetragener Verein, der auch den ehrenamtlichen Vorstand stellt. Dräger-Ottenbreit zur Seite stehen zwei Sekretärinnen in Teilzeit. Die rund 5000 Unterrichtsstunden im Jahr bei 8000 Besuchern werden von 80 Honorarkräften gestaltet.

50 Prozent vom Bistum

Im Mittelpunkt des Programms stehen Eltern und Kinder. Finanziert wird das FBS nach eigenen Angaben zu 50 Prozent vom Bistum, zu 30 bis 35 Prozent aus Gebühren der Teilnehmer, den Rest bezahlen Land, Kreis und Stadt.

Das FBS befindet sich jetzt in der Ludwig-Karl-Balzer-Allee. Das ist eine neue Straße im früheren Astra-Gelände nahe dem Max-Planck-Gymnasium.

Meinung:

Willkommenskultur

 Weihbischof Robert Brahm segnet fünf Kreuze, die in der FBS aufgehängt werden. Fotos: Thomas Seeber
Weihbischof Robert Brahm segnet fünf Kreuze, die in der FBS aufgehängt werden. Fotos: Thomas Seeber

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Ein gleichgeschlechtliches Paar mit Kind in einer Pekip-Gruppe für Eltern in der katholischen Familienbildungsstätte? Ist das die Zukunft? Ist sie nicht, das ist Gegenwart, das gibt es schon, auch in Saarlouis . Die Basis der Kirche hat die Grundentscheidung längst getroffen, sich der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Sachen Familie zu öffnen. Willkommenskultur für die Realität. Vorreiter kann die Kirche da nicht mehr werden, aber Begleiter. Das ist wohl auch die Rolle, die unter anderem Familienbildungsstätten als Orte kirchlichen Lebens künftig zukommen sollen. Auf solchen Einrichtungen wird die Last der Bewährung des Christlichen in der Welt, der Weitergabe des Glaubens, liegen. Persönliche Glaubwürdigkeit wird da ganz neu gefragt sein.